Klimakiller-Methan: Brüssel lässt Kohlebergwerken zu viel Freiraum
Laut Ember, einem Think-Tank für saubere Energie, würden Änderungen am Entwurf der EU-Methanverordnung den Kohlebergwerken erlauben, zusätzliche Treibhausgase freizusetzen. Diese würden den jährlichen CO2-Emissionen von Belgien und Tschechien entsprechen.
Änderungen an der EU-Methanverordnung würden es Kohlebergwerken erlauben, zusätzliche Treibhausgase freizusetzen. Diese würden den jährlichen CO2-Emissionen von Belgien und Tschechien entsprechen, warnt der Think-Tank Ember.
Die Studie des Think-Tanks für saubere Energie, die am Donnerstag (2. März) veröffentlicht wurde, zeigt, dass die jüngsten Überarbeitungen der Verordnung die Methanemissionen aus Kohlebergwerken nur um 47 Prozent reduzieren werden, was weit unter dem erklärten Ziel von 58 Prozent liegt.
„Das bedeutet, dass bis 2050 zusätzlich 2,2 Millionen Tonnen Methan ausgestoßen werden, was 180 Millionen Tonnen zusätzlichem CO2 entspricht – mehr als die jährlichen CO2-Emissionen von Belgien und Tschechien zusammen“, so Ember.
Der Entwurf der EU für eine Methanverordnung, der im Dezember 2021 vorgelegt wurde, zielt darauf ab, Europa Methanemissionen um 30 Prozent bis 2030 zu senken. Für die Klimaziele spielt das eine wichtige Rolle.
Methan kann während der Förderung und beim Transport von fossilen Brennstoffen entweichen und hat in den ersten zwanzig Jahren, nachdem es in die Atmosphäre gelangt ist, ein mehr als 80-mal höheres Erderwärmungspotenzial als CO2.
Die EU-Verordnung konzentriert sich auf Methanlecks in der Öl- und Gasindustrie sowie in aktiven und stillgelegten Kohlebergwerken. Für die Kohle sieht sie ein zweistufiges Verbot des Ablassens und Abfackelns von Methan vor – bis 2025 aus Entwässerungsstationen und bis 2027 aus Lüftungsschächten.
Denn Kohlebergwerke sind eine große Quelle von Methan, also Erdgas, das stetig aus den Schächten entweicht.
Die von den Mitgliedstaaten im Dezember 2022 anvisierten Änderungen haben jedoch die Schwellenwerte für das Abfackeln von Kraftwerkskohle merklich erhöht.
Außerdem haben die Mitgliedstaaten die Verabschiedung von Abgasvorschriften für Kokskohle, die bei der Stahlherstellung verwendet wird, um mindestens weitere fünf Jahre nach Verabschiedung der Verordnung verschoben – zwei Jahre später als im ursprünglichen Vorschlag der EU vorgesehen.
„Ohne die Einführung eines Schwellenwerts für die Entlüftung von Kokskohlebergwerken ist der Anwendungsbereich der Verordnung zur Verringerung der Methanemissionen von Kohlebergwerken in der EU auf 55 Prozent begrenzt“, schätzte Ember.
Die Europäische Kommission, die ursprünglich einen ehrgeizigeren Vorschlag zu Methan aus Kohlebergwerken vorgelegt hatte, lehnte es ab, den laufenden Gesetzgebungsprozess zu kommentieren.
Kohlebergwerke – vor allem aktive – sind die größte Methanquelle der EU im Energiesektor, wobei Polen allein für zwei Drittel der entsprechenden Emissionen im Jahr 2020 verantwortlich ist.
„Unterirdische Kohlebergwerke emittieren am meisten, sind aber am einfachsten zu reduzieren“ laut Ember.
Bei den unterirdischen Bergwerken ist es am einfachsten, die Emissionen zu reduzieren. Mit leicht verfügbaren Technologien können die Emissionen um bis zu 70 Prozent gesenkt werden, fügte der Think-Tank unter Berufung auf Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) hinzu.
Insgesamt rechnet Ember damit, dass 60 bis 70 Prozent der Methanemissionen aus dem Kohlebergbau zu sehr geringen Kosten für die Betreiber reduziert werden können. Einige könnten sogar einen Gewinn erzielen, indem sie das aufgefangene Methan an Gasunternehmen weiterverkaufen.
„Dieses gewinnbringende Methan würde ausreichen, um 0,6 TWh Strom zu erzeugen, was dem gesamten Stromverbrauch der Haushalte in großen polnischen Städten wie Breslau entspricht“, schätzt Ember.
