Pharmaindustrie: Vorschlag für gerechteren Zugang zu Medikamenten

Um das Problem des ungleichen Zugangs zu Arzneimitteln in Europa anzugehen, verpflichtet sich die Pharmaindustrie der EU, Anträge auf Preisfestsetzung und Kostenerstattung spätestens zwei Jahre nach der EU-Marktzulassung einzureichen.

EURACTIV.com
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Bei der Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel gibt es deutliche Unterschiede. In kleineren und osteuropäischen Mitgliedstaaten sind weniger als 30 Prozent der zentral zugelassenen Produkte verfügbar, während es in Deutschland 92 Prozent sind. Der EU-Durchschnitt liegt bei 46 Prozent. [<a href="https://www.flickr.com/photos/draconianrain/1427632177/in/photolist-3b9ZiT-TVEmCM-4wv3L-81Ghf1-SSga1N-dfh6af-mRif4-dfgYNC-9nBQvG-9nBQzJ-9vwiLz-SSgaPw-6Y8XS9-aEupdX-91uSk-dfh1QJ-h5pt-dfgZRC-dfh13B-dfh5BS-TkHj27-dfh2SS-aEyeXL-n1r8eW-SSgadG-4m7Z9d-eaCYzD-9nyNEt-dfgZaZ-9YnwW1-mRig5-bcBUSV-5FmBVS-cQC6Xh-aEyhd1-SSga8S-91uSm-7z6YSg-v2Kgd-9nmm97-bV7KzN-aEygZG-9nyNH8-e6gBdm-ck6Pqf-4m7ZyL-SSgabY-9nyNFR-didX8F-9nyNDi" target="_blank" rel="noopener">[Meghana Kulkarni/Flickr]</a>]

Um das Problem des ungleichen Zugangs zu Arzneimitteln in Europa anzugehen, verpflichtet sich die Pharmaindustrie der EU, Anträge auf Preisfestsetzung und Kostenerstattung spätestens zwei Jahre nach der EU-Marktzulassung einzureichen.

Der Europäische Verband der Pharmazeutischen Industrien und Verbände (EFPIA) kündigte am Montag (11. April) eine Reihe von Vorschlägen an, um die anhaltenden Ungleichheiten beim Zugang zu Arzneimitteln zu beseitigen.

„Es ist wichtige, jetzt Fortschritte zu machen und nicht auf alle anderen zu warten, denn offensichtlich hat niemand das Patentrezept gefunden“, sagte Nathalie Moll, Generaldirektorin des EFPIA, gegenüber EURACTIV.

Zu der Verpflichtung gehört auch ein europäisches Zugangsportal, in dem die Inhaber von Zulassungen Informationen über den Zeitplan und die Bearbeitung dieser Anträge in allen EU-Ländern zur Verfügung stellen können. Dadurch können die Gründe für Verzögerungen auf bestimmten Märkten nachvollzogen werden. Außerdem wird transparent, wenn Zulassungsinhaber auf einem bestimmten Markt keinen Antrag gestellt haben.

Das Portal wird die Schritte der Zertifizierung offenlegen, auch wenn es für die Industrie freiwillig ist, die Informationen einzutragen.

„Es ist sehr wichtig, dass wir die Fortschritte verfolgen können, denn das Portal zeigt nicht nur, dass Sie einen Antrag auf Preiserstattung gestellt haben, sondern es wird Ihnen auch sagen, ob es ein Hindernis gibt, was das Problem ist und wer sich darum kümmern muss“, sagte Moll.

In einem Jahr, im April 2023, soll der erste Ergebnisbericht veröffentlicht werden. Doch allein die Sensibilisierung für das Problem wird nicht unbedingt etwas ändern. Deshalb muss es einen Diskussionsrahmen mit allen EU-Mitgliedstaaten geben, erklärt Moll.

Laut EFPIA könnten die Informationen genutzt werden können, um ein einheitlicheres Zertifizierungssystem in der EU zu schaffen.

„Ich denke, dass es durch das Sichtbarmachen der Hindernisse möglich sein sollte, ein Gespräch darüber zu führen, wie die Dinge verbessert werden können“, fügte Moll hinzu.

Ein zentrales Ziel der Gesundheitsunion

Ungleichheiten im Gesundheitswesen umfassen ein breites Spektrum von Problemen, zu denen auch der ungleiche Zugang zu Arzneimitteln gehört.

Einem Bericht der London School of Economics and Political Science (LSE) zufolge kann der ungleiche Zugang zu Behandlungen verschiedene Ursachen haben – etwa unterschiedliche Richtlinien, die Ausgestaltung und Funktionsweise eines bestimmten Gesundheitssystems und kulturelle Faktoren.

Eine aktuelle EFPIA-Analyse führt Verzögerungen und Nichtverfügbarkeit auf Faktoren wie die Geschwindigkeit des Regulierungsprozesses, die Zugänglichkeit von Arzneimitteln vor der Marktzulassung, die Einleitung des Preis- und Erstattungsprozesses sowie die Geschwindigkeit der nationalen Zeitpläne und die Einhaltung der Vorschriften zurück.

Im Jahr 2020 wurde die EU-Arzneimittelstrategie von der Europäischen Kommission angenommen, um den Zugang zu erschwinglichen Arzneimitteln zu gewährleisten. Im Rahmen dieser Strategie wird die EU-Exekutive eine Überarbeitung der EU-Arzneimittelgesetzgebung vorlegen, die noch vor Ende dieses Jahres erwartet wird.

Angesichts der Tatsache, dass der Zugang zu Arzneimitteln in den verschiedenen EU-Ländern immer länger dauert, scheint dies dringend notwendig zu sein. Eigene Daten des EFPIA zeigen, dass deutsche Patient:innen etwa 133 Tage warten müssen, während Patient:innen in Rumänien 899 Tage warten müssen.

Auch bei der Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel gibt es deutliche Unterschiede. In kleineren und osteuropäischen Mitgliedstaaten sind weniger als 30 Prozent der zentral zugelassenen Produkte verfügbar, während es in Deutschland 92 Prozent sind. Der EU-Durchschnitt liegt bei 46 Prozent.

Es wird sich zeigen, ob die neue Verpflichtung der erste Schritt zur Lösung dieser Probleme sein wird. Moll räumte ein, dass die EFPIA nicht alle Arzneimittelhersteller vertrete und sagte, sie lade „auch andere Handelsverbände ein, sich der Selbstverpflichtung auf dem Portal anzuschließen.“

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]