Europäische Städte fordern mehr Personal für klimafreundliche Gebäude

Während die EU plant, Gebäude in der gesamten Union zu dekarbonisieren, fordern lokale Behörden mehr Unterstützung, um dem Fachkräftemangel bei der Entwicklung und Umsetzung der Klimaschutzprojekte zu begegnen.

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Die Dekarbonisierung von Gebäuden gewinnt mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und den Spannungen um die Energieversorgung an Dringlichkeit. [<a href="https://www.shutterstock.com/fr/image-photo/colorful-houses-bavaria-germany-1163940076" target="_blank" rel="noopener">Shutterstock/Oxie99</a>]
Während die EU plant, Gebäude in der gesamten Union zu dekarbonisieren, fordern lokale Behörden mehr Unterstützung, um dem Fachkräftemangel bei der Entwicklung und Umsetzung der Klimaschutzprojekte zu begegnen.

Bereits im Dezember hatte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Beschleunigung der energetischen Sanierung der ineffizientesten Gebäude vorgelegt und Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz eingeführt.

Mit der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) will die EU auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern.

Die Dekarbonisierung von Gebäuden gewinnt mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und den Spannungen rund um die Energieversorgung an Dringlichkeit.

Die lokale Energieversorgung und Nutzung zu überdenken, könnte „eine Lösung sein, um den Gasimport zu reduzieren und auch die geopolitischen Spannungen abzubauen“, sagte Mélanie Bourgeois, Policy Officer bei Energy Cities.

In Europa entfallen etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs auf Gebäude. Während knapp 75 Prozent des Gebäudebestands in der EU als energieineffizient gelten, werden nur 0,4 bis 1,2 Prozent jährlich renoviert.

Eine Gebäudesanierung ist kostspielig und zeitintensiv. Für einen Kreis in Süddeutschland mit 256.000 Einwohnern würde die energetische Sanierung von acht Gebäuden und der Bau von zwei Neubauten bis 2030 beispielsweise 84,4 Millionen Euro kosten und könnte bis zu 6 Jahre dauern.

Die in den Niederlanden ansässige Organisation AEDES, die Wohnungsbaugesellschaften vertritt, schätzt, dass die Isolierung von Häusern mit den schlechtesten, am wenigsten energieeffizienten EU-Energielabel-Standards auf Kategorie B insgesamt 4,6 Milliarden Euro an Investitionen kosten könnte.

Der grüne Europaabgeordnete Ciarán Cuffe, Verhandlungsführer des Parlaments für die EPBD-Richtlinie, drängt daher auf einen Nachbarschaftsansatz, der die gesamte lokale Gemeinschaft in die Renovierungsarbeiten einbezieht.

„Wir möchten, dass die EU-Länder lokale Akteure in die Lage versetzen, die Initiative zu ergreifen und sicherzustellen, dass Renovierungen der größeren Gemeinschaft zugutekommen, nicht nur einzelnen Haushalten“, sagte er gegenüber EURACTIV.

Laut Ronan Dantec, französischer Senator für Loire-Atlantique und Sprecher von AFCCRE, einem Zusammenschluss französischer Regionen, ist die Bereitstellung von Informationen von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass die Gemeinden sich an der Energiewende beteiligen.

„Wir wissen, dass es für die Menschen schwierig ist zu verstehen, was sie tun müssen“, sagte er gegenüber EURACTIV und fügte hinzu, dass die Kommunen „Mitarbeiter:innen brauchen, um die Bevölkerung zu informieren.“

Allerdings sind viele europäische Städte derzeit mit Personalmangel konfrontiert, was ihre Kapazitäten zur Dekarbonisierung von Gebäuden einschränkt.

Aufbau interner Expertise

Eine kürzlich von Energy Cities durchgeführte Studie zeigt, dass in den Städten rund 214.000 zusätzliche Stellen fehlen, um mit der Dekarbonisierung des Bausektors zu beginnen.

„Das Problem ist weniger der Mangel an Finanzmitteln, sondern vielmehr das fehlende Fachwissen, um Projekte auf den Weg zu bringen“, sagte Alix Bolle, Policy Manager bei Energy Cities.

Ohne geschultes Personal und internem Wissen müssten sich kleinere Städte auf externe Auftragnehmer verlassen, um Projekte zu entwerfen und zu überwachen, und könnten somit auch langfristig keine eigene Expertise auf diesem Gebiet aufbauen.

„Das Fachwissen verbleibt nicht bei der Verwaltung, daher ist es wirklich notwendig, die lokale Belegschaft innerhalb der Behörden aufzubauen.“

Klimamaßnahmen finanzieren

Laut Bourgeois benötigen Kommunen zusätzliche Mittel, um die Qualifikationslücke zu schließen.

Ihrer Ansicht nach könnte das Geld aus den Recovery-Fonds, aus der Kohäsionspolitik oder aus der ELENA-Finanzierung stammen, einem von der Europäischen Investitionsbank als technische Hilfe vorgeschlagenen Fonds zur Unterstützung von Städten und lokalen Behörden bei der Entwicklung technischer Fähigkeiten.

Auch der Ausschuss der Regionen (AdR) forderte in seiner Ende Juni angenommenen Stellungnahme zum Richtlinienentwurf „angemessene finanzielle und technische Ressourcen“ für Städte und Regionen.

Der Ausschuss forderte „erhebliche Anstrengungen zum Aufbau und zur Ausbildung angemessener Fähigkeiten und Fertigkeiten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“ und „einen formalen, fachlichen und qualitativ hochwertigen Schulungsplan“ für die Behörden in den Mitgliedstaaten.

Die üblichen Verdächtigen

Unterdessen drängen Aktivist:innen und lokale Behörden die EU, dafür zu sorgen, dass kleinere Städte und ländliche Gebiete nicht zurückgelassen werden.

Nach Ansicht von Dantec sind es vor allem strukturschwache Regionen, die Schwierigkeiten haben, Personal für die Entwicklung ihrer Dekarbonisierungsprogramme zu finden.

Laut Bolle sind die Fördermittel für Städte und ländliche Gebiete begrenzt, Gelder aus Ausschreibungen und EU-Programmen landen meist bei „den üblichen Verdächtigen.“

Dies sei beispielsweise der Fall für das EU-Ziel, bis 2030 100 klimaneutrale und intelligente Städte zu schaffen, sagte sie.

„Es ist ein sehr guter Rahmen, aber die Unterstützung geht an die üblichen Verdächtigen, Städte, die bereits über die Ressourcen verfügen und den Übergang schon kräftig vorantreiben.“

*Valentina Romano hat zu diesem Artikel beigetragen

[Bearbeitet von Vlad Makszimov]