Großteil der EU-Bürger fürchten Ukraine-Einmarsch
In sechs von sieben befragten EU-Ländern glaubt eine Mehrheit, dass Russland in diesem Jahr in die Ukraine einmarschieren wird, so eine neue Umfrage. Andere Umfragen zeigen ambivalente Einstellungen gegenüber Moskau und der NATO.
Eine Mehrheit der Menschen in sechs von sieben befragten EU-Ländern glaubt, dass Russland in diesem Jahr in die Ukraine einmarschieren wird, so eine neue Umfrage. Andere Umfragen in mehreren Ländern hingegen zeichnen ein komplexeres Bild ambivalenter Einstellungen gegenüber Moskau und der NATO.
Mehrheiten in Deutschland (52 Prozent), Frankreich (51 Prozent), Italien (51 Prozent), Polen (73 Prozent), Rumänien (64 Prozent) und Schweden (55 Prozent) glauben, dass Russland im Jahr 2022 in die Ukraine einmarschieren wird, wie eine vom European Council on Foreign Relations in Auftrag gegebene und am Mittwoch (9. Februar) veröffentlichte Umfrage ergab.
In Finnland teilen der Umfrage zufolge nur 44 Prozent diese Ansicht.
Insgesamt sind die Befragten aus den sieben befragten EU-Ländern der Meinung, dass Flüchtlinge, höhere Energiepreise, Cyberangriffe und wirtschaftlicher Abschwung allesamt Risiken sind, die man zur Verteidigung der Ukraine im Falle eines russischen Einmarsches eingehen sollte.
„Die Tatsache, dass viele Menschen Opfer in Kauf nehmen würden, um die Ukraine zu unterstützen, und auch, weil viele von ihnen glauben, dass entweder die NATO oder die EU die Ukraine unterstützen sollte, scheint zu zeigen, dass die Mehrheit der europäischen Bevölkerung die Ukraine, aber nicht Russland unterstützt“, so Pawel Zerka, Policy Fellow beim ECFR, gegenüber EURACTIV.
Zerka fügte hinzu, dass die Daten „nicht nur als Beweis dafür interpretiert werden sollten, dass die Menschen glauben, dass nur Russland Schuld hat, sondern auch als Beweis dafür, dass sie… fürchten, dass die Sicherheitsordnung in Europa in Gefahr ist“.
Diese Ergebnisse spiegeln frühere Umfragen in Rumänien, Polen und Spanien wider, nach denen eine Mehrheit der Befragten glaubt, dass ein Einmarsch Russlands wahrscheinlicher ist als nicht.
Andere Umfragen zeigen die komplexen und unterschiedlichen Meinungen der Europäer:innen über die aktuelle Eskalation, die durch die Truppenstationierung des Kremls um die Ukraine ausgelöst wurde.
In Deutschland scheint es eine gespaltene Haltung entlang historischer und demografischer Linien zu geben.
In Ostdeutschland, einst Teil des ehemaligen Sowjetblocks, geben mehr Menschen (43 Prozent) den USA die Schuld an der Verschärfung des Konflikts als Russland (32 Prozent). Im Westen gibt wiederum die Mehrheit (52 Prozent) Russland die Schuld und nur 17 Prozent den USA, wie eine Forsa-Umfrage am vergangenen Donnerstag (3. Februar) ergab.
In der Slowakei zeigt eine Studie von letzter Woche, dass mehr Slowak:innen die NATO und nicht Russland (44 Prozent gegenüber 34 Prozent) für die Spannungen in der Ukraine verantwortlich machen.
Allerdings kehrt sich die Einstellung um, wenn man die Altersunterschiede berücksichtigt. 25- bis 34-jährige Slowak:innen geben eher Russland die Schuld (42 Prozent) als der NATO und den USA (39 Prozent). Bei den über 65-Jährigen sind jedoch nur 27,5 Prozent der Meinung, dass Russland verantwortlich ist.
Auch bei der Frage, wem sie im Falle einer russischen Invasion in der Ukraine den Schutz ihrer Interessen anvertrauen – der NATO oder der EU – gehen die Meinungen der Europäer:innen auseinander.
Nach den neuen Daten des ECFR vertrauen Mehrheiten in Polen (75-67 Prozent), Rumänien (61-67 Prozent), Italien (65-63 Prozent) und Deutschland (53-50 Prozent) der NATO eher als der EU.
Die Menschen in den Nicht-NATO-Ländern Finnland (60-52 Prozent) und Schweden (67-64 Prozent) vertrauen Brüssel dagegen eher als dem transatlantischen Bündnis. Das Gleiche gilt für Frankreich (50-47 Prozent), wo die politische Führung der NATO seit langem kritisch gegenübersteht.
(Beitrag zur Berichterstattung:: Nikolaus J. Kurmayer | EURACTIV.de, Davide Basso | EURACTIV.fr, Benjamin Fox, Eleonora Vasques, Pol Afonso Fortuny | EURACTIV.com,
Ondřej Plevák | EURACTIV.cz, Željko Trkanjec | EURACTIV.hr, Aleksandra Krzysztoszek | EURACTIV.pl, Bogdan Neagu | EURACTIV.ro)
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]