Bulgarien: Facebook wegen Sperrung von Russlandkritischen Accounts in Kritik
Facebook steht wegen seines Umgangs mit der Sperrung von kremlkritische Accounts in Bulgarien stark in der Kritik. Dem Drittanbieter, der die Löschungen für Facebook durchführt, wird vorgeworfen, kremlfreundliche Inhalte bevorzugt zu behandeln.
Facebook steht wegen seines Umgangs mit der Sperrung von kremlkritische Accounts in Bulgarien stark in der Kritik. Dem Drittanbieter, der die Löschungen für Facebook durchführt, wird vorgeworfen, kremlfreundliche Inhalte bevorzugt zu behandeln. Am heutigen Donnerstag (12. Januar) ist diesbezüglich eine Großdemonstration geplant.
Pro-europäische Stimmen in Bulgarien werden am Hauptsitz von TELUS International Bulgaria protestieren, dem Drittanbieter, der die Löschung von Inhalten und die Sperrung von Accounts für Facebook in Bulgarien durchführt.
Der Protest gegen Facebook wird von der Bürgervereinigung BOEC organisiert, einem der Organisatoren der regierungsfeindlichen Demonstrationen, die im Sommer 2020 stattfanden und sich gegen die umstrittene Partei GERB und ihres Vorsitzenden und ehemaligen Ministerpräsidenten Bojko Borissow richteten.
„In den letzten fünf Jahren ist mein Konto genau 50 Mal gesperrt worden. Insgesamt wurde ich mehr als drei Jahre lang wegen meiner Aktivitäten mit BOEC und unserem Kampf gegen die Mafia und die ‚fünfte Kolonne‘ des Kremls gesperrt“, sagte BOEC-Chef Georgi Georgiev.
Unterdessen forderte die pro-europäische Partei Demokratisches Bulgarien, dass das Unternehmen im Parlament angehört wird. Die Gründe sind dieselben – häufige Beschwerden von verschiedenen Nutzern, dass ihre Konten unrechtmäßig gesperrt sind.
Nach Ansicht des Abgeordneten der Demokratischen Partei Bulgariens, Ivaylo Mirchev, muss klargestellt werden, wie Facebook – die Kommunikation mit dem größten Einfluss in Bulgarien – seine Politik zur Verwaltung von Inhalten anwendet.
„Es ist gut für das Parlament und die Öffentlichkeit, sich der Prinzipien und Regeln ihrer Arbeit bewusst zu sein, da dieser Kanal einen starken Einfluss auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens hat“, fügte er hinzu.
Christo Komarnitski, der berühmte Karikaturist mit über 52.000 Facebook-Followern, der für EURACTIVs Partner Sega zeichnet, wurde erneut für 30 Tage gesperrt, weil er einen Beitrag eines Bulgaren geteilt hat, der sagt, er sei in der Ukraine und werde dort bis zum Sieg bleiben. Der Beitrag wurde zwar nicht gelöscht, aber die Accounts von Personen, die den Beitrag teilten wurden gesperrt.
Ein anderer Satiriker von Sega, Ivo Balev, der ebenfalls für Prass Press arbeitet, erhielt eine sechstägige Sperre für einen Kommentar, in dem er vulgäre Wörter mit einer Ellipse zensierte.
Der Werber Radoslav Bimbalov wurde ebenfalls gesperrt, und dem Dichter Manol Glishev droht die Löschung seines Profils.
Auch die Accounts von anderen Journalisten wurden gesperrt, darunter Atanas Chobanov von der investigativen Website Bird.bg. Seine Sperre war jedoch nur von kurzer Dauer, da Facebook nach seinem Einspruch entschied, dass kein Verstoß gegen seine Regeln vorliege.
Bereits im Dezember, als die Unzufriedenheit gegen TELUS zunahm, bestritt Kristina Ivanova, Vizepräsidentin für Operations bei TELUS International Bulgaria, dass ihr Unternehmen Entscheidungen über die Umsetzung der Meta-Regeln trifft.
„Wir sind weder an die russische Regierung noch an irgendeine andere Regierung der Welt gebunden. Wir sind ein völlig unabhängiges, börsennotiertes Unternehmen“, fügte sie hinzu.