Kroatien: 'Wilde' Preiserhöhungen nach Euro-Einführung
Die kroatische Regierung wirft Händer:innen vor, die Einführung des Euros als Vorwand für Preiserhöhungen zu verwenden und will stärker gegen ungerechtfertigte Preissprünge vorgehen. Der Handelsverband wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Die kroatische Regierung wirft Händer:innen vor, die Einführung des Euros als Vorwand für Preiserhöhungen zu verwenden und will stärker gegen ungerechtfertigte Preissprünge vorgehen. Der Handelsverband wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Als Kroatien am 1. Januar seine Kuna-Währung durch den Euro ersetzte, erlebten viele Verbraucher:innen Preissteigerungen. Viele Händler:innen rundeten die Preise in der neuen Währung einfach auf, so der Vorwurf.
Als Reaktion drohte die Regierung am 5. Januar damit, Geldstrafen zu verhängen, Energiesubventionen zu streichen oder die Steuern zu erhöhen, falls Händler:innen die Preise nicht auf das Niveau vor der Euro-Einführung zurückbringen würden.
Der Händlerverband wies die Anschuldigungen der Regierung nun aber zurück und erklärte, seine Mitglieder würden die Preise nicht erhöhen, um Gewinne zu erzielen, sondern aufgrund der steigenden Rohstoff- und Energiekosten.
Mit einer Inflation von 10,8 Prozent verzeichnete Kroatien im vergangenen Jahr eine der höchsten Inflationsraten in der EU.
Martin Evacic vom Handelssektor des kroatischen Arbeitgeberverbands erklärte, dass die Preise nur bei einer kleinen Anzahl von Produkten angehoben worden seien.
„Im Jahr 2022 stiegen die Preise um 15 bis 20 Prozent. Während des Umstellungszeitraums sind sie sicherlich nicht gestiegen“, sagte Evacic gegenüber kroatischen Medien.
„Ich glaube nicht, dass es sich hier um einen Krieg zwischen der Regierung und den Händlern handelt, sondern um den Druck der Regierung, die etwas tun muss, um die Inflation zu stoppen“, sagte er.
40 Prozent der Unternehmen erhöhten Preise übermäßig
Igor Vujovic, der Präsident des kroatischen Verbraucherverbands, sagte jedoch, dass die Verbraucher mit Preissteigerungen von 5 bis 20 Prozent pro Tag, je nach Produkt, konfrontiert seien.
„Die Preise werden immer wilder“, fügte er hinzu.
Das benachbarte Slowenien, das 2007 als erstes der östlichen EU-Mitglieder den Euro einführte, meldete nach dem Beitritt zur Eurozone ebenfalls eine erhöhte Inflation von 7 bis 8 Prozent, schaffte es aber, diese innerhalb von drei Monaten wieder zu senken.
Nach zwei Wochen verstärkter Kontrollen stellten kroatische Inspektoren fest, dass etwa 40 Prozent der Unternehmen die Preise ungerechtfertigt erhöht hatten, und verhängten Geldstrafen von insgesamt 234 000 Euro. Das Bußgeld für Unternehmen beträgt 26.000 Euro, Einzelhändler:innen müssen bis zu 1.090 Euro zahlen.
„Die Preise zu erhöhen, überschattet von der Einführung des Euro, und zur Inflation beizutragen, ist eine unlautere Praxis und wird nicht zugelassen“, sagte Premierminister Andrej Plenkovic am Freitag.
Er sagte, dass eine Reihe von Händlern ihre Preise seit Ende Dezember gesenkt hätten.
Konzum und Lidl, die beiden führenden Lebensmitteleinzelhandelsketten in Kroatien, erklärten in separaten Erklärungen, sie hätten die Preise nach dem 1. Januar nicht erhöht.
Da die Verbraucher:innen jedoch mit den Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben, haben auch Einkäufer:innen einen Unterschied bemerkt.
„Ich habe den Anstieg der Lebensmittelpreise bemerkt“, sagte der Zagreber Domagoj Bregant beim Einkaufen auf dem Lebensmittelmarkt der Hauptstadt. „Das ist ein Problem, denn Lebensmittel sind im Verhältnis zu meinem derzeitigen Gehalt wirklich teuer“, sagte er.
Oppositionspolitiker:innen kritisierten die Regierung dafür, dass sie den Euro in einer Zeit hoher Inflation und der durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Energiekrise eingeführt und gleichzeitig ihre Wirtschaft nicht ausreichend reformiert habe.
Die Regierung wirbt seit langem für die Vorteile der Euro-Einführung: Sie würde die Wirtschaft stärken, das Investitionsklima verbessern und Kroatien widerstandsfähiger gegen externe Schocks machen.