Hedgefonds: Letzter Versuch von Paris, mehr Macht zu ergreifen

Gerade als die Gespräche über neue Regelungen für alternative Investitionsfonds kurz vor Abschluss zu stehen schienen, hat ein französischer Versuch, mehr Regulierungsmacht in Paris zu konzentrieren, Sand ins Getriebe gestreut.

Le quartier de la City, à Londres
Le quartier de la City, à Londres

Gerade als die Gespräche über neue Regelungen für alternative Investitionsfonds kurz vor Abschluss zu stehen schienen, hat ein französischer Versuch, mehr Regulierungsmacht in Paris zu konzentrieren, Sand ins Getriebe gestreut.

Frankreich werde vorschlagen, dass ein neues EU-Organ, das in Paris ansässig sein soll, auch für die Entscheidung verantwortlich sein sollte, ob Hedgefonds von außerhalb der EU in der Lage sein sollten, Investoren innerhalb der Union zu erreichen, hieß es aus EU-Kreisen.

Dem französischen Plan zufolge wäre die Europäische Wertpapierbehörde (ESMA), die neue Behörde, die im Januar 2011 in Betrieb gehen soll, die Hüterin gegen außereuropäische Fonds, da sie prüfen würde, ob das Land, in dem der Fonds angesiedelt ist, dieselben Regeln hat wie das Land, in das er eindringen möchte.

Die Franzosen wollten eine entscheidende Rolle bei Regeln für Drittländer spielen, erklärte eine EU-Quelle.

EU-Quellen wiesen sämtliche Andeutungen zurück, dass Frankreich größeres Mitspracherecht bei alternativen Investitionsfonds in der EU ersuche. Die ESMA sei nicht der Eckpfeiler der französischen Vorschläge.

Französische Diplomaten waren gestern bis spät in die Nacht hinein am Telefon mit Paris gewesen, um abzusehen, welche Rolle die ESMA bei dem französischen Plan spiele würde.

Patt

Es besteht nun ein Patt in der Angelegenheit zwischen dem französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy, und den britischen Entscheidungstreffern, was der Verzögerung zu Grunde liegen mag.

Die Finanzminister, die sich am Ende der Woche treffen werden, werden versuchen, ein Abkommen bezüglich der Richtlinie zu den Managern alternativer Investmentfonds (AIFM) abzuschließen.

Französische Vertreter haben einen Aufruf zur Unterstützung ihres Planes ausgestoßen und haben sich mit Gegnern der Idee getroffen, um sie auf ihre Seite zu ziehen.

Einer der Gegner ist der Londoner Europaabgeordnete Syed Kamall (Europäische Konservative und Reformisten), der sich von einem vorhergehenden Kompromiss der belgischen Ratspräsidentschaft überzeugen ließ, der eine Übergangsphase vorschlug, damit sich die Fonds an EU-Regeln gewöhnen könnten.

Wenn man zu diesem Zeitpunkt ein Enddatum für die Privatplatzierung setze, meint Kamall, bevor man wisse, ob und wie gut der EU-Pass funktioniere, könne dies eine Menge Unsicherheit und Aufruhr auf den Märkten verursachen.

Der EU-Pass für Gelder ist Teil eines ursprünglichen Vorschlags der Europäischen Kommission, der außereuropäischen Fonds Zugang zu EU-Investoren verschaffen würde, sobald sie Anforderungen erfüllten, die in der neuen EU-Regulierung dargelegt sind.

Am anderen Ende des Spektrums würden britische Abgeordnete lieber den Status Quo bewahren: Dieser ist ein Privatplatzierungsregime, demnach jeder Regulierer seiner eigenen Einschätzung nach Zugang gewähren würde.

Die belgische Ratspräsidentschaft schlug vor, dass der Pass und die Privatplatzierung nebeneinander existieren könnten und dass durch eine drei- bis fünfjährige Folgeneinschätzung das eine oder das andere gestrichen werden könnte.

Großbritannien war mit diesem Vorschlag einverstanden gewesen, doch es sieht sich nun einem französischen Vorschlag gegenüber, der von der Industrie als Machtergriff verstanden wird, um sich Teil von Londons finanzieller Stärke anzueignen.

Kamall gab an, er werde dauernd von britischen Fondsmanagern befragt, ob dies ein Versuch von Paris sei, den direkten Wettbewerb mit London zu vermeiden.

Aus britischen Diplomatenkreisen gab es keinen Kommentar zur Frage, ob London mit einer in Paris ansässigen Behörde leben könnte, die als Torwächterin für außereuropäische Fonds fungieren würde.