Studie: Europaweit deutlich mehr Geld für die Straße als die Schiene

Zwischen 1995 und 2018 wurde in ganz Europa deutlich mehr Geld für den Straßenbau als für den Schienenverkehr ausgegeben. Insgesamt wurden 30.000 km zusätzliche Autobahnen gebaut - das Schienennetz jedoch um über 15.000 km verkleinert.

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Rund 1,5 Billionen Euro wurden in den letzten Jahrzehnten für die Straßeninfrastruktur ausgegeben, während 930 Milliarden Euro auf die Schiene entfielen – ein Unterschied von rund 570 Milliarden Euro. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/aerial-view-highway-road-network-vilnius-2345423083" target="_blank" rel="noopener">Wirestock Creators / Shutterstock.com</a>]

Zwischen 1995 und 2018 wurde in ganz Europa deutlich mehr Geld für den Straßenbau als für den Schienenverkehr ausgegeben. Insgesamt wurden 30.000 km zusätzliche Autobahnen gebaut – das Schienennetz jedoch um über 15.000 km verkleinert.

Die meisten Bahn-Stilllegungen gab es dabei in Deutschland, so eine neue Studie, welche die Ausgaben für Straße und Schiene in allen EU-Ländern sowie in Norwegen, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich untersucht. Sie wurde vom deutschen Wuppertal Institut und dem Think-Tank T3 Transportation im Auftrag von Greenpeace durchgeführt.

Rund 1,5 Billionen Euro wurden in den letzten Jahrzehnten demnach europaweit für die Straßeninfrastruktur ausgegeben, während 930 Milliarden Euro auf die Schiene entfielen – ein Unterschied von rund 570 Milliarden Euro.

Der Unterschied ist europaweit in Rumänien am größten. Seit 1995 hat das Land mehr als zwölfmal so viel in den Ausbau des Straßennetzes wie in das Schienennetz investiert.

Das zweithöchste Verhältnis wies Kroatien auf, wo knapp 7-mal mehr Mittel in den Straßen- als in den Schienenverkehr flossen, während Polen an dritter Stelle lag, wo 6,5 Mal mehr investiert wurde.

Den größten Zuwachs an Autobahnkilometern verzeichnete Spanien, das sein Straßennetz seit 1995 um 8.623 km ausbaute und damit den Zweitplatzierten Frankreich mit einem Zuwachs von 3.385 km weit übertraf.

Den größten Zuwachs an Autobahnen im Verhältnis zur Gesamtgröße verzeichnete Irland, das sein Straßennetz zwischen 1995 und 2020 um 1.321 Prozent vergrößert hat. Rumänien, das die größte Lücke zwischen Straßen- und Schienenfinanzierung aufwies, baute seine Autobahnen um 714 Prozent aus.

Nicht alle Länder folgten jedoch dem Trend, mehr Investitionen in Autobahnen zu tätigen. Zwischen 1995 und 2018 investierte Belgien 210 Prozent mehr in sein Schienennetz als in das Straßennetz, und auch Österreich und das Vereinigte Königreich steckten vergleichsweise mehr Mittel in die Schiene.

„Massive Subventionen für Straßen stoppen“

Lorelei Limousin von Greenpeace kritisierte, die Entscheidung, Autobahnen zu finanzieren und gleichzeitig das Schienennetz zurückzufahren, habe dazu beigetragen, die Abhängigkeit vom Auto auf dem gesamten Kontinent zu erhöhen und die Klimakrise zu verschärfen.

„Die Regierungen und die EU müssen auf die Bremse treten, stillgelegte Strecken wieder in Betrieb nehmen und in die Schiene investieren – und die massiven Subventionen für Straßen stoppen, die das Klima zerstören, die Luft verschmutzen und den Menschen das Leben zur Hölle machen“, sagte sie in einer Erklärung.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Ausbau der Autobahnen um 60 Prozent zwischen 1995 und 2019 zu einem Anstieg der Nachfrage nach Straßenverkehr in Europa um 29 Prozent geführt hat.

Im gleichen Zeitraum stiegen die Verkehrsemissionen in der EU um 15 Prozent, während sie in den meisten anderen Sektoren rückläufig waren.

Greenpeace beklagte auch die rund 130 Milliarden Euro, die zwischen 1995 und 2018 in Europa für die Flughafeninfrastruktur ausgegeben wurden, und wies auf die Klimaauswirkungen des Fliegens hin.

Deutschland bei Bahn-Stilllegungen vorn

Im untersuchten Zeitraum wurden rund 13.700 km Strecken für den Personenverkehr stillgelegt, und etwa 2.500 Bahnhöfe wurden vorübergehend oder dauerhaft geschlossen – ein Trend, der vor allem ländliche Gemeinden betrifft.

„Millionen von Menschen außerhalb der Städte haben keine andere Wahl, als ein Auto zu besitzen, um zur Arbeit zu kommen, ihre Kinder zur Schule zu bringen oder grundlegende Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, da sie in Gebieten mit wenig oder gar keinem öffentlichen Verkehr leben“, sagte Limousin.

„Dies ist eine direkte Folge davon, dass die Regierungen lokale und regionale Eisenbahnnetze abbauen, während sie das Geld in den Straßenbau stecken“, kritisierte sie.

Deutschland hat die größten Kürzungen in seinem Schienennetz vorgenommen und seit 1995 2.700 km Schienenpersonenverkehrsstrecken stillgelegt.

Polen und Italien folgten mit 2.330 km bzw. 1.831 km stillgelegter Bahnstrecken in der Rangliste.

Da die Infrastruktur jedoch in vielen Fällen nicht vollständig abgebaut wurde, könnte laut Greenpeace mehr als die Hälfte der stillgelegten Bahnstrecken relativ einfach wieder in Betrieb genommen werden.

Schrumpfende Lücke

Während die Studie in der Vergangenheit eine klare Präferenz der Entscheidungsträger für Straßeninvestitionen feststellt, zeigt eine Analyse der Daten nach 2018 eine stärkere Konzentration auf Investitionen in die Schiene. Der Abstand hat sich von einem Vorsprung von zwei Dritteln für Straßeninvestitionen auf etwas mehr als ein Drittel verringert.

Die Änderung der Prioritäten spiegelt wider, dass die Politik in den letzten Jahren der Verringerung der CO2-Emissionen mehr Bedeutung beigemessen hat, da die Bekämpfung des Klimawandels auf der politischen Agenda nach oben gerückt ist.

In der Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität der Europäischen Kommission von 2020 hat sich die Kommission das Ziel gesetzt, die Zahl der Fahrten im Hochgeschwindigkeitsverkehr bis 2030 zu verdoppeln, wobei der Schienengüterverkehr bis 2050 verdoppelt werden soll.

Die Verlagerung des Personen- und Güterverkehrs auf die Schiene gilt als Mittel zur raschen Verringerung des CO2-Ausstoßes in Europa – während der Straßenverkehr für rund 72 Prozent der europäischen Verkehrsemissionen verantwortlich ist, macht die Schiene weniger als ein Prozent aus.

Die Europäische Kommission hat das Jahr 2021 zum „Europäischen Jahr der Schiene“ erklärt und eine Reihe von Veranstaltungen organisiert, um die Vorteile des Zugverkehrs gegenüber dem Straßen- oder Luftverkehr zur Geltung zu bringen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]