Energiesektor-Streiks könnten französische Regierung in die Knie zwingen

Die Beschäftigten des französischen Energiesektors könnten entscheidend dazu beitragen, die Regierung zur Aufgabe ihrer heiß umstrittenen Rentenreform zu bewegen, da sie aus Protest gegen die Pläne eine "schwarze Woche für die Energie" angekündigt haben.

EURACTIV France
CGT Union strike against planned pension reform, in Martigues
Aus Protest werden die Beschäftigten des Sektors bis Freitag (10. März) streiken, heißt es in einem Flugblatt, das von der Bergbau- und Energieabteilung der Gewerkschaft CGT, FNME-CGT, verteilt wurde. [[EPA-EFE/Guillaume Horcajuelo]]

Die Beschäftigten des französischen Energiesektors könnten maßgeblich dazu beitragen, die Regierung zur Aufgabe ihrer heiß umstrittenen Rentenreform zu bewegen. Sie planen eine „schwarze Woche“ für die Energie.

Die französische Atomproduktion ist über das Wochenende zurückgegangen, da am Freitag (3. März) landesweit Streiks begonnen haben. Mehr als 5.000 Megawatt (MW) wurden zwischen Freitag und Sonntagnachmittag (3. bis 5. März) vom Stromnetz genommen.

Die Beschäftigten in der Energie- und Gasindustrie profitiert derzeit von einer Sonderregelung für den Ruhestand, die eine großzügigere Rentenberechnung im Vergleich zum Privatsektor und Kriterien für einen vorzeitigen Ruhestand vorsieht. Mit der Rentenreform würde diese Sonderregelung für neue Beschäftigten des Energiesektors abgeschafft.

Aus Protest werden die Beschäftigten des Sektors bis Freitag (10. März) streiken, heißt es in einem Flugblatt, das von der Bergbau- und Energieabteilung der Gewerkschaft CGT, FNME-CGT, verteilt wurde.

Man wolle eine „schwarze Woche für die Energie“ ausrufen, heißt es dort.

Insgesamt sind mehr als 17.000 MW Atom-, Wasser- und Wärmekraftwerke „in den Händen der Streikenden“, heißt es in demselben Flugblatt.

Von Montagabend bis Dienstagnachmittag befanden sich mehr als 20.600 MW installierter Kapazität in den Händen der Streikenden, so eine interne Auflistung der Gewerkschaft CGT, die EURACTIV einsehen konnte. Davon entfallen fast 8.000 MW auf die Wasser- und Wärmekraft und knapp 5.000 MW auf den Atomsektor.

Tatsächlich wurde aber mehr Strom produziert als erwartet.

Der von EURACTIV kontaktierte staatliche Energiekonzern EDF erklärte, der „gesamte Rückgang um 15.30 Uhr [am Dienstag (7. März)] habe 14.900 MW betragen: 3.400 MW bei der Atomkraft, 7.000 MW bei der Wasserkraft, 4.500 MW bei fossilen Energiträgern.“

Die unterschiedlichen Zahlen lassen sich dadurch erklären, dass die Streikenden die Produktionskapazität einer Maschine oder Anlage berücksichtigen, während die EDF oder der Stromnetzbetreiber RTE ihre Berechnungen auf das für einen bestimmten Tag geplante Produktionsprogramm stützen.

Auch wenn 20 GW im Vergleich zu Frankreichs installierter Gesamtkapazität von etwa 143 GW gering erscheinen mögen, könnte dies dennoch erhebliche Auswirkungen auf die Stromerzeugung und das Netz haben, da es sich um die kontrollierbare Kapazität handelt, die derzeit offline ist.

Blockierte Treibstofflieferungen

Im Kraftstoffsektor sind nicht die Produktion, sondern die Treibstofflieferungen blockiert worden.

Dies wird nach Angaben der Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) voraussichtlich bis mindestens Mittwochmittag (8. März) dauern.

Auf lokaler Ebene könnten die Streiks über den Mittwoch hinaus andauern, da einige Standorte von TotalEnergies bereits für einen 72-stündigen Streik ab Dienstag gestimmt haben. Am Ende des Tages entschieden sich die streikenden Mitarbeiter von TotalEnergies für eine Verlängerung der Aktion, bestätigte die CGT.

Die Blockade der Treibstofflieferungen betrifft „alle französischen Raffinerien“, so die Gewerkschaft, was auch von TotalEnergies gegenüber AFP bestätigt wurde.

Die Streikquoten schwanken je nach Standort zwischen 40 und 100 Prozent. Die Verbraucher sollten sich jedoch keine Sorgen machen, dass die Vorräte an den Tankstellen zur Neige gehen, zumindest im Moment nicht, so TotalEnergies.

Der Streik betrifft auch alle französischen Gaslagerstätten.

Darüber hinaus wurden drei der vier LNG-Terminals, die den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) in Frankreich ermöglichen, für „sieben Tage“ stillgelegt, wie die CGT am Montagabend mitteilte. Bei Storengy, einer Tochtergesellschaft von Engie, lag die durchschnittliche Streikrate bei 80 Prozent, so die CGT.

Die Streiks sollten vorerst keine Auswirkungen auf Kunden haben.

[Zusätzliche Berichterstattung von Paul Messad]

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]