Eine „Lingua Franca“ für den europäischen Arbeitsmarkt?

Die Vielsprachigkeit ist ein ausschlaggebender Faktor für den Erfolg von KMU in Europa, hörten die Teilnehmer einer Debatte, die von einer französischen Sprachorganisation in der Europäischen Kommission veranstaltet wurde.

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Die Vielsprachigkeit ist ein ausschlaggebender Faktor für den Erfolg von KMU in Europa, hörten die Teilnehmer einer Debatte, die von einer französischen Sprachorganisation in der Europäischen Kommission veranstaltet wurde.

Die Debatte fand am Dienstag (30. November) Abend in einem der Kommissionsrestaurants statt und versammelte politische Entscheidungstreffer aus der Industrie, der Zivilgesellschaft und den europäischen Institutionen.

Die Versammlung wurde von der Brüsseler Abteilung des Vereins „Défense de la LangueFrançaise“ organisiert, dessen Ziel es ist, die sprachliche Vielfalt in der EU und ihren Institutionen zu wahren. Der Titel der Debatte lautete „Des Langues pour gagner des marchés“ – Sprachen, um Märkte zu gewinnen.

Mehrsprachigkeit als Vorteil

Christian Tremblay, Präsident und Gründer des „European Observatory of plurilingualism“, zitierte eine Studie, die zwischen der Ausfuhrleistung eines Landes und seiner Mehrsprachigkeit eine direkte Verbindung herstellt.

Jacques Spelkens, Koordinator der Sozialen Verantwortung des Unternehmens bei Suez, einem französischen Dienstleistungsunternehmen, sagte, dass heutzutage die Vielsprachigkeit die Leistung von Unternehmen erhöhe, zum sozialen Zusammenhalt in einem Empfängerland beitrage und kommerzielle Vorteile bringe.

Spelkens zufolge wurde die Vielfalt der Belegschaft in der Vergangenheit häufig als eine Herausforderung gesehen. Heute ist die Wirtschaft dazu bekehrt worden, Arbeitnehmer mit verschiedenen Hintergründen anzunehmen und diese Vielfalt als einen Vorteil zu erkennen.

Trotz der Vormachtstellung des Englischen auf dem internationalen Arbeitsmarkt und in EU-Kreisen, so Spelkens, sei die Mehrsprachigkeit ein Teil dieser Entwicklung hin zu größerer Vielfalt.

Die Sprachausbildung und die Bildung müssten sich an die Bedürfnisse der Wirtschaft anpassen, um von echtem Wert zu sein. Dies beinhalte die Beherrschung der eigenen Muttersprache, die zu häufig als selbstverständlich betrachtet und vernachlässigt werde.

Margaretha Mazura, Mitglied des Lenkungsausschusses der „Geschäftsplattform für Mehrsprachigkeit in der Europäischen Kommission“ und Generalsekretärin des Europäischen Multimedia-Forums, sprach insbesondere über die Bedeutung der Erfahrung der KMU.

Gefühlte Hindernisse zu den internationalen Märkten für KMU resultieren nicht aus einem Mangel an Sprachqualifikationen sondern aus der Schwierigkeit, in ausländische Märkte einzubrechen, so Mazura. Jedoch betonte sie, dass Sprachfertigkeiten ohne Kommunikation nutzlos seien und dass diese wiederum auf der Kultur basiere.

Sprache und Macht

Eine weitere Sprecherin war die ungarische Europaabgeordnete Zita Gurmai aus der Fraktion der Sozialisten & Demokraten. Ihre Position war weniger optimistisch: Ihr zufolge hat die Wirtschaftskrise die Europäer weniger europäisch und regionaler gemacht, und dies sei auch in der sprachlichen Organisation der EU offensichtlich.

Sie betonte, dass die deutsche Sprache ihren Status im Europäischen Parlament bereits verloren habe und dass auch das Französische im Schwinden begriffen sei. Ihr zufolge enthält jede Sprache Werte und Sichtweisen, die man annimmt, wenn man sie spricht, und die ohne sie verloren gehen.

Was ist eine „Lingua Franca“?

Jean-Loup Cuisiniez, Gewerkschaftler und Angestellter von AXA Assurance in Frankreich, betonte, dass die Mehrsprachigkeit durch eine auferlegte Sprache das Wohlbefinden der Angestellten auf dem Arbeitsplatz nie beeinträchtigen dürfe. Er unterstrich das Recht jedes Angestellten, in seiner bzw. ihrer eigenen Sprache zu arbeiten und nicht aus sprachlichen Gründen diskriminiert zu werden.

Die Teilnehmer stimmten der Wichtigkeit zu, eine „Lingua Franca“ zu haben, um den Austausch zwischen Angestellten effizienter zu machen. Trotzdem waren sie sich uneinig darüber, ob dies lediglich Englisch sei, andere Weltsprachen noch dazu oder eher die Muttersprache jedes Landes – und dabei ziehe man in Betracht, dass manche Länder wie Belgien mehrere Amtssprachen hätten.

Trotz dieser Kinderkrankheiten betonten alle Teilnehmer die Wichtigkeit einer Kommunikation, die die möglichst größte Anzahl an Menschen erreiche. In den Augen von Christian Tremblay bedeute dies, dass Englisch alleine auf dem modernen Arbeitsmarkt nicht genüge.

Die darauffolgende Debatte wurde so lebhaft, dass es die Veranstalter schwierig hatten, die Wortmeldungen in Schranken zu halten. Während alle Fragen auf Französisch gestellt wurden, erwähnten viele Redner den Bezug auf andere Sprachen – insbesondere auf das Deutsche.