Start der Weinernte in Europa durchwachsen
Nach einem von anhaltenden Hitzewellen und Dürreperioden geprägten Sommer hat die Erntezeit in den meisten europäischen Weinbergen früh begonnen.
Nach einem von anhaltenden Hitzewellen und Dürreperioden geprägten Sommer hat die Erntezeit in den meisten europäischen Weinbergen früh begonnen.
Die Wetterbedingungen haben den Produzent:innen unterschiedliche Ergebnisse beschert: Einige Rebstöcke litten unter Hitzestress, andere gediehen wegen des geringen Krankheitsbefalls gut.
Der Artikel wurde ursprünglich auf Französisch verfasst: Lesen Sie den Artikel hier im Original.
„In den meisten Weinbauregionen beginnt die Weinlese drei Wochen früher als in einem normalen Jahr“, erklärte Jérôme Despey, Präsident der Landwirtschaftskammer des Departements Hérault in Südfrankreich, gegenüber EURACTIV.
„Was mich betrifft, habe ich noch nie so früh angefangen, und ich mache das seit über 30 Jahren. Beim Chardonnay habe ich sogar schon am 9. August mit der Ernte begonnen“, so der Winzer, der nur wenige Kilometer von Montpellier entfernt wohnt.
In Andalusien, im Süden Spaniens, erreichten die weißen Rebsorten von Jerez ihre Reife bereits Ende Juli. Ähnliches ist in Portugal und Sizilien zu beobachten.
Weiter nördlich, im belgischen Charleroi, bereitet sich der Winzer Henri Larsille mit Spannung auf die in zwei bis drei Wochen anstehende Ernte seiner Muscaris, einer weißen Rebsorte, vor.
„Wir werden dem Zeitplan 15 Tage voraus sein. Und dieses Jahr kommen mit dem guten Wetter und der perfekten Gesundheit der Reben alle Elemente zusammen“, freute sich der Sekretär des wallonischen Winzerverbandes. Dieses Jahr rechnet er mit einer Verdreifachung seiner Produktion.
Auch Despey aus dem Hérault bezeichnete die Situation in Bezug auf die Gesundheit der Pflanzen als „außergewöhnlich.“
So verhinderten die anhaltende Hitze und Trockenheit, dass sich feuchtigkeitsliebende Pilze und Schimmelpilze entwickeln konnten – eine willkommene Abwechslung nach dem katastrophalen Jahr 2021, in dem Frost und Krankheiten wie Mehltau einen großen Teil der europäischen Weinberge heimsuchten.
Auch in Sachen Qualität ist das Ausbleiben von Krankheiten, die den Geschmack der Weine stark beeinträchtigen können, eine gute Nachricht für Winzer:innen und Weinliebhaber:innen. Eine gesunde Ernte ermöglicht es den Aromen, sich besser zu entfalten und die Trauben zu ihrer geschmacklichen Reife zu führen.
Doch während die belgischen und nordfranzösischen Winzer:innen zufrieden sind, vor allem in der Champagne, ist die Stimmung weiter im Süden weniger fröhlich.
Produktionsrückgang
Obwohl Weinreben in der Regel recht hitzebeständig sind, können extreme Wetterereignisse, die mit hoher Frequenz und Intensität auftreten, die Pflanze strapazieren.
Der diesjährige trockene Frühling und die frühen Hitzewellen – in Europa bereits im Juni und dann erneut im Juli und August – haben zu einer Störung des biologischen Zyklus geführt: Die Blätter werden gelb und fallen früh ab, das Gewicht der Trauben nimmt ab.
In der Toskana, Italiens berühmter Weinregion, erklärte der Vizepräsident des Chianti Classico Konsortiums, Sergio Zingarelli, gegenüber Reuters: „Wir haben kleinere Trauben und erwarten, dass die Anzahl der Reben unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegen wird.“
Der Winzer Paul Symington erklärte gegenüber der Zeitschrift The Drinks Business, er gehe davon aus, dass die Ernte eine der niedrigsten werden dürfte, die jemals im Douro verzeichnet wurden. Das Douro-Gebiet trägt eine geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), aus der in Nordportugal unter anderem Portwein hergestellt wird.
Gleichzeitig sehen sich viele Winzer:innen mit der Herausforderung konfrontiert, dass sie immer mehr Trauben brauchen, um die gleiche Menge an Wein zu produzieren. Despey stellte fest, dass „sich der Klimawandel in den letzten Jahren in allen Weinbauländern der Europäischen Union deutlich auf das Produktionspotenzial ausgewirkt hat“ und fügte hinzu, dass die Ernten immer kleiner ausfielen.
In Frankreich wird nach einer historisch schlechten Ernte im Jahr 2021 eine Produktion von 44 Millionen Hektolitern erwartet, was allerdings von den Wetterbedingungen in den kommenden Wochen abhängt.
„Im Moment liegen wir im unteren Durchschnitt der letzten Jahre“, sagte Despey.
Schadensbegrenzung und Anpassung
Während die Stürme von Mitte August und die bevorstehenden Regenfälle einigen späten Rebsorten zugutekommen könnten, wird die außergewöhnliche Trockenheit der letzten Monate Auswirkungen auf die europäische Produktion haben.
„Das Problem ist, dass diese Stürme oft sehr lokal begrenzt sind und es zu einem großen Verlust kommen kann: In wenigen Stunden fließt eine Menge Wasser ab. Der Boden hat keine Zeit, das Wasser aufzunehmen“, sagte Despey und fügte hinzu, dass die Winzer:innen unbedingt lernen müssen, sich an den Klimawandel anzupassen und die Folgen abzumildern.
Am Ende des Sommers blicken die Winzer:innen in den Himmel und denken bereits an das nächste Jahr. Wenn der Regenmangel anhält, werden die Reben im Frühjahr trocken sein und keine Wasserreserven für den nächsten Wachstumszyklus haben.
Aus Sicht Despeys muss sich die Forschung auf neue, widerstandsfähigere Rebsorten konzentrieren, aber auch auf Möglichkeiten, die Bewässerung zu verbessern. In Frankreich werden nur 10 Prozent der Fläche bewässert, während es in Spanien 50 Prozent und in Italien 26 Prozent sind. Außerhalb Europas, in Südafrika, Australien und Neuseeland, liegt der Anteil sogar bei 90 Prozent.
„Dies ermöglicht eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürreperioden und die Aufrechterhaltung der Produktionskapazitäten“, betonte Despey.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald/Zoran Radosavljevic]