Deutsche: "Mehr Europa" nur nach Referendum

Noch ist die Mehrheit der Deutschen dafür, dass die europäischen Länder in den nächsten Jahren enger zusammenrücken. Allerdings sinkt die Zustimmung der Deutschen für "mehr Europa", die sie zudem an eine Volksabstimmung knüpfen. EURACTIV.de dokumentiert die europarelevanten Ergebnisse des aktuellen ARD-Deutschlandtrend.

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit für die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF gestimmt. Die meisten Deutschen finden das falsch. Foto: dpa
Der Bundestag hat mit großer Mehrheit für die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF gestimmt. Die meisten Deutschen finden das falsch. Foto: dpa

Noch ist die Mehrheit der Deutschen dafür, dass die europäischen Länder in den nächsten Jahren enger zusammenrücken. Allerdings sinkt die Zustimmung der Deutschen für „mehr Europa“, die sie zudem an eine Volksabstimmung knüpfen. EURACTIV.de dokumentiert die europarelevanten Ergebnisse des aktuellen ARD-Deutschlandtrend.

Die Mehrheit der Deutschen will, dass die europäischen Länder in den nächsten Jahren enger zusammenrücken und noch mehr gemeinsame Politik machen. Allerdings ist die Zustimmung laut ARD-Deutschlandtrend Oktober 2011 innerhalb eines Monats von 64 auf 58 Prozent gesunken. 39 Prozent (+6%) meinen dagegen, dass die einzelnen EU-Staaten wieder stärker allein handeln und weniger gemeinsame Politik machen sollten.

Wenn Europa mehr Rechte erhalten soll, dann müssten die Deutschen darüber in einer Volksabstimmung entscheiden, meint eine deutliche Mehrheit von 80 Prozent der Befragten. 18 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage nicht zu.

Mit Bezug auf Griechenland lehnt inzwischen die Mehrheit der Deutschen weitere Hilfszahlungen ab. 53 Prozent der Befragten – und damit 6 Prozent mehr als im Juli – wollen nicht, dass die anderen Euro-Länder Griechenland weiter unterstützen. 43 Prozent (-3%) der Befragten sind weiterhin dafür, Griechenland weiter zu unterstützen.

Während eine breite Mehrheit von CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne im Bundestag Ende September der Ausweitung des Euro-Rettungsschirms zugestimmt hat (EURACTIV.de vom 29. September 2011), hält eine Mehrheit der Befragten (54 Prozent) diese Entscheidung für falsch. Nur 38 Prozent der Befragten halten die Entscheidung des Bundestages für richtig.

Das Umfrageinstitut Infratest dimap hat die repräsentative Umfrage am 4. und 5. Oktober durchgeführt.

Österreicher gegen Kompetenztransfer

Auch die meisten Österreicher lehnen laut einer aktuellen Studie eine weitere Kompetenzverschiebung gen Brüssel ab. Die Ergebnisse der Meinungsumfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) zeigen unter anderem, dass sich 30 Prozent der befragten Österreicher eine Weiterentwicklung der EU hin zu den "Vereinigten Staaten von Europa" vorstellen können. Die Mehrheit der Österreicher, 50 Prozent, ist allerdings dagegen (EURACTIV.de vom 30. September 2011).

mka

Links


ARD-Deutschlandtrend
: Beitrag auf tagesschau.de (6. Oktober 2011)

ARD-Deutschlandtrend: Die Studie (Oktober 2011)

Zum Thema auf EURACTIV.de

Österreicher gegen Kompetenztransfer nach Brüssel (30. September 2011)

Mehr Wahrheit und Klarheit in der Europolitik gefordert (28. September 2011)

EURACTIV.de-Debatte: Integrationssprung aus der Euro-Krise?

Teil I: "Wie die Sprache der ‚Euro-Krise‘ die Unionsbürger verunsichert" von der EU-Expertin Almut Möller (DGAP) finden Sie hier.

Teil II: "Euro-Krise – Mut zu mehr europäischer Demokratie" vom grünen Europapolitiker Manuel Sarrazin finden Sie hier.

Teil III: "Merkels Skepsis vor dem Paukenschlag" von EURACTIV.de-Redakteur Alexander Wragge finden Sie hier.

Teil IV: "Wann kommt das Euro-Parlament?" von EURACTIV.de-Redakteur Michael Kaczmarek finden Sie hier.

Teil V: "Das neue Europa: Euro-Bonds und Euro-Parlament" von der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot (ECFR) finden Sie hier.