Bulgarische Bevölkerung: Skopje soll zuerst Probleme mit Sofia lösen
Der Großteil der bulgarischen Bürger:innen lehnt Zugeständnisse an Skopje und die Aufhebung des Vetos ab, bevor bilaterale Fragen geklärt sind.
Der Großteil der bulgarischen Bevölkerung lehnt Zugeständnisse an Skopje und die Aufhebung des Vetos ab, bevor bilaterale Fragen geklärt sind. Laut einer Umfrage von Gallup International Balkan halten 71% der Bulgar:innen die Beziehungen zwischen Skopje und Sofia für vorrangig.
Hingegen räumen nur 7,5% der Bulgar:innen der EU-Mitgliedschaft Nordmazedoniens Priorität ein.
Im Juni noch gaben 57,9% der Bulgar:innen an, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern von größter Bedeutung sind und eine Einigung angestrebt werden muss.
Hintergrund der angespannten Beziehungen ist vor allem die gemeinsame Geschichte beider Länder. Sofia fordert, dass Nordmazedonien seine Sprache als bulgarischen Dialekt anerkennt, was Skopje ablehnt. Solange dieser Konflikt nicht geklärt ist, blockiert Sofia die EU-Beitrittsverhandlungen.
Im Sommer ergab eine andere Gallup-Umfrage, dass 70% der Bulgar:innen gegen die Aufhebung des Vetos sind, sollte Skopje die Bedingungen Sofias nicht akzeptieren. Nur 19,3% sprachen sich für einen bulgarischen Kompromiss aus.
Im Dezember schlug Bulgarien vor, den EU-Verhandlungsprozess mit Nordmazedonien und Albanien aufzuteilen, damit Tirana nicht unter dem Veto Bulgariens gegenüber Skopje leidet.
Am Donnerstag erklärte der nordmazedonische Vizepremierminister Artan Grubi, dass Skopje den Gesprächen mit Sofia sehr optimistisch gegenüberstehe. Nordmazedonien hoffe, auf dem EU-Gipfel im Dezember ein positives Signal zu erhalten, sagte er.
„Wir werden mit der neuen Regierung in Bulgarien kommunizieren und hoffen auf einen konstruktiven Ansatz, denn wir sind zu einem Kompromiss bereit, der unserem Land und insbesondere meinen mazedonischen Landsleuten würdig ist“, fügte Grubi hinzu.
Laut Grubi verfolgt Frankreich eine Initiative zur Beilegung des Streits zwischen Nordmazedonien und Bulgarien.
„Es gibt eine französische Initiative, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, um alle Differenzen zu überwinden, sodass in den kommenden Monaten des Jahres 2022, im Frühjahr, die erste Regierungskonferenz stattfinden wird“, sagte der Vizepremier.
Der amtierende bulgarische Premierminister Stefan Yanev bestätigte am Donnerstag, dass sich an der bulgarischen Position zu Nordmazedonien nichts geändert hat.