Windindustrie trotzt der Krise
Hersteller von Windkraftanlagen rechnen in der Krise mit stabilen Umsätzen und einer baldigen Rückkehr des Booms. Die europäische Offshore-Revolution hat hierzulande erst begonnen. China macht derweil dicht.
Hersteller von Windkraftanlagen rechnen in der Krise mit stabilen Umsätzen und einer baldigen Rückkehr des Booms. Die europäische Offshore-Revolution hat hierzulande erst begonnen. China macht derweil dicht.
Während der deutsche Maschinenbau insgesamt im ersten Halbjahr 2009 dramatische Auftragsrückgänge erlebte (Minus 46 Prozent), konnte die Windindustrie das Niveau des Vorjahres halten. "Die Windindustrie steht in der Wirtschaftskrise wesentlich besser da als der Durchschnitt des Maschinen- und Anlagenbaus", sagte Thorsten Herdan, zuständiger Geschäftsführer beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am 23. Juli in Berlin.
Der Weltmarkt werde 2009 eine Verschnaufpause einlegen, und 2010 wieder zwischen 10 und 15 Prozent zu wachsen, so Herdan. Im Jahr 2008 hatte der Weltmarkt ein Rekordwachstum von 24 Prozent auf 27,3 Milliarden Euro erlebt. Die deutsche Windindustrie ist stark von Ausfuhren abhängig, die Exportquote lag 2008 bei 80 Prozent.
"Wir gehen davon aus, dass der deutsche Markt 2009 stärker als der Weltmarkt wächst", ergänzte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). Für dieses Jahr rechne man mit rund 2.000 Megawatt neu installierter Leistung, das wären 300 Megawatt mehr als in den beiden Vorjahren. Begünstigt werde der Anlagenbau durch die neuerliche Novelle des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) in Deutschland.
Verschiebung der Märkte: USA bricht ein, China boomt
Nach einem Boom in den vergangenen Jahren wird der US-Markt 2009 um bis zu 30 Prozent schrumpfen, so die Prognose des VDMA. Grund sei hier der Mangel an Investoren in der Finanzkrise. In den Vorjahren habe man etwa in Florida Anlagen geplant "bis der Arzt kommt", so Herdan. Nun fehle die Finanzierung. Zugleich lege der chinesische Markt kräftig zu und gleiche den Rückgang in den USA aus.
Protektionismus lässt Blut gefrieren
Mit scharfen Worten übte Herdan Kritik am chinesischen Protektionismus. Was deutsche Windkraftanlagen-Hersteller in China zurzeit erlebten, lasse ihnen das "Blut in den Adern gefrieren". Deutsche Produkte dürften teilweise gar nicht eingeführt werden oder würden mit hohen Zöllen versehen. Zudem gebe es Forderungen, Teile der Herstellung nach China zu verlagern. Für bestimmte Zulieferer-Teile gebe es dagegen keine Probleme, weil die chinesischen Hersteller noch auf sie angewiesen seien. Jüngst hatte der Brüsseler Think-Tank "European Policy Centre" (EPC) eine Debatte zum chinesischen Protektionismus angestossen (EURACTIV vom 23.Juli 2009)
Hermann Albers ergänzte, weitere Märkte würden zunehmend erschlossen und nannte das Beispiel Südamerika. Auch Europa bleibe auf Kurs. Mit der europäischen Erneuerbaren Energien-Richtlinie habe man EU-weit verlässliche Rahmenbedingungen für ein weiteres Wachstum bis 2020. Neben Deutschland und Spanien hätten sich Italien, Großbritannien und Frankreich als Milliardenmärkte etabliert.
Stabile Finanzierung
Von einer Kreditklemme spürt die mittelständisch geprägte Windbranche den Verbänden zufolge nichts. Die Finanzierung laufe "sehr gut", so Hermann Albers. Besonders Raiffeisenbanken und Sparkassen vergäben weiterhin Kredite für neue Anlagen. Albers sieht die Ursachen im Erneuerbare Energien Gesetz, das Anlagenbetreibern auf 20 Jahre feste Abnahmepreise für den Windstrom garantiert. Die Banken hätten es also mit "kalkulierbaren Risiken" zu tun.
Start für deutsche Offshore-Anlagen
Nach jahrelangen Planungen beginnt in Deutschland der massive Aufbau von sogenannten "Offshore"-Windparks in der Nord- und Ostsee. 100 Megawatt Offshore-Windenergie Leistung werden voraussichtlich Ende des Jahres installiert sein. 2010 sollen weitere Windparks im Meer fertig werden, die Leistung soll sich auf über 500 Megwatt erhöhen. Hermann Albers sagte, er freue sich, auf der europäischen Offshore-Konferenz im September in Stockholm Fortschritte voweisen zu können. Bislang führen Großbritannien und Dänemark bei der Nutzung der Offshore-Windkraft. Deutschland soll in den nächsten Jahren auf Platz zwei vorrücken.
Die Visionen für Windenergieanlagen auf dem Wasser sind gewaltig. Bis 2030 sollen die Windparks, die über hundert Meter hoch aus dem Wasser ragen, zwischen 20.000 und 25.000 Megawatt Windleistung bringen und 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken, so das Ziel des Bundesumweltministeriums. Bislang sind 29 Parks genehmigt und 40 weitere in Planung.
Jüngst hatten die sich EU-Energieminister darauf verständigt, Offshore-Anlagen mit 565 Millionen Euro zu fördern (EURACTIV.de vom 16. Juli 2009)
Hintergrund
Offshore-Windkraft soll entscheidend zum Ziel der EU beitragen, 20 Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Siehe hierzu: EURACTIV Link-Dossier zur EU-Energiepolitik.
Im April 2008 hat die Kommission einen speziellen Konsultationsprozess zur Offshore-Windkraft begonnen. Die Ergebnisse dieses Prozesses, der am 20. Juni 2008 zu Ende ging, flossen in einen
Aktionsplan Offshore-Energie ein, den die EU-Kommission am 12. Dezember 2008 veröffentlichte.
Offshore-Windkraft wird auch in dem im November 2007 veröffentlichten Strategieplan für Energietechnologien (SET-Plan) als Schlüsseltechnologie genannt.
Alexander Wragge
Weiterführende Links:
Institutionen
Bundesumweltmisterium zur Offshore-Windkraft
EU: Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Enegrien (2009/28/EG)
EU-Kommission:
Aktionsplan Offshore-Energie (12. Dezember 2008)
Verbände
Bundessverband Windenergie (BWE)
BWE/VDMA: Windindustrie in Deutschland. Wirtschaftsreport 2009
BWE: Informationen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz