Belgien kann Laufzeit von Atomreaktoren verlängern, sagt Aufsichtsbehörde

Die belgische Aufsichtsbehörde für Kernkraft hat am Montag vorläufiges grünes Licht für die Verlängerung der Laufzeit von zwei belgischen Atomreaktoren gegeben. Doch die Regierung müsse schnell eine endgültige Entscheidung treffen.

EURACTIV.com with Reuters
epa09559901 A general view showing the Engie nuclear power plant in Tihange, Belgium, Belgium, 02 November 2021. The Tihange Nuclear Power plant is one of two nuclear energy production sites, with Doel in Belgium being the other and contains 3 nuclear power reactors. Belgium should confirm this month the exit of Nuclear production for 2025.  EPA-EFE/OLIVIER HOSLET
Das Kernkraftwerk Tihange ist neben dem Standort Doel einer von zwei Standorten zur Erzeugung von Kernenergie in Belgien. Der Standort Tihange wird von Engie betrieben und verfügt über 3 Kernkraftreaktoren. [<a href="https://webgate.epa.eu/?16634349628007773501&MEDIANUMBER=57270280" target="_blank" rel="noopener">EPA-EFE/OLIVIER HOSLET</a>]

Die belgische Föderalagentur für Nuklearkontrolle hat am Montag (17. Januar) vorläufiges grünes Licht für die Verlängerung der Laufzeit von zwei belgischen Atomreaktoren gegeben. Doch die Regierung sollte im ersten Quartal 2022 eine endgültige Entscheidung in dieser Frage treffen.

Belgiens Sieben-Parteien-Koalition ringt seit Monaten um das Thema Atomkraft. Die Grünen halten an einem Gesetz aus dem Jahr 2003 fest, das den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2025 vorsieht. Gleichzeitig befürworten die französischsprachigen Liberalen eine Verlängerung der Laufzeit der beiden neuesten Reaktoren.

Die beiden belgischen Kernkraftwerke mit insgesamt sieben Reaktoren werden vom französischen Energieversorger Engie betrieben und sind für fast die Hälfte der Stromerzeugung des Landes verantwortlich.

Minister:innen einigten sich im Dezember auf einen Kompromiss, wonach das letzte bestehende Kernkraftwerk im Jahr 2025 abgeschaltet werden sollte, sofern dies nicht zu Engpässen in der Energieversorgung führt.

Zur Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren Tihange 3 und Doel 4 wäre eine Modernisierung der Anlagen erforderlich, so die Föderalagentur für Nuklearkontrolle in einem Bericht an die Regierung. Die belgische Exekutive sollte hierfür bis Ende Januar den Beginn der Planungen anordnen.

Eine Verlängerung sollte mindestens 10 Jahre betragen, sagte die Aufsichtsbehörde.

Die Regierung hat angekündigt, dass sie Mitte März eine klare Entscheidung treffen wird. Bis dahin werde sie mit Stromnetzbetreiber Elia darüber beraten, ob der belgische Atomausstieg die Energieversorgung gefährden würde.

Premierminister Alexander De Croo sagte, es sei möglich, dass bestimmte Kernreaktoren länger in Betrieb bleiben könnten, aber dies sei „sehr unwahrscheinlich“.

Der geplante Atomausstieg soll mit der Abschaltung eines Reaktors am 1. Oktober 2022 beginnen. Die Stilllegung, einschließlich der Beseitigung aller radioaktiven Materialien und des Abrisses der Gebäude, soll bis 2045 abgeschlossen sein.