Tschechischer Minister: Gesundheit Priorität für EU-Ratspräsidentschaft

Vlastimil Válek ist der tschechische Gesundheitsminister. Er sprach mit EURACTIVs Gesundheitsjournalist:innen, Amalie Holmgaard Mersh und Gerardo Fortuna.

/ EURACTIV.com
Inaugural meeting of Czech government
Vlastimil Válek wurde am 17. Dezember 2021 als tschechischer Gesundheitsminister vereidigt. Er wird in den nächsten sechs Monaten alle Treffen der EU-Gesundheitsministerien leiten. [<a href="https://webgate.epa.eu/thumb.php/57361545.jpg?eJw1jjEOwjAMRe_imaGJ7aTNhrqAREGiSMCEUpOwIAZKJ8rdMa2Ynr7fl-031EsIOd77tIB6BQFAeYJgFOcJmzUEq9iqTI_bZeijdhpN7NEZJv7Fw9Rtp2pbQyBFM89UvZ6D7j_Oeg_BF4XG5i92KoCu4oTJIWLlXSdscq6SFCxksmDWK_oqWCyxHK2tHI8xdWRZhEqM3oiFzxdeAzM-" target="_blank" rel="noopener">EPA-EFE/MARTIN DIVISEK</a>]

Krebsvorsorge, Verhandlungen über langfristige Corona-Impfstoffverträge, der Europäische Gesundheitsdatenraum und die Versorgung der Ukrainer:innen werden die Hauptprioritäten der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft im Gesundheitsbereich sein, so der tschechische Gesundheitsminister im Interview mit EURACTIV.com.

Vlastimil Válek ist der tschechische Gesundheitsminister. Er sprach mit den EURACTIV-Gesundheitsjournalist:innen, Amalie Holmgaard Mersh und Gerardo Fortuna.

Wenn sich die tschechische Präsidentschaft dem Ende zuneigt, was wollen Sie im Bereich Gesundheit erreicht haben?

Das hängt von vielen Dingen ab, unter anderem von der [Bereitschaft der] EU-Kommission und der anderen Mitgliedsstaaten. Wir werden die Diskussionen moderieren, und zwar so gut wir können. Es gibt viele Themen, aber zunächst möchten wir die Debatte über die Empfehlungen zu Vorsorgeprogrammen und Krebspatient:innen abschließen.

Diese Woche findet eine erste Konferenz zum Thema Onkologie statt, und ich hoffe, dass es bereits einige Schlussfolgerungen zu den Screening-Programmen geben wird. Zwischen den EU-Staaten gibt es erhebliche Unterschiede in medizinischer und politischer Hinsicht, was das Screening betrifft. Ein typisches Beispiel ist das hepatozelluläre Karzinom, da die Zahl der Fälle in Süd- und Nordeuropa unterschiedlich ist.

Zweitens gibt es den Europäischen Gesundheitsdatenraum, wo wir die Diskussion fortsetzen und so viel Arbeit wie möglich leisten möchten. Wir werden aber auch über Impfungen und insbesondere über künftige Verträge mit Herstellerfirmen diskutieren und die Kommission bei der Aushandlung dieser Verträge unterstützen.

Andererseits möchten wir über Impfungen im Allgemeinen diskutieren, da sie für den Schutz der Patient:innen äußerst wichtig sind und in engem Zusammenhang mit der öffentlichen Gesundheit stehen. Wir werden unsere Präsidentschaft mit einigen Empfehlungen zur Immunisierung abschließen.

Könnten Sie näher auf die Rolle der tschechischen Präsidentschaft bei der Aushandlung der neuen Impfstoffverträge eingehen?

Ich bin mir absolut sicher, dass die Kommission bei den Verträgen hervorragende Arbeit geleistet hat. Ich kann mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die Kommission und die Unternehmen vor zwei Jahren keine solchen Verträge unterzeichnet hätten und in Europa keine Impfstoffe verfügbar gewesen wären. Ich denke, dies war einer der größten Erfolge der Kommission in Bezug auf die Qualität der Gesundheitsversorgung in Europa.

Wir wollen mit der Kommission über die nächsten Schritte diskutieren und sie dabei unterstützen, denn die Situation ist jetzt anders. Vor zwei Jahren glaubte jeder, dass COVID verschwunden sein würde, aber die Realität ist, dass COVID immer noch da ist, und wir erwarten eine weitere Welle im Herbst. Es ist notwendig, langfristige Verträge mit Unternehmen zu schließen und der europäischen Bevölkerung die besten Impfstoffe für all diese Mutationen anzubieten.

COVID wird in Europa und in der ganzen Welt bleiben. Ich hoffe, dass alle Entscheidungen darüber, wie mit dem erwarteten Anstieg der Patientenzahlen ab September umgegangen werden soll, evidenzbasiert und nicht rein politisch sind.

Während der Pandemie war das Interesse an der Gesundheit groß. Glauben Sie, dass dieses Interesse jetzt, wo es neue globale Probleme wie Krieg, Inflation und hohe Energiekosten gibt, geringer sein könnte?

