Angriff auf Fernsehsender: Albanische Polizei setzt €100.000 für Hinweise aus
Die albanischen Behörden haben eine Belohnung in Höhe von 100.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Angreifer auf den größten Fernsehsender des Landes führen.
Die albanischen Behörden haben eine Belohnung in Höhe von 100.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Angreifer auf den größten Fernsehsender des Landes führen.
Pal Kola, ein Wachmann von dem Fernsehsender Top Channel, wurde in den frühen Morgenstunden des Montags durch ein Sperrfeuer von Kugeln aus mindestens einer AK-47 erschossen. Es wird vermutet, dass die Täter den Tatort verließen, das Fahrzeug mit den Waffen darin in Brand setzten und sich dann aus dem Staub machten.
„Die Staatspolizei bittet die Bürger um Hinweise zu den Tätern dieses schwerwiegenden Vorfalls und setzt eine Belohnung in Höhe von 100.000 Euro für jeden wertvollen Hinweis aus, der zur Identifizierung der Täter führt“, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Außerdem wurde eine spezielle Hotline für Hinweise eingerichtet.
Die Polizei gab bekannt, dass sie von drei Verdächtigen ausgeht: einem Fahrer und zwei Bewaffneten.
Laut Überwachungskameras aus der Umgebung verübten die Täter den Anschlag, bevor sie in Richtung Durres fuhren. Am Tatort wurden 56 Patronen sowie Trümmer von anderen Munitionsarten gefunden. Das Fahrzeug, ein brauner Range Rover, wurde nach Angaben der Polizei einem kosovarischen Staatsbürger gestohlen, der in Albanien Urlaub machte.
Nach dem Anschlag gab Top Channel eine Erklärung ab, in der es von einem „terroristischen Anschlag“ sprach.
„Top Channel bringt die Klarheit zum Ausdruck, dass dieser beispiellose terroristische Akt durchgeführt wurde, um die Mission der freien Medien und die Macht der freien Meinungsäußerung zu beschädigen und anzugreifen (…) Terroranschläge dieser Art zeigen deutlich, wie wichtig die freie Meinungsäußerung ist und wie beunruhigend es ist, die Demokratie zu unterwandern.“
Für den albanischen Fernsehsender ist ein derartiger Angriff ein Novum.
„Top Channel, seine Anteilseigner und Familienmitglieder, Manager, Journalisten und Autoren waren und sind seit seiner Gründung nie das Ziel eines individuellen Angriffs gewesen, alles in diesem Terrorakt steht in Zusammenhang und hat nur mit der Mission von Top Channel zu tun.“
Es gibt derzeit keine öffentlich zugänglichen Informationen über die Motive der Bewaffneten oder den Grund für den Angriff.
Nach der Verurteilung des Mordes durch Politiker und lokale und internationale Presseorganisationen schloss sich auch die EU-Delegation in Tirana dem Ruf nach Gerechtigkeit an.
„Wir fordern die albanischen Behörden auf, eine rasche und gründliche Untersuchung durchzuführen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Rechtsstaatlichkeit und Medienfreiheit sind zwei Grundwerte demokratischer Gesellschaften, die aufrechterhalten werden müssen“, twitterten sie und drückten gleichzeitig der Familie von Kola ihr Beileid aus.
Die OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit, Teresa Ribeiro, äußerte ebenfalls ihr Entsetzen.
„Ich bin entsetzt über den heutigen Schusswaffenangriff in Albanien. Mein herzliches Beileid gilt der Familie und den Kollegen von Pal Kola, dem Wachmann des Senders, der bei diesem abscheulichen Anschlag getötet wurde. Ich vertraue darauf, dass die Behörden die Verantwortlichen schnell identifizieren und strafrechtlich verfolgen werden.“
Top Channel wurde 2001 gegründet und besteht aus Radio-, Fernseh- und Online-Medien sowie aus Kinos, einem Telekommunikationsunternehmen und sogar einer Kaffeemarke. Der Sender wird in ganz Europa und in Nordamerika ausgestrahlt und bedient die große albanische Diaspora.
Obwohl Top Channel der meistgesehene Sender des Landes ist, war er im Laufe der Jahre nicht gegen Kritik gefeit. Im Jahr 2022 beschuldigte Rama den Sender, der in der Regel eine objektive Berichterstattung verfolgt, die Regierung mit negativer Kritik zu erpressen.
Albanien ist in den letzten Jahren im Weltindex für Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen deutlich zurückgefallen, wobei Themen wie fehlende Pluralität bei den Medienbesitzern, schlechte Arbeitsbedingungen und politischer Druck immer wieder als problematisch hervorgehoben wurden.
In einem Interview auf Top Channel am Dienstagabend sagte Rama, dass die Medien in Albanien noch nie so frei waren wie heute.
„Die Freiheit der Medien in Albanien war noch nie in der Situation, in der sie sich heute befindet, und zwar in positiver Hinsicht. Noch nie hatten die Medien die Freiheit, zu sagen, was sie wollen, und jeden Standpunkt zum Ausdruck zu bringen(, sogar in einem Aspekt, der ihre Freiheit insgesamt missbraucht – würd ich raus nehmen)“, sagte er.
„Ich sage den Menschen, die Teil dieser Institution sind, dass sie ihre Mission mit Stolz fortsetzen sollen“, fügte er hinzu.