Bulgarien tauscht billigeres Benzin gegen Umgehung von Russland-Sanktionen
Der bulgarische Präsident Rumen Radev war am Donnerstag Gastgeber eines Treffens zwischen Vertreter:innen seiner geschäftsführenden Regierung und dem Chef von Lukoil Bulgarien, Vadim Vorobyov.
Der bulgarische Präsident Rumen Radev war am Donnerstag Gastgeber eines Treffens zwischen Vertreter:innen seiner geschäftsführenden Regierung und dem Chef von Lukoil Bulgarien, Vadim Vorobyov.
Bei der Zusammenkunft wurden die inflationssteigernden Kraftstoffpreise erörtert. Währenddessen brachte das russische Unternehmen seine Besorgnis über das europäische Embargo gegen russisches Öl zum Ausdruck.
Präsident Radev dankte den Vertreter:innen von Lukoil für die wichtige Rolle, die das Unternehmen im Lande spielt. De facto ist Bulgarien leicht erpressbar ob seiner Abhängigkeit von Russland.
Er wies darauf hin, dass „Lukoil“ ein wichtiger Teil der bulgarischen Wirtschaft, einer der wichtigsten Arbeitgeber und ein bedeutender Hersteller von Kraftstoffen mit einem dominierenden Marktanteil ist.
Radev sprach vor allem über die hohen Treibstoffpreise und die Suche nach Maßnahmen zu deren Senkung. Lukoil unterliegt nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine den europäischen Sanktionen.
Die geschäftsführende Regierung von Präsident Radev hat den Ton gegenüber den großen russischen Unternehmen im Lande deutlich geändert und Gespräche über die Wiederaufnahme der Lieferungen von Gazprom aufgenommen.
„Die hohen Kraftstoffpreise sind einer der Hauptgründe für den Preisanstieg bei allen Waren und Dienstleistungen und führen zu einem Konsumrückgang, was nicht nur für die Verbraucher:innen, sondern auch für die Hersteller ein Verlust ist“, sagte der Präsident zu den Vertreter:innen von Lukoil, so sein Büro.
„Daher bin ich der Meinung, dass Ihr bevorstehendes Treffen mit der bulgarischen Regierung eine gute Gelegenheit ist, Maßnahmen zur Stabilisierung des wirtschaftlichen Umfelds und zur Bekämpfung der Inflation zum Nutzen der bulgarischen Konsument:innen zu finden“, fügte er hinzu.
Nach Ansicht des Präsidenten sind die hohen Kraftstoffpreise einer der Hauptgründe für den Anstieg der Preise für sämtliche Güter und Dienstleistungen und führen zu einem Rückgang des Verbrauchs. „Lukoil“ ist nicht nur ein wichtiger Teil der bulgarischen Wirtschaft, sondern auch einer der wichtigsten Arbeitgeber.
„Die Entwicklung der Wirtschaft hängt zu einem großen Teil vom Wert der produzierten Kraftstoffe ab, aber auch von den Inflationsprozessen, was die strategische Bedeutung des Unternehmens für die bulgarische Wirtschaft bestimmt, insbesondere in Krisenzeiten“, kommentierte der Präsident.
„Lukoil“ besitzt über seine Gesellschaft „Lukoil Neftohim Bulgaria“ die größte Ölraffinerie auf dem Balkan, die lange Zeit keinerlei Gewinnsteuer in Bulgarien zahlte. Das Unternehmen verzeichnete trotz seines enormen Umsatzes von mehr als 3 Milliarden Euro pro Jahr (in den meisten Jahren) und seiner dominanten Stellung auf dem Markt erhebliche Verluste.
Zwischen 2006 und 2020 gab es nur drei Jahre, in denen das Unternehmen einen Gewinn auswies (2007, 2016 und 2017). In allen anderen Jahren macht es Verluste, und zwar in beträchtlicher Höhe.
Im Jahr 2020 meldete das Unternehmen einen Verlust von über 255 Millionen Euro und erzielte laut seinem letzten Bericht nur einen kleinen Gewinn.
Der bulgarische Energieexperte Vasil Nachev stellte bereits im Mai fest, dass der Preis für russisches Ural-Öl, das von der Lukoil-Raffinerie in Bulgarien verwendet wird, um 37 US-Dollar pro Barrel niedriger ist als der Preis für Brent-Öl. Der Grund dafür sei der Einmarsch in die Ukraine. In Bulgarien blieben die Preise für russische Rohstoffe jedoch nahe an denen der internationalen Märkte.
Zwischengeschaltetes Unternehmen im bulgarischen Erdölhandel ist die in der Schweiz registrierte Firma „Litasco“, die Mehrheitsaktionär von „Lukoil Neftohim Bulgaria“ ist. Dieses Unternehmen kauft Rohöl von der russischen Lukoil und verkauft es an eine Raffinerie in Bulgarien.
Hinter den drei Unternehmen steht praktisch ein Eigentümer – die russische „Lukoil.“ Das Ziel des Maklers ist es, billig einzukaufen und teuer zu verkaufen, während das bulgarische Unternehmen praktisch nur stückweise arbeitet. So bleibt ein großer Teil des Gewinns in Russland.
Etwa 60 Prozent der Kraftstoffe für den bulgarischen Markt werden in der Lukoil-Raffinerie verarbeitet. Dem Unternehmen gehören fast 70 Prozent der Lagerhäuser, in denen die Brennstoffe konkurrierender Unternehmen gelagert werden, weshalb es einen sehr großen Einfluss in Bulgarien hat.
Der Vertreter von „Lukoil“ Vorobyov erklärte bei dem Treffen, dass das Unternehmen den Dialog mit der bulgarischen Regierung fortsetzen werde und Maßnahmen geplant seien, um die Stabilität der bulgarischen Wirtschaft zu erhalten. Bulgarien hat von der EU eine Ausnahmeregelung für den Import von russischem Öl bis Ende 2024 erhalten.
Die Pläne der Vorgängerregierung sahen bis dahin vor, dass die Raffinerie in Burgas auf den Betrieb ohne russisches Öl umgestellt werden sollte. Inzwischen wurde klar, dass die geschäftsführende Regierung für eine Ausnahmeregelung stimmen wird, durch die Bulgarien das in der EU-Verordnung beschlossene Verbot der Vergabe und Fortführung öffentlicher Aufträge an russische Unternehmen nicht einhalten muss.
Der Grund dafür ist, dass viele staatliche Institutionen Rahmenverträge für die Lieferung von Treibstoff abgeschlossen haben, bei denen Lukoil entweder ein Auftragnehmer oder ein Lieferant für andere Treibstoffhändler ist.