Polnische Stadt baut "humanitären Korridor" für Ukraine auf
Während Polen die Ankunft von mindestens der Hälfte der schätzungsweise rund zwei Millionen ukrainischen Flüchtlinge erwartet, bereitet sich die Stadt Rzeszów im Südosten des Landes darauf vor, die Menschen aufzunehmen und längerfristig zu unterstützen.
Während Polen die Ankunft von mindestens der Hälfte der schätzungsweise rund zwei Millionen ukrainischen Flüchtlinge erwartet, bereitet sich die Stadt Rzeszów im Südosten des Landes darauf vor, die Menschen aufzunehmen und längerfristig zu unterstützen.
Gleichzeitig entwickelt sich die Stadt schnell zu einem logistischen Knotenpunkt für die Lieferung von Hilfsgütern über die Grenze.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte am Freitag (4. März), die EU werde 500 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitstellen und auf die Einrichtung humanitärer Hilfszentren in Polen, Rumänien und der Slowakei hinarbeiten.
Rzeszów, die größte Stadt im Südosten Polens, etwa 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, hat sich in der Region zu einem Drehkreuz der humanitären Hilfe entwickelt.
„Wir befinden uns hier in einer Grenzregion und müssen uns um die Menschen kümmern, die die Grenze überqueren. Wir müssen ihnen einen Platz zum Ausruhen sichern, prüfen, ob sie medizinische Hilfe benötigen, sie mit Nahrung versorgen und sie an Orte in Polen weiterleiten, wo sie die nächsten Wochen bleiben können“, sagte Bürgermeister Konrad Fijołek gegenüber EURACTIV beim Besuch einer Sammelstelle für humanitäre Hilfe.

Humanitäre Hilfsgüter werden an mehreren Stellen in der Stadt gesammelt.
„Mehr als 500.000 Flüchtlinge sind bereits in dieser Region angekommen, in ganz Polen vielleicht schon eine Million, aber im Moment gibt es genug Platz in der Region und in ganz Polen“, sagte Fijołek.
„Wenn es fünfmal so viele werden, könnte es natürlich schwieriger werden“, fügte er hinzu.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt, dass in den kommenden Wochen vier Millionen Menschen aus der Ukraine fliehen könnten, wenn die Situation eskaliert. Ungefähr die Hälfte von ihnen wird voraussichtlich nach Polen kommen.
Humanitärer Korridor
Fijołek erklärte, die Stadt sei auf langfristige Hilfe vorbereitet, um Ukrainer:innen bei der Arbeitssuche zu unterstützen und die Betreuung von Kindern in Kindergärten und Schulen zu gewährleisten.
„Die Logistik ist eine große Herausforderung, aber wir hoffen, dass wir das mit nationalen und europäischen Mitteln schaffen können“, so der Bürgermeister.
In der Zwischenzeit bringen die Einwohner:innen aus Solidarität mit den Flüchtlingen mehrere Tonnen an Spenden zu den mehreren Dutzend Sammelstellen in der Stadt, zu denen die Gemeindezentren in jedem Bezirk, aber auch Schulen und Einkaufszentren gehören.

Nach Angaben von Behörden vor Ort haben sich bereits mehr freiwillige Helfer:innen gemeldet, als tatsächlich gebraucht werden.
„Wir haben zusammen mit der ukrainischen Regierung einen humanitären Korridor geschaffen, was bedeutet, dass die Lieferungen, die zu uns gebracht werden, direkt in die Ukraine transportiert werden“, sagte Fijołek gegenüber EURACTIV.
Immer mehr Fahrzeuge aus ganz Polen und Europa kämen nach Rzeszów und führen von dort aus weiter über die Grenze, sagte er.
Etwa 80 Prozent der Hilfsgüter werden nach Lemberg in der Westukraine transportiert, das bisher von schwerem Beschuss verschont geblieben ist und auf ukrainischer Seite zum Logistikdrehkreuz geworden ist. Von dort aus werden die Hilfsgüter weiter in die Ukraine hinein geleitet, in Orte wie Truskavets oder Ivanofrankivsk.
Werden die Versorgungswege zur Zielscheibe?
Lokale Beamte erklärten gegenüber EURACTIV, dass die ukrainischen Behörden befürchten, Russlands Präsident Wladimir Putin könnte die Versorgungsrouten und Straßen auf der ukrainischen Seite bombardieren.
Darüber hinaus haben einige polnische Medien in den letzten Tagen die Befürchtung geäußert, dass Russland versuchen könnte, die Ukraine von ihrer Grenze zu Polen abzuschneiden und den Waffentransfer zu stoppen.
„Das würde auch die Gefahr mit sich bringen, dass Zehn- und Hunderttausende von Zivilisten abgeschnitten werden, die jetzt in riesigen Schlangen darauf warten, unsere Grenze zu überqueren. Das wäre ein Akt unvorstellbarer völkermörderischer Barbarei“, sagte Paweł Soloch, Leiter des Nationalen Sicherheitsbüros, Anfang der Woche dem polnischen Radio 1.
Der Bürgermeister von Rzeszów sagte, die Grenze sei zum „Bild der Tragödie geworden, wir sehen getrennte Familien, der Vater ist zurückgeblieben, um zu kämpfen, die Kinder und ihre Mütter mussten fliehen“.
„Wir nutzen die Tatsache, dass wir ein großes diplomatisches Korps im Exil haben und Medien aus der ganzen Welt in den Hotels dieser Stadt beherbergen, um die Botschaft zu verbreiten, dass dieser Krieg gestoppt werden muss“, so Fijołek. „Das sind menschliche Tragödien, die es im 21. Jahrhundert nicht mehr geben sollte.“
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]