Krise verschärft Wasserkonflikte
Zentralasien braucht ein grenzüberschreitendes Wassermanagement und bittet Europa um Unterstützung. Der ganzen Region drohen akuter Wassermangel und Rückschläge in der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Reihe von Maßnahmen und Investitionen soll langfristig den Standard heben.
Zentralasien braucht ein grenzüberschreitendes Wassermanagement und bittet Europa um Unterstützung. Der ganzen Region drohen akuter Wassermangel und Rückschläge in der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Reihe von Maßnahmen und Investitionen soll langfristig den Standard heben.
Zu Sowjetzeiten hatten die Länder Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan Wasser und Energie untereinander ausgetauscht. Doch das System der Wasserlieferungen an die Steppenstaaten einerseits und Energielieferungen an die Bergrepubliken andererseits funktioniert nicht mehr. Nach dem Vorschlag von Kasachstan soll hier ein modernes grenzüberschreitendes Wassermanagement installiert werden.
Die Wasserprobleme in Zentralasien gehen weit über den Aralsee hinaus. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion können sich die fünf Ex-Sowjetrepubliken nicht über die Nutzung der Zuflüsse des Aralsees einigen. „Wir wollen alles unternehmen, um die Wasserprobleme in Zentralasien langfristig zu lösen“, so der Präsident von Kasachstan, Nursultan Nasarbajew, auf einer Konferenz zur Rettung des Aralsees. Die politische Lösungen dafür müssten die Länder in gemeinsamer Arbeit aber selbst finden. Nach Nasarbajews Meinung sei jetzt die richtige Zeit für eine Inventur und einen Neuanfang in dieser Frage. Dabei ist auch das Know how von Europa gefragt.
Landwirtschaft und Energiegewinnung
Die Energiekrise in Tadschikistan im vergangenen Winter, die große Trockenheit in ganz Zentralasien in diesem Jahr und die weltweite Lebensmittelkrise haben die Wasserkonflikte in der Region noch weiter verschärft. Die Staaten am Unterlauf der zentralasiatischen Flüsse – Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan – benötigen das Wasser im Sommer für die Landwirtschaft. Baumwolle, Weizen und Reis, die wichtigsten Anbaukulturen dieser Länder, müssen bewässert werden. Tadschikistan und Kirgisistan dagegen, die Staaten an den Oberläufen der Flüsse, brauchen das Wasser im Winter zur Energiegewinnung.
Obwohl es bereits seit Jahren eine Reihe von Vereinbarungen und Institutionen zur Lösung der Wasserkonflikte in Zentralasien gibt – so die Anfang der Neunziger-Jahre gegründete Zwischenstaatliche Kommission für Wasserkoordination (ICWC) und der Internationale Fonds zur Rettung des Aralsees (IFAS), konnten sich die fünf Staaten bis heute nicht einigen.
Wirtschaftlicher Druck wächst
Deutsche Experten meinen, dass die Realisierung des Projektes eines Wasserkraftwerk-Verbundsystems Zentralasiens in der Perspektive eine Verbilligung der Stromtarife bringen wird. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Problem in Astana, der kasachischen Hauptstadt, eine Lösung findet.
Neue gesetzliche Rahmenbedingungen in Kasachstan, aber auch zunehmender wirtschaftlicher Druck zwingen die Produzenten und Verbraucher, das Gut Wasser effizienter zu nutzen und in wassersparende Technologien zu investieren.
Aufgestaute Probleme
Die Wasserwirtschaft in der Region von Zentralasien steht an einem Scheideweg. Wenn es in absehbarer Zeit nicht gelingt, die aufgestauten Probleme bei der Verteilung und Nutzung der Wasserressourcen zu lösen, drohen der Region akuter Wassermangel und schmerzhafte Rückschläge in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, so der Präsident von Kasachstan.
Eine effiziente Koordinierung in der Wasserverteilung und Wassernutzung der Staaten fehlt noch, doch gibt es Ansätze und Anstrengungen, Wassernutzung und Wasserqualität zu verbessern. Ein Präsidialerlass von 2003 listet eine Reihe von Maßnahmen für die ökologische Sicherheit Kasachstans bis 2015 auf. Die Konzeption soll die Wasserwirtschaft an den international üblichen Gesetzgebungsstandard heranführen und große Investitionsprojekte der öffentlichen Hand umsetzen.
mm