EZB erhöht die Zinsen, bekräftigt Willen zur Inflationsbekämpfung
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute die Zinssätze um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Weitere Zinserhöhungen werden folgen, doch EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, dies werde von Fall zu Fall entschieden.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gestern (27. Oktober) den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Weitere Zinserhöhungen werden folgen, doch deren Höhe werde von Fall zu Fall entschieden, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Da die Inflation im gesamten Euroraum gestiegen ist, steht die EZB unter Druck, mit ihren geldpolitischen Instrumenten gegenzusteuern. Das wichtigste Instrument sind die Leitzinsen. Diese beeinflussen die Kosten für Kredite, die private Banken an Unternehmen und private Haushalte vergeben.
Die EZB hat nun beschlossen, die Zinsen um weitere 0,75 Prozentpunkte anzuheben. Der Zins auf die Einlagenfazilität steigt dabei auf 1,5 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz für Banken auf 2 Prozent.
„Die Inflation ist nach wie vor viel zu hoch und wird für einen längeren Zeitraum über unserem Zielwert bleiben“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf einer Pressekonferenz nach der Entscheidung. „Im September erreichte die Inflation in der Eurozone 9,9 Prozent.“ Das Inflationsziel der EZB liegt bei zwei Prozent.
Durch die höheren Zinssätze werden Investitionen teurer, was die Nachfrage in der Gesamtwirtschaft senkt, wodurch der Druck auf die Preise verringert werden soll. Unter den derzeitigen Umständen, in denen vor allem Angebotsengpässe die Preise treiben, ist die Wirksamkeit dieses Mechanismus jedoch begrenzt.
Zinserhöhungen sollen den Bürgern:innen und Unternehmen auch signalisieren, dass die Zentralbank es mit der Inflationsbekämpfung ernst meint, was die Erwartungen an die weitere Inflation beeinflussen soll.
Weitere Schritte werden „von Sitzung zu Sitzung“ entschieden
Die Entscheidung ist die dritte Zinserhöhung in Folge, und weitere Schritte werden folgen, sagte Lagarde. Diese werden jedoch „von Sitzung zu Sitzung“ entschieden.
„Wir kehren der Forward Guidance ganz bewusst den Rücken“, sagte Lagarde und bezog sich damit auf die frühere Strategie der EZB, geldpolitische Entscheidungen vorhersehbar zu machen, um die Erwartungen an die künftige Inflation und Finanzierungsbedingungen besser zu steuern.
Unter den derzeitigen Umständen mit ihren zahlreichen Unsicherheiten wäre dies „nicht hilfreich“, fügte sie hinzu.
Die EZB steht unter erhöhtem Druck, da höhere Zinssätze zum wirtschaftlichen Abschwung beitragen können. Dieser wird aufgrund der Energiekrise ohnehin erwartet.
Mehrere Länder der Eurozone steuern auf eine Situation zu, in der die Wirtschaftstätigkeit stagniert oder zurückgeht, die Inflation aber hoch bleibt, was die Zentralbanken und Finanzministerien vor Herausforderungen stellt.
„Unsere Aufgabe ist die Preisstabilität“
Steigende Zinssätze erschweren Regierungen auch die Aufnahme von Schulden, etwa um Bürger:innen finanziell zu unterstützen oder Investitionen zu tätigen. Dies betrifft auch Investitionen in die Energieinfrastruktur, die dazu beitragen könnten, einige der Knappheiten auf den Energiemärkten zu lindern, die die Energiepreise in die Höhe treiben.
„Natürlich führen wir einen Dialog mit den Finanzbehörden“, sagte Lagarde in Bezug auf das Spannungsverhältnis zwischen den Regierungen und der EZB an.
Aber „in der gegenwärtigen Situation der Ungewissheit, in der die Wahrscheinlichkeit einer Rezession am Horizont auftaucht und dessen Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, muss jeder seine Aufgabe erfüllen. Und unsere Aufgabe ist die Preisstabilität“, sagte Lagarde.
Das erkläre sie auch den Finanzminister:innen der Eurogruppe, fügte sie hinzu.
[Bearbeitet von Alice Taylor/János Allenbach-Amman]