Chinesen kopieren österreichischen Badeort
Eine Kirche, ein Marktplatz, eine Dreifaltigkeitssäule und ein See - was bald im Süden Chinas entstehen soll, ist eine detailgetreue Kopie des österreichischen Dorfes Hallstatt. Der EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin warnt vor Gefahren für das Tourismusland Österreich, andere erhoffen sich einen Werbeeffekt.
Eine Kirche, ein Marktplatz, eine Dreifaltigkeitssäule und ein See – was bald im Süden Chinas entstehen soll, ist eine detailgetreue Kopie des österreichischen Dorfes Hallstatt. Der EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin warnt vor Gefahren für das Tourismusland Österreich, andere erhoffen sich einen Werbeeffekt.
Die "Raubkopie" einer österreichischen Marktgemeinde beschäftigte EU-Abgeordnete und Vertreter des Chinesischen Volkskongresses bei einem Treffen Anfang der Woche in Brüssel. Das teilte der unabhängige österreichische EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin heute mit. Wu Xiahou, Mitglied des Rechtsaussschusses des Chinesischen Volkskongresses, habe ihm zugesichert: "Sobald wir nach China zurückkehren, werden wir das prüfen." Auch der Vorsitzende der chinesischen EU-Delegation, Zha Peixin, habe eine "umgehende Reaktion" versprochen, so Martin.
Nahe der Stadt Huizhou in der chinesischen Provinz Guangdong wird derzeit der detailgetreue Nachbau des österreichischen Dorfes Hallstatt geplant, samt Kirche, Marktplatz und See. Hinter dem Projekt steht der Rohstoff-Konzern "China Minmetals Corporation" (Jahresumsatz: 27 Milliarden Dollar), der bereits im Internet dafür wirbt. Das kopierte Dorf soll ein neues Wohngebiet aufwerten, daneben sollen Hochhäuser in den Himmel ragen.
Hallstatt gehört zum Weltkultur- und Naturerbe und hat rund 800 Einwohner. Die chinesischen Investoren informierten das Original-Dorf nicht über ihr Vorhaben. Erst die österreichische Zeitung "Die Presse" enthüllte die Pläne für das chinesische Hallstatt-Imitat.
Hallstatts Bürgermeister Alexander Scheutz äußerte gegenüber der Zeitung, die Kopie seiner Gemeinde sei "schon ziemlich erschreckend". Andere Bewohner zeigten sich stolz und rechnen mit einem Imagegewinn für ihren Ort, der so schön ist, dass andere ihn nachbauen.
Der EU-Abgeordnete Martin warnt allerdings: "Wenn chinesische Investoren europäisches Kulturgut kopieren, so müssen wir darum kämpfen, dass dies auf einer fairen Grundlage geschieht." Das Original müsse davon profitieren können, nicht nur die Kopie.
Der beabsichtigte Hallstatt-Nachbau verleihe den grundsätzlichen Fragen von Nachahmerprodukten in China neue Brisanz, so Martin. "Für das Tourismusland Österreich entstehen so neue Gefahren." Ob Hallstatt-Urlauber künftig einen Flug nach China buchen, bleibt abzuwarten.
awr
Links
Presse
Kleine Zeitung: "Wie wenn jemand eingebrochen hat" (15. Juni 2011)
Die Presse: Chinesen bauen Hallstatt inklusive See nach (14. Juni 2011)