Neues Umweltregister für Europas Fabriken

Wer in der Nähe einer Fabrik oder einer Müllverbrennungsanlage wohnt, kann sich ab sofort online über mögliche Gesundheitsgefahren informieren.

Steht nebenan eine Giftschleuder? Online gibt es ab heute eine Antwort. Foto: dpa.
Steht nebenan eine Giftschleuder? Online gibt es ab heute eine Antwort. Foto: dpa.

Wer in der Nähe einer Fabrik oder einer Müllverbrennungsanlage wohnt, kann sich ab sofort online über mögliche Gesundheitsgefahren informieren.

Die Europäische Kommission und die Europäische Umweltagentur (EUA) stellten am Montag in Brüssel ein neues Online-Register vor, das Daten über Schadstoffemissionen sowie Menge und Art von Abfällen von mehr als 24 000 Industrieanlagen aus Europa enthält. Erfasst werden 91 Schadstoffe in Luft, Boden und Gewässern.

Schadstoffe in der Nachbarschaft?

Mit dem Register solle mehr Transparenz geschaffen werden, sagte Umweltkommissar Stavros Dimas. EUA-Direktorin Jacqueline McGlade ergänzte: "Jeder kann sehen, wie viele Schadstoffe die Industrieanlagen in seiner Nachbarschaft oder Region in die Luft oder in Gewässer freisetzen." Wer die Seite benutzen will, muss allerdings englisch können und möglichst genau wissen, wonach er sucht – etwa den Ort oder den Namen der Anlage. Im Sommer wurde bereits ein Online-Transparenz-Projekt der EU in Deutschland durchgesetzt- die Veröffentlichung der Agrarsubventionen (Siehe EURACTIV.de vom 3. August 2009). Hierzulande ist die Suchfunktion allerdings denkbar nutzerunfreundlich gestaltet.

Ob hinter den komplizierten Suchfunktionen, die viel Wissen über das Ziel der Suche voraussetzen, ein Mangel an technischem Know-How oder Absicht steckt, bleibt fraglich.

Das neue Umweltregister zeigt zum Beispiel:

Im Jahr 2007 stieß die zentrale Müllverbrennungsanlage in Brüssel 493 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) aus, 801 Tonnen Stickoxid, 44 Kilogramm Arsen und 33 Kilogramm Quecksilber. In Berlin emittierte das Abfallbehandlungswerk Nord der Berliner Stadtreinigung (BSR Werk Nord) den Angaben zufolge unter anderem 190 000 Tonnen CO2 und 220 Tonnen Stickoxid.

Ob Medien und Bürger in den kommenden Wochen echte "Giftschschleudern" im Netz finden, bleibt abzuwarten.

dpa/awr

Links

EU-Kommission / EEA: Umweltregister (The European Pollutant Release and Transfer Register / E-PRTR)

EU-Kommission:
Statement zum Umweltregister E-PRTR (9. November 2009)