Spanien: Finanzielle Unabhängigkeit für junge Menschen kaum erreichbar

Junge Menschen in Spanien stehen laut einer neuen Studie vor großen Schwierigkeiten dabei, finanziell unabhängig zu werden, viele müssen bis zum 30. Lebensjahr bei den Eltern bleiben. Grund sind demnach prekäre Arbeitsverhältnisse und hohe Mietpreise.

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Das derzeitige Emanzipationsalter in Spanien liegt mit 29,9 Jahren drei Jahre über dem EU-Durchschnitt, und die Aussichten sind düster, da der Prozentsatz der unter 30-Jährigen, die noch bei ihren Eltern leben, bis 2030 47,5 Prozent erreichen wird, so der Bericht der NRO. [Shutterstock/fizkes]

Junge Menschen in Spanien stehen laut einer neuen Studie vor großen Schwierigkeiten dabei, finanziell unabhängig zu werden, viele müssen bis zum 30. Lebensjahr bei den Eltern bleiben. Grund sind demnach prekäre Arbeitsverhältnisse und hohe Mietpreise.

Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Organisation Ayuda en Acción hervor.

Junge Menschen in Spanien ziehen derzeit erst mit durchschnittlich 29,9 Jahren aus der Wohnung der Eltern aus – drei Jahre später als der EU-Durchschnitt. Bis 2030 wird der Anteil der Dreißigjährigen, die noch bei ihren Eltern leben, Prognosen der Organisation zufolge 47,5 Prozent erreichen.

Obwohl die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Jahre weniger düster sind und die Jugendarbeitslosigkeit von derzeit 30 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2030 sinken dürfte, ist die spanische Jugend mit prekären Arbeitsverhältnissen konfrontiert, darunter niedrige Löhne und befristete Verträge, was ihre Fähigkeit, sich selbst zu finanzieren, beeinträchtigt.

„Wir sehen, dass die Verbesserung der Beschäftigungslage keine Garantie für die Möglichkeit der [finanziellen] Unabhängigkeit ist“, sagte Matías Figueroa, Leiter der europäischen Programme von Ayuda en Acción, gegenüber dem Radiosender Cadena SER.

„Im Jahr 2021 werden 46 Prozent der 25- bis 34-Jährigen noch bei ihren Eltern leben, 10,6 Prozentpunkte mehr als 2008. Der Prozentsatz der 20- bis 24-Jährigen, die in Spanien bei ihren Eltern leben, liegt 14,4 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt, und in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen wächst der Unterschied auf 21,4 Prozentpunkte“, so der Experte weiter.

Sinkende Geburtenraten

Neben der prekären Beschäftigungssituation ist dem Bericht zufolge das zweite große Problem der Emanzipation die Wohnsituation. Der Prozentsatz der jungen Hausbesitzer ist in den letzten zehn Jahren von 60 Prozent auf 30 Prozent gesunken, und junge Menschen müssen im Durchschnitt zwischen 35 Prozent und mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für ihre Wohnung aufwenden.

Die spanische Jugend sieht sich mit niedrigen Gehältern, Instabilität und einem Mangel an tragfähigem Wohnraum konfrontiert – eine Situation es ihnen besonders schwer macht, ein unabhängiges Leben allein zu beginnen oder Kinder zu bekommen. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass Spanien die niedrigste Geburtenrate in der EU aufweist.

„78 Prozent sind der Meinung, dass es sehr wichtig ist, einen stabilen Arbeitsplatz zu haben, bevor man Kinder bekommt, was mit der Tatsache kollidiert, dass ein Drittel der erwerbstätigen jungen Menschen zwischen 25 und 34 Jahren einen befristeten Vertrag hat“, heißt es in dem Bericht.

Im Dezember stehen in Spanien Parlamentswahlen an. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit dürfte neben anderen wichtigen Themen im Mittelpunkt der Debatten stehen.