EU hofft auf mehr Investitionen durch öffentliche Unternehmensdaten

Vertreter des Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedstaaten haben sich am Dienstag (23. Mai) auf eine EU-Verordnung geeinigt, mit der ein einheitlicher Zugangspunkt für Privatpersonen und Unternehmen geschaffen werden soll.

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EP Plenary session – Joint debate – Discharge 2021
Als Teil des EU-Aktionsplans zur Verwirklichung einer Kapitalmarktunion (CMU) soll der European Single Access Point (ESAP) den grenzüberschreitenden Verkehr von Unternehmensinformationen erleichtern und damit auch grenzüberschreitende Investitionen fördern. [Alexis Haulot (European Parliament)]

Informationen über europäische Unternehmen sollen in Zukunft online abgerufen werden können. Dadurch sollen neue Anreize für Investoren geschaffen werden, da Unternehmen besser verglichen werden können.

Das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten einigten sich am Dienstag auf die neue EU-Verordnung, die eine einheitliche Anlaufstelle für Informationen über Unternehmen schaffen soll.

Als Teil des EU-Aktionsplans zur Verwirklichung einer Kapitalmarktunion (CMU) soll der European Single Access Point (ESAP) den grenzüberschreitenden Verkehr von Unternehmensinformationen erleichtern und damit auch grenzüberschreitende Investitionen fördern.

„Wir sind dabei, eine Plattform zu schaffen, die es viel einfacher machen wird, Anlageprodukte und Unternehmen zu finden und zu vergleichen“, sagte die schwedische Finanzministerin Elisabeth Svantesson in einer Erklärung und bezeichnete die Vereinbarung als „gute Nachricht sowohl für europäische Unternehmen als auch für Investoren weltweit.“

Die EU-Kommission hatte die Verordnung ursprünglich im November 2021 als Teil ihres CMU-Pakets vorgeschlagen. Die Finanzminister der EU-Mitgliedstaaten hatten bis Ende Juni 2022 eine gemeinsame Position gefunden, während das Europäische Parlament erst im März dieses Jahres seinen Standpunkt festgelegt hat.

Gegen die Marktfragmentierung

Der Abschluss der Verhandlungen über den ESAP war eines der Ziele, die sich die schwedische EU-Ratspräsidentschaft im Bereich der Finanzregulierung gesetzt hatte.

Als Vertreterin der Position der Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten hat die schwedische Präsidentschaft dieses Ziel nun erreicht, indem sie eine Einigung mit dem Verhandlungsteam des Europäischen Parlaments unter der Leitung des portugiesischen Sozialdemokraten Pedro Silva Pereira erzielt hat.

„Ich freue mich besonders, dass wir einen erweiterten Geltungsbereich des ESAP erreichen konnten, der nun auch wichtige grüne und Krypto-Gesetze umfasst“, sagte Silva Pereira in einer Erklärung.

„Dieser EU-weite digitale Datenraum birgt das Potenzial, die große Herausforderung der Fragmentierung der Kapitalmärkte anzugehen, mit der wir heute noch konfrontiert sind“, sagte er.

Die für die Regulierung der Finanzmärkte zuständige EU-Kommissarin Mairead McGuinness, die den Vorschlag ursprünglich vor eineinhalb Jahren vorgelegt hatte, gratulierte den Unterhändlern via Twitter.

Keine zusätzlichen Meldepflichten für Unternehmen

Sowohl der Rat als auch das Parlament betonten, dass es durch dieses Gesetz keine zusätzlichen Berichtspflichten für Unternehmen geben werde. Das ESAP soll lediglich öffentlich zugängliche Daten sammeln, die Unternehmen ohnehin aufgrund anderer Rechtsvorschriften, zum Beispiel der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, zu veröffentlichen haben.

Sowohl Verbraucherorganisationen als auch einige Branchenverbände sprachen sich für den ESAP aus.

So erklärte beispielsweise Insurance Europe, der Verband, der die europäischen Versicherungsunternehmen auf europäischer Ebene vertritt, in einem kurzen Positionspapier, das im April veröffentlicht wurde, dass das ESAP „eine Schlüsselrolle bei der Schließung der derzeitigen Datenlücke, insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit, spielen könnte.“

„Es wird den Versicherern, Europas größten institutionellen Anlegern, den Zugang zu robusten, vergleichbaren und zuverlässigen Finanz- und Umwelt-, Sozial- und Governance-Daten (ESG) ermöglichen“, heißt es in dem Papier weiter, und das digitale Format würde den Versicherungsunternehmen helfen, ihre Anlageportfolios effektiver auf Nachhaltigkeitsziele auszurichten“.

Ein langer Weg in die Zukunft

Allerdings gibt es einen Haken.

Wenn ein interessierter Anleger morgen nach dem ESAP sucht, wird er die leicht zugängliche Online-Datenbank noch nicht finden, auch nicht im nächsten Jahr.

In einem ersten Schritt müssen der EU-Rat und das EU-Parlament den am Dienstag ausgehandelten Deal offiziell absegnen. Dies wird kaum ein Stolperstein sein, und die Verordnung wird voraussichtlich im Sommer in Kraft treten.

Von da an wird es vier Jahre (42 Monate) dauern, bis der ESAP der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, voraussichtlich im Sommer 2027.

Der ESAP wird dann schrittweise eingeführt, beginnend mit den Daten gemäß der Leerverkaufs-, Prospekt- und Transparenzrichtlinie. Sechs Monate später werden weitere Daten zur Verfügung gestellt, darunter auch einige Angaben zur Nachhaltigkeit. Später werden auch Daten aus anderen EU-Rechtsvorschriften, wie dem EU-Standard für grüne Anleihen, über das ESAP verfügbar sein.