Pro-Russische Linkspolitikerin mischt Wahlen in Bulgarien auf
Der neue Star der bulgarischen Linken, Vanya Grigorova, hat bekannt gegeben, bei den bevorstehenden Europa- und nationalen Neuwahlen antreten zu wollen. Die pro-russische Politikerin könnte sowohl Linken als auch Rechtsextremen Stimmen abjagen.
Der neue Star der bulgarischen Linken, Vanya Grigorova, hat bekannt gegeben, bei den bevorstehenden Europa- und nationalen Neuwahlen antreten zu wollen. Die pro-russische Politikerin könnte sowohl Linken als auch Rechtsextremen Stimmen abjagen.
Im vergangenen Herbst hatte die Gewerkschaftlerin Grigorova als Kandidatin einer Koalition der pro-russischen Linken und rechtsextremen Parteien beinahe die Bürgermeisterwahlen in der bulgarischen Hauptstadt Sofia gewonnen.
Am Montag kündigte sie nun ihre Kandidatur bei den zeitgleich stattfindenden Parlaments- und Europawahlen am 9. Juni an, nachdem das Scheitern der Regierungskoalition Neuwahlen nötig gemacht hatte.
„Die Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht länger passive Beobachter sein und nur die Folgen von Managemententscheidungen zu ihrem Nachteil tragen. Deshalb habe ich mich entschlossen, für vorgezogene Parlamentswahlen zu kämpfen“, so Grigorova.
Die ehemalige Gewerkschafterin erlangte große Popularität durch ihre Auftritte in Fernsehdebatten, als Russland im April 2022 einseitig beschlossen hatte, die Gaslieferungen an Bulgarien zu unterbrechen.
Damals argumentierte Grigorova, dass Bulgarien Zugeständnisse machen und das russische Gas in Rubel bezahlen müsse, da die bulgarische Wirtschaft ohne russische Lieferungen zum Erliegen kommen würde.
Anschließend führte Grigorova eine Kampagne für das Bürgermeisteramt von Sofia, eines der wichtigsten politischen Ämter des Landes. Sie verfehlte ihr Ziel nur knapp – um 5.000 Stimmen.
Die Wahl wurde von dem pro-europäischen liberalen Kandidaten Vasil Terziev (PP-DB) gewonnen.
Nach ihrem Popularitätsgewinn versucht Grigorova nun, in die nationale Politik einzusteigen.
Experten sagen voraus, dass sich diese Entscheidung negativ auf die Stimmen der wichtigsten pro-russischen Linkspartei, der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP), auswirken wird. Die BSP hat in den letzten drei Jahren rund 10 Prozent der Stimmen erhalten und wird voraussichtlich mindestens zwei Abgeordnete ins Europäische Parlament entsenden.
Auf der linken Seite des politischen Spektrums gibt es auch Die Linke, ein linkes Bündnis, das sich auf die Popularität von Maya Manolova stützt. Manolova ist eine ehemalige Ombudsfrau und frühere Abgeordneten der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP).
Es gibt zudem viele kleinere pro-russische und nationalistische Gruppierungen innerhalb der bulgarischen Linken, die die politischen Botschaften der größeren Parteien übernehmen.
Grigorovas Entscheidung, bei den nationalen und europäischen Wahlen zu kandidieren, ist auch eine schlechte Nachricht für die ebenfalls pro-russischen Rechtsextremen von Vazrazhdane. Viele ihrer Wähler unterstützten Grigorova bei den Kommunalwahlen in Sofia.
Grigorowa sagt, dass das Votum der Bevölkerung bei den Kommunalwahlen in Sofia ihr die Zuversicht gegeben habe, dass alles, was sie in ihrer Kampagne für die Hauptstadt vorgeschlagen habe, auch auf nationaler Ebene umgesetzt werden könne.
„Das ‚Mandat‘ dieser ‚Elite‘ muss sofort beendet werden! Es ist Zeit für soziale Gerechtigkeit, für eine gerechte Verteilung des Erwirtschafteten, um das Leben aller Bulgaren zu verbessern. Nichts anderes ist so wichtig“, sagte Grigorova.
Nach jüngsten Umfragen wird die Mitte-Rechts-Partei GERB von Ex-Ministerpräsident Bojko Borissow (EVP) derzeit von 27 Prozent der Wähler unterstützt, während die pro-europäische Koalition PP-DB mit 17-18 Prozent an zweiter Stelle liegt.
Um den dritten Platz streiten sich die Partei der türkischen Minderheit DPS (ALDE) und die rechtsextreme, pro-russische Partei Vazrazhdane, die jeweils bei 14 Prozent liegen.
[Bearbeitet von Nick Alipour]