Die Gesundheit spielt keine Rolle, wenn man gesund ist. Es ist schön, reich zu sein und Freiheit zu haben, aber ohne Gesundheit ist das alles nutzlos, also ist die Gesundheit das Wichtigste im Leben. Je älter man wird, desto wichtiger wird die Gesundheit. Die öffentliche Gesundheit ist und bleibt eines der wichtigsten Themen.

Auch die Katastrophe, die Ukrainer:innen am eigenen Leib erfahren, hat gesundheitliche Auswirkungen.

Glücklicherweise steht die Ukraine jetzt auf der Liste der Länder, die hoffentlich in naher Zukunft Mitglied der EU werden. Deshalb müssen wir der Ukraine eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bieten. Das ist nicht nur ethisch wichtig, sondern auch notwendig. Ukrainische Flüchtlinge erhalten in vielen verschiedenen EU-Staaten bereits eine erstklassige Gesundheitsversorgung.

In Tschechien gibt es beispielsweise mehr als 300.000 ukrainische Flüchtlinge – etwa fünf Prozent unserer Bevölkerung – und unsere Regierung bietet ihnen eine umfassende Krankenversicherung. Die Situation ist in allen Mitgliedsstaaten gleich.

Wir müssen die Behandlung der ukrainischen Flüchtlinge fortsetzen, anstatt nach einem halben oder einem Jahr zu sagen: „Auf Wiedersehen, kehrt zurück in die Ukraine.“ Es ist eine große europäische Verantwortung, und es geht nicht nur um die Wirtschaft, denn wie ich schon sagte, ist die Gesundheit das Wichtigste, was wir anbieten können. Deshalb müssen wir den Ukrainer:innen eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bieten, nicht nur, wenn sie in Europa sind, sondern auch, wenn sie zurückkehren. Diese Diskussion wird auch während unserer Präsidentschaft geführt werden.

Sie haben den Europäischen Gesundheitsdatenraum erwähnt. Besteht die Chance, dass der EU-Rat während der tschechischen Ratspräsidentschaft einen allgemeinen Ansatz dazu verabschiedet?

Es ist möglich, einige Diskussionen abzuschließen und zu Teilschlussfolgerungen zu gelangen. Aber das Thema ist sehr komplex. Es ist nicht so einfach, die Diskussion zu beenden. Es ist nicht nur wichtig, die Sorgen der Patient:innen über die Qualität der Gesundheitsversorgung zu diskutieren, sondern auch über die Sicherheit der Daten. Daher wird die Diskussion auch nach unserer Präsidentschaft weitergehen, aber wir werden so viel wie möglich tun, um eine qualitativ hochwertige Diskussion zu gewährleisten.

Wie schwierig wird es sein, bei den Diskussionen über den Europäischen Gesundheitsdatenraum ein Gleichgewicht zwischen gesundheitlichen und digitalen Aspekten herzustellen?

Wir erwarten einige Vorschläge aus verschiedenen EU-Staaten. Ich bin sicher, dass die Standardisierung der europäischen Daten so etwas wie eine große Brücke zwischen den verschiedenen Sprachen ist, die durch die unterschiedlichen Gesundheitsdaten repräsentiert werden. Dieses Thema ist sehr wichtig für Patient:innen, Ärzt:innen und Forscher:innen bei der Entwicklung neuer Medikamente und klinischer Studien. Wenn Sie im Ausland im Urlaub sind und ein Unfall passiert, ist es bei Ihrer Rückkehr in Ihr Heimatland sehr nützlich, wenn Ihr örtliches Krankenhaus oder Ihr Hausarzt auf alle im Ausland erhobenen Daten zugreifen und diese nutzen kann.

Die Kommission wird in Kürze eine mit Spannung erwartete Überarbeitung der EU-Rechtsvorschriften über Blut, Gewebe und Zellen vorlegen. Gibt es Themen in Bezug auf dieses Dossier, die Sie während des Ratsvorsitzes ansprechen möchten?

Seien Sie versichert, dass ich als Arzt und Gesundheitsminister diesem Vorschlag mit großer Spannung entgegensehe. Ich kenne den Inhalt noch nicht, aber ich weiß, dass die Zahl der Transplantationsthemen und der personalisierten Medizin immer größer wird. Daher ist dieses Material für die Zukunft und für die Qualität der Behandlung in Europa äußerst wichtig.

Dieser Vorschlag ist sehr wichtig, da wir mit einer zunehmenden Zahl von Krankheiten konfrontiert sind, wie zum Beispiel hämatologischen Krankheiten oder einigen anderen seltenen Krankheiten, die mit verschiedenen Materialien aus Blutzellen oder Gewebe behandelt werden.

Es wird erwartet, dass die Kommission im letzten Quartal des Jahres ihre Überarbeitung des Arzneimittelgesetzes vorlegen wird.

Es ist schwer zu sagen, denn wir erwarten den Vorschlag der Kommission, und erst danach können wir mit der Diskussion beginnen. Leider weiß ich nicht, ob wir während unserer Präsidentschaft genug Zeit haben werden, um die Diskussion fortzusetzen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]