Zinserhöhung in den USA: "Die EZB steckt in der Falle"

Die US-Notenbank Fed wagt nach der Wahl von Donald Trump eine weitere Zinserhöhung. Die Europäische Zentralbank jedoch hat einen solchen Spielraum laut Experten weiterhin nicht.

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Die US-Notenbank Federal Reserve. [shutterstock]

Die US-Notenbank Fed wagt nach der Wahl von Donald Trump eine weitere Zinserhöhung. Die Europäische Zentralbank jedoch hat einen solchen Spielraum laut Experten weiterhin nicht.

Die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen haben das geldpolitische Niveau in den USA erstmals seit einem Jahr und zum zweiten Mal nach der weltweiten Finanzkrise von 2008 angehoben. Der Leitsatz wurde am Mittwoch um einen Viertelpunkt auf 0,5 bis 0,75 Prozent angehoben. Die Fed reagierte damit auf den Boom am Arbeitsmarkt und die insgesamt rund laufende Konjunktur, die durch ein billionenschweres Investitionsprogramm von Donald Trump noch weiteren Schub erhalten könnte. „Wir erwarten, dass sich die Wirtschaft weiter gut schlagen wird“, sagte Yellen. Sie signalisierte, dass sie die Zügel im kommenden Jahr drei Mal anziehen könnte. Ob Trumps Politik zu einer Verschärfung der geldpolitischen Gangart führt, ließ sie offen.

„Ich werde dem künftigen Präsidenten keine Ratschläge erteilen, wie er sich politisch verhalten soll“, sagte Yellen. Persönlich habe sie zuletzt keinen Kontakt zu dem Republikaner gehabt. Die Notenbank-Chefin war im Wahlkampf hart von Trump angegangen worden. Er hatte ihr vorgeworfen, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, um das Platzen einer Börsenblase unter dem demokratischen Präsidenten Barack Obama zu verhindern. Yellen pocht auf ihre Unabhängigkeit und muss sich dennoch darauf einstellen, dass sie von Trump 2018 nicht mehr für eine weitere Amtszeit an der Spitze der Fed nominiert wird.

Für den Chefvolkswirt der Privatbank Sal. Oppenheim, Martin Moryson, stehen die Zeichen dennoch weiter auf geldpolitische Straffung: „Alle Präsidenten wünschen sich im Grunde niedrige Zinsen. Diesen Gefallen wird die Fed Herrn Trump nicht tun. Es wird interessant, wie er darauf reagiert.“

Der Euro purzelt nach Fed-Entscheidung

Mit der strafferen Geldpolitik sorgen Yellen & Co. dafür, dass der Dollar Auftrieb erhält und damit amerikanischen Exporteuren das Leben erschwert wird. Der Euro fiel nach der Fed-Entscheidung auf den tiefsten Stand seit März 2015. Denn die Notenbank zieht die Zügel in einer Zeit an, in der in den anderen großen Währungsräumen die Zeichen weiter auf Nullzins stehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Konjunktur noch bis Ende 2017 mit massiven Geldspritzen beleben. An eine geldpolitische Straffung ist noch lange nicht zu denken, wie EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in einem „Zeit“-Interview signalisierte: „Wir sind noch nicht so weit“.

„Dem Zinsschritt in den USA wird in Europa im ganzen Jahr 2017 kein einziger folgen“, ist Friedrich Heinemann, Ökonom am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), überzeugt. „Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seiner Ansicht nach derzeit keinen Bewegungsspielraum. Denn die Inflationsrate in der Eurozone ist immer noch weit
unter der Zwei-Prozent-Zielmarke. „Und die neue Unsicherheit um Italien mit seinen Staatsschulden von 2,2 Billionen Euro und hohen faulen Krediten in den Bankbilanzen machen Zinserhöhungen viel zu riskant.“

Niedrigzinspolitik weiterhin mit unerwünschten Nebeneffekten für Finanzstabilität

Letztlich, so Heinemann, stecke die EZB „in der Falle“. „Diese Falle haben die nationalen
Regierungen mit ihren hohen Schulden und ihrer Unfähigkeit zu Strukturreformen gestellt. Sparer sollten sich nicht bei EZB-Präsident Mario Draghi über die Null- und Negativzinsen beklagen, sondern viel eher in Rom, Paris und anderen Hauptstädten.“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, begrüßte die Zinserhöhung durch die Fed. „Angesichts der gut ausgelasteten Produktionskapazitäten, einer sehr niedrigen Arbeitslosigkeit sowie den zuletzt wieder angehobenen Wachstumsprognosen für die USA ist es richtig und wichtig, dass die Fed die immer noch sehr expansive Geldpolitik etwas drossele.“ Die Niedrigzinspolitik sei weiterhin mit unerwünschten Nebeneffekten für die Finanzstabilität verbunden, so Kemmer.

Märkte erwarten vorerst keine weitere Erhöhung

An den Finanzmärkten wird die Chance auf eine weitere Zins-Anhebung durch die Fed im Juni 2017 unterdessen nur auf 50 Prozent geschätzt. Die US-Börsen sind seit der Trump-Wahl stark im Aufwind. Der Dow-Jones-Index ist nur noch wenige Punkte von der psychologisch wichtigen 20.000-Punkte-Marke entfernt. Die Signale, dass die Zinsen nächstes Jahr stärker als gedacht steigen könnten, sorgten aber für einen kleinen Dämpfer an der Wall Street.

Die Währungshüter peilen an, dass der Zins Ende nächsten Jahres bei 1,375 Prozent stehen könnte. Im September hatten sie nur 1,125 Prozent erwartet. „Insoweit markiert die Sitzung der Fed möglicherweise einen Zeitenwechsel hin zu einer zukünftig rascheren geldpolitischen Straffung“, so Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Allerdings hatten die Währungshüter im Dezember 2015 für das laufende Jahr gleich vier Erhöhungen ins Auge gefasst, begnügten sich nach Störfeuer von außen – einem Börsenbeben in China und dem Brexit-Votum in Großbritannien – nun mit einem einzigen Schritt.

Yellen sagte, die Fed sei nicht auf einem vorab festgelegten Kurs. Mit Blick auf die von Trump geplanten Steuersenkungen und Investitionen in die Verkehrswege sei es „noch zu früh“, um abschätzen zu können, wie sich die Haushaltspolitik entwickeln werde. Einige Währungshüter erwarteten allerdings schon, dass es zu Veränderungen kommen werde. Obwohl die Inflation noch unter der von der Fed angestrebten Marke liegt, ist Yellen optimistisch: „Wir sind auf gutem Weg, unsere Ziele zu erreichen.“

Der US-Währungshüter James Bullard hatte jüngst gesagt, er halte es für möglich, dass der Trump-Triumph die Inflation nach oben treibe. Entsprechende Erwartungen an den Finanzmärkten seien aus Sicht der Fed positiv zu bewerten. Bislang hatte die Notenbank eher die Sorge umgetrieben, dass der Preisauftrieb zu schwach ist. Die Fed strebt eine Rate von zwei Prozent an.