Europas Schuldenkrise: China hilft

China will EU und IWF helfen, die Finanzmärkte in der europäischen Schuldenkrise zu beruhigen. Peking hat handfeste Interessen an der Stabilität der Eurozone.

Chinesen und Europäer beim Dialog zu Wirtschafts- und Handelsfragen in Peking. Ein stabiler Euro ist für beide Seiten von Interesse. Foto: EC.
Chinesen und Europäer beim Dialog zu Wirtschafts- und Handelsfragen in Peking. Ein stabiler Euro ist für beide Seiten von Interesse. Foto: EC.

China will EU und IWF helfen, die Finanzmärkte in der europäischen Schuldenkrise zu beruhigen. Peking hat handfeste Interessen an der Stabilität der Eurozone.

China unterstützt nach eigenen Angaben die Bemühungen von EU und Internationalem Währungsfonds in der Euro-Schuldenkrise zur Beruhigung der Finanzmärkte.

China selbst habe konkrete Schritte unternommen, um einigen Ländern der EU beim Umgang mit der Krise zu helfen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Wang Qishan am Dienstag bei einem Besuch von EU-Handels- und Wirtschaftsvertretern in Peking. Details nannte er nicht. Nun sei es wichtig, dass angesichts der eingeleiteten Schritte auch bald Ergebnisse sichtbar würden. China hatte in der Vergangenheit bereits wiederholt erklärt, es unterstütze den Euro.

Jüngst hatte Ministerpräsident Wen Jiabao Chinas Engagement für Griechenland bekräftigt. Man wolle griechische Anleihen halten und weitere kaufen. Auch Portugal und Spanien können anscheinend mit der Unterstützung Pekings rechnen. China investiert zudem in griechische Häfen. Sie sollen Drehscheibe für chinesische Ausfuhren nach Südosteuropa werden.

China hält Währungsreserven im Wert von rund 2,5 Billionen Dollar – mehr als Japan, Russland und die gesamte Eurozone zusammen. Der Großteil der Devisen sind US-Dollar. Diese Reserven sind langfristig von einer Abwertung bedroht, weil die USA eine sehr expansive Geldpolitik verfolgen. Peking bemüht sich daher, in andere Währungen wie den Euro umzuschichten.

De Gucht: Europäer haben viel investiert

 
EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte zum Treffen: "Die EU und China müssen beide eine aktive Rolle bei der Lösung globaler Herausforderungen spielen." Er denke dabei zum Beispiel an makroökonomische Ungleichgewichte, an die Entwicklung der Handelsströme, den Zugang zu Rohstoffen und die Notwendigkeit eines effizienteren Umgangs mit Energie auf der ganzen Welt.

EU-Handelskommissar Karel De Gucht eklärte: "Die europäischen Unternehmen haben im letzten Jahrzehnt erheblich in die chinesische Wirtschaft investiert." Mann wolle am Ball bleiben und bei der künftigen Wirtschaftsentwicklung in China eine tragende Rolle spielen.

Peking fürchtet Spekulationsgeld

China wird der Regierung zufolge in diesem Jahr erstmals mehr als 100 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen anlocken. "Die Dienstleister sind einer der Haupttreiber dieses Wachstums geworden", so Ministeriumssprecher Yao Jian. Trotz steigender Arbeitskosten rechnet Peking aber auch damit, dass die Investitionen in die Industrie hoch bleiben werden.

Die Volksrepublik befürchtet wegen der Politik des billigen Geldes in vielen Industriestaaten, dass Spekulationsgeld nach China fließt und die Immobilien- und Vermögenspreise weiter in die Höhe treibt. Allein die US-Notenbank will bis zu 600 Milliarden Dollar frisches Geld drucken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Regierung werde deshalb darauf achten, dass keine ausländischen Direktinvestitionen illegal in Vermögensanlagen umgeleitet werden, so Yao.

Hintergrund

2010 ist China die größte Exportnation und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Auf das Land entfallen derzeit etwa 11 Prozent des Weltwarenhandels. Der bilaterale Handel mit der EU stieg von 4 Milliarden Euro im Jahr 1978 auf 296 Milliarden Euro im Jahr 2009. Die EU bildet nach wie vor den Hauptausfuhrmarkt für China. 2009 führte die EU Waren im Wert von 215 Milliarden Euro aus China ein.

China ist außerdem der am schnellsten wachsende Exportmarkt Europas. Europäische Unternehmen sind stark in asiatische Produktionsketten integriert. Über die Hälfte der chinesischen Ausfuhren stammt derzeit von Unternehmen mit ausländischer Beteiligung. Aus diesem Grund weist die EU ein Defizit im Warenhandel mit China aus; 2009 belief sich dieses Defizit auf 133 Milliarden Euro.

EURACTIV/rtr/awr

Links


Mehr zum Thema

Pressefreiheit: EU beugt sich China (11. Oktober 2010)

Wirtschaft besorgt über Chinas marktaggressive Methoden (13. Oktober 2010)

EU-China-Gipfel endet frostig (7. Oktober 2010)

EU-China-Gipfel: "Europas Ignoranz" (6. Oktober 2010)

EU drängt China zu Währungsaufwertung (5. Oktober 2010)

EU-China-Gipfel – "Es muss Tacheles geredet werden" (4. Oktober 2010)

China und die Stabilität des Euro (4. Oktober 2010)

China: "Positiver Dialog" über "blutbespritzte Waren"? (24. September 2010)

Oettinger: "Europa verkauft seine Zukunft an Dritte!" (15. September 2010)

Dokumente und Internetseiten

EU-Kommission: EU und China erörtern Wirtschafts­? und Handelsfragen auf hoher Ebene (20. Dezember 2010)

EU-Kommission: Kommission öffnet kleinen und mittleren Unternehmen das Tor nach China (8. November 2010)

EU-Kommission: KMU

EU-Ratspräsident / EU-Kommissionspräsident: Remarks following the EU-China summit (6. Oktober 2010)

EU-Kommission: EU-China-Beziehungen