Serbien kündigt Verträge über russische Waffenlieferungen

Serbien hat die seit Sowjetzeiten bestehenden Verträge über Waffenlieferungen aus Russland gekündigt. Dies teilte der serbische Generalstabschef Milan Mojsilović mit. Ob das Land seine diplomatischen Beziehungen zu Russland vollständig abbrechen wird, ließ er dabei offen.

EURACTIV.com
Military air missiles in defense readiness
Im August letzten Jahres beschloss Serbien, auf den Kauf einer neuen Serie russischer Kampfjets zu verzichten, der seit 2021 im Gespräch war. [ [Getty Images]]

Serbien hat die seit Sowjetzeiten bestehenden Verträge über Waffenlieferungen aus Russland gekündigt. Dies teilte der serbische Generalstabschef Milan Mojsilović mit. Ob das Land seine diplomatischen Beziehungen zu Russland vollständig abbrechen wird, ließ er dabei offen.

Als EU-Beitrittskandidat war Serbien lange Zeit einer der engsten Verbündeten Russlands in Europa. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wächst jedoch der Druck auf Belgrad, sich stärker nach Westen zu orientieren und seine Außenpolitik auf die Europäische Union auszurichten.

Mojsilović erklärte gegenüber der Moscow Times, dass westliche Sanktionen gegen Moskau der Hauptgrund für die Entscheidung seien, bestehende Verträge mit Russland zu beenden. Zwar bemühe sich Belgrad weiterhin um diplomatische Lösungen, doch einige Verträge seien bereits storniert, andere vorerst auf Eis gelegt worden – in der Hoffnung, dass sich die internationalen Beziehungen wieder normalisieren.

Laut Mojsilović kann die serbische Armee weiterhin Ersatzteile für sowjetische und russische Ausrüstung kaufen, da diese in vielen Staaten weltweit in Lizenz hergestellt werden. Der Kauf neuer Ausrüstung aus Russland sei jedoch nicht mehr möglich.

Bereits im August des vergangenen Jahres hatte Serbien auf den geplanten Kauf neuer russischer Kampfjets verzichtet, über den seit 2021 verhandelt worden war. Stattdessen entschied sich Belgrad für den Erwerb von zwölf französischen Rafale-Kampfjets im Wert von 2,7 Milliarden Euro. Diese sollen die veraltete Flotte russischer MiG-29 ersetzen.

Dieses Geschäft markiert laut Mojsilović den Beginn einer tiefgreifenden Umstrukturierung der serbischen Luftstreitkräfte. Dazu gehören die Umschulung der Piloten, die Neuausrichtung der militärischen Infrastruktur und weitere „komplexe Vorbereitungen“. Die Entscheidung zugunsten der französischen Jets sei gefallen, weil diese „langfristig die erforderlichen Fähigkeiten für die Luftwaffe bereitstellen“.

Dr. Orhan Dragaš, Gründer und Direktor des in Belgrad ansässigen Internationalen Sicherheitsinstituts, erklärte gegenüber Euractiv, dass westliche Sanktionen sanktionierten russischen Beamten die Einreise nach Belgrad unmöglich machen. Grund dafür sei, dass Serbien von NATO-Mitgliedern umgeben ist, die weder Diplomatenflugzeuge durch ihren Luftraum lassen noch militärisches Material transportieren.

Diese Entwicklung sei eine „strategisch bedeutende und nicht nur vorübergehende Verschiebung für Serbien“, betonte Dragaš. Militärische Beschaffungen würden langfristig geplant, und einmal abgebrochene Beziehungen würden selten wieder aufgenommen. Dadurch habe Moskau einen seiner wichtigsten Einflusskanäle auf dem westlichen Balkan verloren.

Dragaš erinnerte zudem daran, dass Serbien parallel daran arbeitet, der russischen Kontrolle über die nationale Ölgesellschaft NIS zu entziehen.

Darüber hinaus hat das Land seine Gasversorgung bereits diversifiziert und beziehe nun Gas aus der kaspischen Region sowie Flüssigerdgas über Griechenland, argumentiert er.

Der kürzliche Kauf von zwölf französischen Rafale-Kampfjets „spreche Bände“ über die strategische Positionierung Serbiens inmitten des Konflikts zwischen dem Westen und Russland. Hinzu komme die erhebliche serbische Militärhilfe für die Ukraine, die über Drittstaaten abgewickelt werde und sich auf rund 800 Millionen Dollar belaufe – mehr als die Beiträge mancher NATO-Mitglieder.

Dragaš hob hervor, dass die schrittweise Reduzierung der Abhängigkeit Serbiens von Russland positive Effekte gezeigt habe, insbesondere durch die Verringerung von Korruption und die Eindämmung der Finanzierung russischer Agenten in der Region.

[Bearbeitet von Jeremias Lin]