Fachleute fordern mehr Prävention gegen Affenpocken

Europa verzeichnet aktuell die höchste Fallzahl von Affenpocken außerhalb der sogenannten endemischen Länder. Gesundheitsexpert:innen haben vor diesem Hintergrund dazu aufgerufen, die Präventionsmaßnahmen zu verstärken.

/ EURACTIV.com
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Während die Affenpocken in einigen afrikanischen Ländern seit etwa fünf Jahrzehnten vorkommen, ist eine derartige Ausbreitung außerhalb der endemischen Gebiete ein neues Phänomen - und bisher unerklärt.  [<a href="https://www.shutterstock.com/it/image-photo/blood-sample-tube-monkeypox-virus-test-2158262871" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK/Arif biswas]</a>]

Europa verzeichnet aktuell die höchste Fallzahl von Affenpocken außerhalb der sogenannten endemischen Länder. Gesundheitsexpert:innen haben vor diesem Hintergrund dazu aufgerufen, die Präventionsmaßnahmen zu verstärken.

Die Anzahl an Fällen von Affenpocken in Europa hat sich in den letzten zwei Wochen auf fast 6.000 verdreifacht und macht damit die überwiegende Mehrheit aller Fälle weltweit aus, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch (6. Juli) mitteilten.

„Es gibt einfach keinen Grund zur Selbstzufriedenheit – vor allem nicht hier in der europäischen Region mit ihrem sich schnell verbreitenden Ausbruch, der sich mit jeder Stunde, jedem Tag und jeder Woche in bisher nicht betroffene Gebiete ausbreitet“, sagte WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, in einer Erklärung.

„Dringende und koordinierte Maßnahmen sind unabdingbar, wenn wir die Ausbreitung dieser Krankheit eindämmen wollen“, so Kluge.

Etablierung der Affenpocken verhindern

Während die Affenpocken in einigen afrikanischen Ländern seit etwa fünf Jahrzehnten vorkommen, ist eine derartige Ausbreitung außerhalb der endemischen Gebiete ein neues Phänomen – für das es bisher keine Erklärung gibt.

„Die Affenpocken haben wieder einmal gezeigt, wie sich Krankheiten, die in einigen wenigen Ländern endemisch sind oder neu auftreten, schnell zu Ausbrüchen ausweiten können, die weit entfernte Regionen und sogar die ganze Welt betreffen“, sagte Kluge.

Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte, er gehe davon aus, dass viele Fälle noch nicht identifiziert worden seien.

Um zu verhindern, dass sich die Krankheit in Europa durchsetzt, rief Kluge dazu auf, die Überwachung der Affenpocken zu verstärken, einschließlich einer vermehrten Sequenzierung, und die Kapazitäten zur Diagnose und Bekämpfung der Krankheit zu erhöhen. Er betonte die Bedeutung des politischen Engagements, das durch solide Investitionen in die öffentliche Gesundheit und Kommunikationskampagnen ergänzt werden müsse.

Das ECDC und die WHO hatten am Dienstag ein Instrumentarium zur Risikokommunikation und zur Einbindung der Bevölkerung für Gesundheitsbehörden und Veranstaltungsorganisatoren veröffentlicht.

Mehrheit der Fälle bei Männern

Der aktuelle sei der bisher größte dokumentierte Ausbruch von Affenpocken bei Menschen, sagte Agoritsa Baka, Senior-Expertin des ECDC, am Mittwoch in einem Podcast der EU-Agentur.

„Das Ungewöhnlichste ist, dass das Virus seinen Weg in sexuelle Kreise gefunden hat, die sehr vernetzt und international sind, und es sieht so aus, als ob es kontinuierlich in der Bevölkerung von Menschen zirkuliert, die mehrere Sexualpartner haben, einschließlich einiger MSM [Männer, die Sex mit Männern haben]“, sagte Baka.

Affenpocken können durch Läsionen – also Verletzungen – übertragen werden, die Flüssigkeit mit dem Virus enthalten. Längerer Körperkontakt erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung. Das Virus kann auch durch kontaminierte Oberflächen, wie Bettwäsche oder Kleidung, übertragen werden.

Die meisten Fälle treten nach wie vor bei Männern auf, die über Symptome wie Ausschläge im Genitalbereich und systemische Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder Kopfschmerzen klagten.

Die meisten Fälle, die bisher außerhalb der endemischen Gebiete beobachtet wurden, seien leicht bis mittelschwer, doch Komplikationen wie Entzündungen im Bereich des Rektums und des Anus oder das Risiko einer bakteriellen Sekundärinfektion verschlimmerten die Erkrankung für die betroffenen Patienten, so Baka.

Die Symptome können bei Kindern, schwangeren Frauen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwerwiegender sein.

Impfstoffe für Risikogruppen in der EU

Die Einfuhr von Affenpocken-Impfstoffen hatte letzte Woche begonnen, nachdem die Europäische Kommission Ende Juni bekanntgegeben hatte, dass die ersten 5.300 Dosen eines Affenpockenimpfstoffs – von den insgesamt 109.090, die die EU erworben hat – auf dem Weg nach Spanien seien.

Die Impfstoffe werden nicht für eine Massenimpfung verwendet, sondern bestimmten Risikogruppen zur Verfügung gestellt.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat außerdem eine Überprüfung des Pockenimpfstoffs Imvanex eingeleitet, um dessen Einsatz für Affenpocken zu erweitern. Da die Vorräte an diesem Impfstoff in der Europäischen Union jedoch sehr begrenzt sind, hat die Emergency Task Force der EMA die Verwendung von Jynneos, der US-Version von Imvanex, empfohlen.

Jynneos ist in den USA sowohl für die Vorbeugung von Affenpocken als auch von Pocken zugelassen.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]