SVB-Kollaps hat laut EU-Kommission "begrenzte" Auswirkungen auf Europa
Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA habe nur "begrenzte Auswirkungen" auf die EU-Märkte, und der EU-Bankensektor sei weiterhin "in guter Verfassung", erklärte die für Finanzdienstleistungen zuständige Kommissarin Mairead McGuinness am Mittwoch (15. März) vor den Abgeordneten des EU-Parlaments.
Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA habe nur „begrenzte Auswirkungen“ auf die EU-Märkte, und der EU-Bankensektor sei weiterhin „in guter Verfassung“, so die EU-Kommission.
Drei US-Banken – SVB, Silvergate und Signature – scheiterten am Wochenende aufgrund eines Abschwungs in der US-Krypto- und Tech-Branche, gefolgt von Liquiditätsengpässen. Dadurch konnten sie ihre Kunden nicht ausbezahlen.
„Die direkten Auswirkungen auf die EU scheinen begrenzt zu sein“, sagte FInanzkommissarin Mairead McGuiness und fügte hinzu, dass die Reaktion der EU-Märkte „zunächst negativ war, sich aber inzwischen beruhigt hat.“
Der europäische Index der Bankaktien (.SX7P) fiel um 7 Prozent, wobei nach Schätzungen von Reuters seit letzter Woche mehr als 126,5 Milliarden Dollar (120 Milliarden Euro) an Marktwert verloren gingen.
Die Banken legten Einlagengelder an, um langfristige Vermögenswerte zu kaufen, die aber einen großen Teil ihres Wertes verloren, als die Federal Reserve (Fed) die Zinssätze anhob.
Dieser in der Finanzwelt übliche Schritt ist nur dann unproblematisch, wenn die Banken ihre Risiken managen – was diese drei Banken nicht getan haben.
Ein Versagen der Aufsichtsbehörde
McGuinness fügte hinzu, dass die Misswirtschaft der Banken in den Bilanzen darauf zurückzuführen sei, dass die USA die aufsichtsrechtlichen Anforderungen von Basel III nicht auf kleine und mittelgroße Banken angewandt hätten.
Bei den Basel-III-Anforderungen handelt es sich um eine Reihe international vereinbarter Standards, die den Mindestbetrag an freier Liquidität festlegen, den eine Bank zur Bewältigung unerwarteter Verluste vorhalten muss.
„Als die Fed im Oktober 2020 Basel III einführte, machte sie sich die Tatsache zunutze, dass die Basler Vereinbarungen streng genommen nur für ‚große, international tätige‘ Banken gelten“, schrieb Daniel Davies, Managing Director bei Frontline Analysis, in der Financial Times.
„Während die meisten Länder die Basler Regeln ohnehin auf ihr gesamtes Bankensystem anwenden, gibt es in den USA eine starke und mächtige Lobby der Gemeinschaftsbanken [die sich gegen die Anwendung der Anforderungen auf kleinere Banken wehrte]“, erklärte er.
In der Praxis bedeutet dies, dass diese US-Banken trotz ihres Engagements in einem so volatilen Markt wie dem Technologiemarkt nicht über die notwendigen Sicherheiten verfügten, um Einlagen zurückzuzahlen. Die Regulierungsbehörden hatten nicht die nötige Aufsicht, um den Sturm kommen zu sehen.
Die Finanzkommissarin betonte, dass in Europa die Lage anders sei. „In der EU wenden wir die Basler Aufsichtsstandards auf alle Banken an“ – eine Aussage, die sie dreimal wiederholte.
Anfang der Woche hatte auch der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire die Marktteilnehmer zur „Beruhigung“ aufgerufen.
Höhere Kapitalpuffer
In der EU wird bereits über die Anwendung höherer Kapitalpuffer für EU-Banken verhandelt, um den Basel-III-Standards besser zu entsprechen.
Banken verwenden in der Regel interne Modelle, um die Risiken ihrer Vermögenswerte zu berechnen, woraus sich dann die erforderlichen Kapitalpuffer ergeben. Um der Versuchung der Banken entgegenzuwirken, das Risiko in ihren internen Modellen zu niedrig zu berechnen, schlug die Kommission einen „Output-Floor“ vor, der eine Mindestanforderung für das Bankkapital festlegt.
„Angesichts der Ereignisse müssen wir in der Lage sein, zu überarbeiten, zu verhandeln und sicherzustellen, dass wir verstehen, inwieweit die EU in der Lage ist, die Baseler Anforderungen anzuwenden“, sagte Jonás Fernández (S&D), ein führender Europaabgeordneter in Sachen Finanzdienstleistungen, vor dem Plenum.
Das Legislativpaket für den Bankensektor, das die Kommission erstmals im Oktober 2021 vorstellte, geht nun in die interinstitutionelle Trilog-Phase.
„Obwohl wir für alle Banken die gleichen Regeln anwenden, wendet die EU nicht alle Anforderungen von Basel III an“, sagte Fernández und forderte die Kommission auf, einen neuen Legislativvorschlag auszuarbeiten, um Bankenausfälle besser zu bewältigen.
McGuinness forderte auch, dass mehr für eine wirksame Regulierung von Bankniederlassungen aus Drittländern in der EU getan werden sollte. Sie fügte hinzu, dass sie die aktuelle Situation, insbesondere die Ansteckungsrisiken auf den EU-Märkten, genau beobachte.
„Wir müssen in diesem neuen Umfeld wachsam bleiben“, sagte sie.
Schwierigere Finanzierung für Tech-Start-ups
EU-Abgeordnete haben davor gewarnt, dass sich die Finanzkrise nachhaltig negativ auf die Finanzierung von Start-ups auswirken wird, da die Banken vor riskanteren Marktsegmenten zurückschrecken.
Das EU-Regulierungssystem wirke wie ein „Deich“, der das europäische Finanzsystem vor einer Ansteckung schütze und für mehr finanzielle Stabilität sorge – auf Kosten einer einfachen Finanzierung für Tech-Unternehmen, so die Europaabgeordnete Stéphanie Yon-Courtin (Renew) gegenüber EURACTIV. „Die USA haben weniger strenge Regeln, aber eine größere Finanzkraft.“
„Was wir von den USA bekommen haben, sind kostenlose Alarmglocken. Es ist nicht an der Zeit, trotz höherer Finanzierungskosten für Tech-Startups auf regulatorische Kontrollen zu verzichten“, fügte der Europaabgeordnete Marek Belka (S&D) hinzu.
Die Alarmglocken könnten jetzt allerdings noch lauter läuten.
Nur wenige Stunden nach der Parlamentsdebatte schien die Bankenkrise bereits ein Stück näher gerückt zu sein: Nachdem das Vertrauen der Märkte in die skandalumwitterte Schweizer Bank Credit Suisse stark gesunken war, sah sich die Schweizerische Nationalbank gezwungen, eine Erklärung abzugeben, in der sie mitteilte, sie werde Credit Suisse im Ernstfall mit Liquidität unterstützen.
Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob die europäischen „Deiche“ halten.
[Bearbeitet von János Allenbach-Ammann/Nathalie Weatherald]