Kairo: Al-Jazeera Bürochef festgenommen
Der Kairoer Bürochef von Al-Jazeera, Abdel Fattah Fayed, wurde nach Angaben des arabischen Senders festgenommen. Neun weitere Journalisten des Senders sind seit Tagen in Gewahrsam. Angriffe auf Journalisten häufen sich.
Der Kairoer Bürochef von Al-Jazeera, Abdel Fattah Fayed, wurde nach Angaben des arabischen Senders festgenommen. Neun weitere Journalisten des Senders sind seit Tagen in Gewahrsam. Angriffe auf Journalisten häufen sich.
Vor genau einer Woche (am 30. Januar 2011) hatte die ägyptische Regierung den Satellitensender Al-Jazeera – eine Art arabische CNN – mit einem Sendeverbot belegt, das Kairoer Korrespondentenbüro geschlossen und den Journalisten die Akkreditierung entzogen.
Am Tag der Schließung hatte EURACTIV.de den Deutschland-Korrespondenten von Al-Jazeera, Aktham Suliman, zur Situation seines Senders und zu den Hintergründen und Perspektiven des Aufstands interviewt. Das EURACTIV.de-Interview erreichte Rekord-Klickzahlen.
Ägyptische Sicherheitskräfte hätten Abdel Fattah Fayed sowie den Al-Jazeera-Journalisten Ahmed Youssef in Gewahrsam genommen, berichtete der in Katar ansässige Sender diesen Samstag auf seiner Website.
Am Freitag hatte Al-Jazeera mitgeteilt, das Büro in Kairo sei von Unbekannten angegriffen und die Ausrüstung zerstört worden.
Gewalt gegen ausländische Medienvertreter
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG/RSF) verurteilte das Verbot des Senders schwer. "Mit dem Verbot von Al-Jazeera versucht die Regierung die Verbreitung von Filmmaterial über die Proteste zu beschränken", sagte ROG-Generalsekretär Jean-Francois Julliard. Die Entscheidung stehe in vollständigem Widerspruch mit dem Versprechen von Präsident Hosni Mubarak vom 28. Jänner, demokratische Reformen einzuleiten.
In der vergangenen Woche waren auch viele andere ausländische Medienvertreter von Gewalt und Repressionen betroffen.
Die regimekritischen Demonstranten hofieren und unterstützen die ausländischen Journalisten jedoch, damit die Weltöffentlichkeit über die Vorgänge in Kairo informiert werden kann.
Regierung entschuldigt sich bei Reportern
Ägyptens neuer Finanzminister Samir Radwan entschuldigte sich am Freitag für die Übergriffe auf Demonstranten und Journalisten, die durch ägyptische Sicherheitskräfte erfolgt seien. Er wolle sich "bei jedem Journalisten, jedem Ausländer und jedem Ägypter entschuldigen", der so "grob behandelt" worden sei, betonte Radwan am Freitag dem Sender CNN.
Indessen flüchteten auch deutsche Korrespondenten in Hotels und berichten von dort weiter – wenn auch nur noch per Telefonschaltung.
Vom Studio in Hotel oder Botschaft geflüchtet
Beispielsweise das ARD-Team: Korrespondent Jörg Armbruster, sein Kollege Alexander Stenzel, ein Kameramann und lokale Mitarbeiter verließen ihr Studio, zogen ins Ramses-Hilton-Hotel in Kairo und suchen von dort aus ein Quartier in einem sichereren Kairoer Viertel.
In der Nähe des ARD-Studios war der arabische Sender Al-Arabija von Schlägertrupps zerstört wurden.
Auch ZDF-Reporter Dietmar Ossenberg und sein Team haben ihr Studio verlassen und Unterschlupf in der deutschen Botschaft gefunden.
Film- und Fotoaufnahmen von den Balkonen der Hotelzimmer wurden vom Militär strikt untersagt. Mehrere ausländische Journalisten wurden von Mubarak-Anhängern zusammengeschlagen, andere wurden vorübergehend festgenommen.
ekö
Links
Homepage von Al-Jazeera
EURACTIV.de-Interview: Verbot von Al-Jazeera in Ägypten: "Eher nur symbolisch" (30. Januar 2011)
Die Zeit: Al Jazeera auf allen Kanälen (5. Februar 2011)