Die überwiegende Mehrheit dieser Minen befindet sich in Polen, Rumänien und die Tschechische Republik folgen weit dahinter.
Kokskohle im Mittelpunkt
Das Fehlen von strikteren Vorschriften für Koks lässt sich dadurch erklären, dass es in einer Liste von 30 Rohstoffen aufgeführt ist, die als „kritisch“ für die Industrie der EU gelten.
Kokskohle wird in der Stahlproduktion als Reduktionsmittel und als Energiequelle zum Schmelzen von Eisenerz verwendet. Als solche ist sie für Sektoren wie die Automobilbranche, der Eisenbahn, Verteidigung und dem Bauwesen, aber auch für grüne Industrien wie Windturbinen unverzichtbar.
Der polnische Konzern JSW ist der größte Produzent von hochwertiger Steinkohle in der EU und einer der führenden Produzenten von Koks, das zum Schmelzen von Stahl verwendet wird.
Der ehemalige polnische Ministerpräsident Jerzy Buzek gehörte zu denjenigen, die sich dafür einsetzten, dass Kokskohle auf der Liste der kritischen Rohstoffe der EU verblieb, als diese das letzte Mal im Jahr 2020 aktualisiert wurde.
„Für die Herstellung einer Windturbine mit einer Leistung von 1 MW werden etwa 200 Tonnen Kokskohle benötigt“, so Steel for Europe, eine von JSW gegründete Lobbygruppe.
In dem Maße, wie die Windenergie zunimmt, wird auch die Nachfrage nach hochwertigem Stahl steigen, sagte die Gruppe im Jahr 2020 und forderte die Gründung einer „Europäischen Gemeinschaft für Kokskohle und Stahl“.
JSW hat auf Anrufe und E-Mails von EURACTIV, in denen um einen Kommentar zur Methanverordnung gebeten wurde, nicht geantwortet.
Sabina Assan, Ember-Analystin welche die Studie leitete, sagte, dass die Aufnahme von Kokskohle in die EU-Liste der kritischen Rohstoffe „definitiv der Grund dafür ist“, dass sie bisher den EU-Vorschriften zum Methanausstoß entgangen ist.
„Es besteht die allgemeine Auffassung, dass Kokskohle nicht so schnell aus dem Verkehr gezogen wird wie Kraftwerkskohle, da sie in der Stahlerzeugung verwendet wird und es keine unmittelbaren Alternativen gibt“, sagte Assan gegenüber EURACTIV.
Ember stimmt zwar zu, dass die Grenzwerte für die Abgasreinigung bei Kokskohle lockerer sein sollten als bei Kraftwerkskohle, aber „wir sind nicht damit einverstanden, dass es überhaupt keine Regeln gibt“, sagte sie.
Des Weiteren seien die Methanemissionen von Kokskohle leicht zu reduzieren, argumentierte Ember.
„Kokskohle ist methanintensiver als Kraftwerkskohle, und wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der Methanminderung sogar profitabel ist… gibt es keine wirkliche Rechtfertigung dafür, Methan in Kokskohlebergwerken nicht zu regulieren. Das wird die Industrie nicht zum Erliegen bringen oder ihre Rentabilität mindern“, sagte Assan.
Außerdem könnte das Methan, das Erdgas, aus diesen Betrieben für die Stromerzeugung genutzt werden, so Ember.
In Polen hat JSW bereits Mittel für sein Programm zur Methanreduzierung erhalten. Diese sieht vor, dass die Abscheidung von Methanemissionen durch das Entwässerungssystem auf über 50 Prozent erhöht wird und zur Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen, wie Ember betonte.
Assan zufolge ist „Kokskohle ein seltenes Beispiel für einen Sektor, der leicht klimafreundlicher zu machen ist“.
Sie verwies auf die Globale Methan-Bewertung der Vereinten Nationen, die besagt, dass der Methanausstoß des Kohlesektors „möglicherweise halbiert werden könnte, wenn die Abhilfemaßnahmen größtenteils zu kostendeckenden Bedingungen oder sogar mit Gewinn durch die Nutzung des Methans durchgeführt würden.“
Für Kokskohlebergwerke empfahl Ember, dass die Regulierung ab 2027 einen Schwellenwert von maximal 5 Tonnen Methan pro Kilotonne Kohle durchsetzen sollte.
Ein solches Szenario würde die EU auf den richtigen Weg bringen, um ihr Ziel einer Emissionsreduzierung von 58 Prozent zu erreichen, so Ember.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]