EU-Kommission hebt Wachstumsprognose trotz „widriger“ Wirtschaftslage an

In ihrem Bericht betont die Kommission außerdem, die Prognose sei „mit hoher Unsicherheit behaftet“, wobei die „Risikobalance“ weiterhin „klar nach unten“ zeige.

EURACTIV.com
[Photo by Unkel/ullstein bild via Getty Images]

Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für den Euroraum angehoben. Zugleich warnt sie vor neuen Handelskonflikten, möglichen Einbrüchen an den US-Börsen und anhaltenden geopolitischen Risiken für die Wirtschaft der Währungsunion.

Die EU-Exekutive erwartet nun, dass die Gemeinschaftswährung 2025 um 1,3 Prozent wächst; im Mai war sie noch von 0,9 Prozent ausgegangen.

Höhere als erwartete Investitionen in Ausrüstungsgüter und immaterielle Vermögenswerte trieben die Aufwärtskorrektur, ebenso ein deutlicher Anstieg der Exporte im ersten Halbjahr, da Unternehmen in der EU versuchten, den umfassenden Strafzöllen von US-Präsident Donald Trump zuvorzukommen.

Auch die Aufnahme Bulgariens in den Datensatz des Euroraums hob den durchschnittlichen Wachstumswert. Für Sofia wird in diesem Jahr ein Plus von 3 Prozent erwartet; das Land soll im Januar das 21. Mitglied der Eurozone werden.

Der prognostizierte Wachstumsschub war jedoch relativ breit abgestützt: Für große Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich und Spanien wurden die Erwartungen ebenfalls nach oben gesetzt. Zudem hob die Kommission ihre Prognose für das Wachstum der gesamten EU-27 für 2025 von 1,1 auf 1,4 Prozent an.

„Selbst in einem widrigen Umfeld ist die EU-Wirtschaft weiter gewachsen“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis.

Die neue Vorhersage erfolgt vor dem Hintergrund, dass Deutschlands fiskalische Impulse und die verzögerten Effekte der Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank auf Investitionen und Konsum im Euroraum die größten Belastungsfaktoren des vergangenen Jahres weitgehend ausgeglichen haben. Dazu zählen hohe Energiepreise, eine nachlassende Nachfrage aus China und US-Zölle.

Dennoch warnte Dombrovskis, die EU müsse „entschlossen handeln“, um seine Wirtschaft zu stärken – die weiterhin deutlich hinter der US-Prognose von 1,8 Prozent Wachstum in diesem Jahr zurückbleibt –, indem sie die Integration des Binnenmarkts beschleunige und Bürokratie abbaut.

In ihrem Bericht betont die Kommission außerdem, die Prognose sei „mit hoher Unsicherheit behaftet“, wobei die „Risikobalance“ weiterhin „klar nach unten“ zeige.

Zur Untermauerung dieser Einschätzung senkte die Behörde ihre Wachstumsprognose für den Euroraum 2026 von 1,4 auf 1,2 Prozent und für die EU insgesamt von 1,5 auf 1,4 Prozent.

Trumps Angriffe auf die US-Notenbank, eine neue Zuspitzung der Handelsstreitigkeiten, eine Eskalation von Russlands Krieg gegen die Ukraine sowie klimabedingte Naturkatastrophen seien allesamt erhebliche Risiken für das EU-Wachstum und die Weltwirtschaft, erklärte die Kommission.

Ein plötzlicher Einbruch der US-Börsen stelle ein weiteres beträchtliches Risiko dar – zumal die Kurse zuletzt unter dem Eindruck von Investoren­sorgen über das Produktivitäts- und Umsatzpotenzial künstlicher Intelligenz ins Schwanken geraten seien.

„Da die derzeit hohen Vermögensbewertungen den privaten Konsum über Vermögenseffekte stützen, könnte eine Neubewertung an den Finanzmärkten erhebliche Auswirkungen auf das Wachstum haben“, so die Kommission.

(jl)