Wie Europas Wärmepumpenversorgung unter dem anhaltenden Chipmangel leidet

Europas Umstellung von Gas auf Wärmepumpen, die unter diversen Engpässen leidet, ist mit weiteren Herausforderungen konfrontiert, die sich auf die Produktionsmengen auswirken könnten: der weltweite Mangel an Chips.

Euractiv.com
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Die Hersteller von Wärmepumpen und Klimaanlagen leiden genauso unter der Chip-Knappheit wie die Autohersteller. [Shutterstock/AliaksaB]

Europas Umstellung von Gas auf Wärmepumpen, die unter diversen Engpässen leidet, ist mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert, die sich auf die Produktionsmengen auswirken könnten: der weltweite Mangel an Chips.

Gebäude sind für etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Wärmepumpen, die in vielen Formen und Größen erhältlich sind, werden eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung spielen und gleichzeitig ihre Effizienz steigern. Einige arbeiten mit der Restwärme aus dem Untergrund, andere mit Luft oder Wasser, aber eines haben sie alle gemeinsam: Für ihre Produktion werden Computerchips benötigt.

Chips, oder Halbleiter, sind seit Ende 2020 stark nachgefragt, während das Angebot begrenzt ist. Als die Autohersteller die Produktion wieder aufnahmen, führte ein erneuter Corona-Ausbruch in den wichtigsten Chip-Produktionsregionen Asiens dazu, dass Fabriken wieder geschlossen werden mussten.

Dies führte zu einer weltweiten Chip-Knappheit. Und während sich die Reporter:innen auf die Auswirkungen auf die Automobilindustrie konzentrierten, die Hunderte von Chips pro Auto benötigt, bekamen auch andere Branchen den Druck zu spüren.

„Neben der hohen Nachfrage führen weitere Einflüsse auf dem weltweiten Beschaffungsmarkt zu einer Verknappung bei bestimmten Bauteilen (Halbleiter, Pumpen, etc.)“, erklärte ein Sprecher von Bosch Thermotechnik, einem der deutschen Wärmepumpenhersteller.

„Dieser Marktentwicklung kann sich auch Bosch Thermotechnik nicht vollständig entziehen.“, fügte er hinzu.

Russlands Krieg gegen die Ukraine könnte diese Probleme, die ursprünglich auf Coronabedingte Lieferengpässe zurückzuführen waren, noch verschärft haben.

„Es kommt zu zusätzlichen Engpässen aufgrund von Produktionsausfällen bei anderen Herstellern und Unterbrechungen in der Lieferkette, die durch Corona und den Krieg in der Ukraine verursacht wurden“, fügte der Sprecher hinzu.

Die meisten großen Wärmepumpenhersteller wollten mit EURACTIV nicht über die Lage sprechen. Andere räumten ein, dass es in ihrem Geschäft zu „Komponentenknappheit“ komme, ohne näher darauf einzugehen.

Eine Geschichte, die in der Branche die Runde macht, handelt von einem Tauschgeschäft mit Intel, dem Chiphersteller. Um Chips zu bekommen, musste ein Wärmepumpenhersteller Lüfter gegen Chips tauschen.

Besorgnis auf höchster Ebene

Kai Schiefelbein, der Vorstandsvorsitzende von Stiebel-Eltron, gehört zu den wenigen Firmenchefs, die sich öffentlich zu diesem Thema geäußert haben.

„Die Knappheit bei Mikrochips trifft uns doppelt“, sagte Schiefelbein gegenüber Capital. „Da, wo wir sie selbst in unseren Reglern einsetzen – und bei unseren Lieferanten“, fügte er hinzu.

Stiebel-Eltron war zeitweise gezwungen, die Produktion aufgrund mangelnder Chips einzustellen.

Vor allem in Deutschland, wo die Autoindustrie einen enormen Bedarf an Chips hat und die Wirtschaft stark belastet, beklagen sich die Wärmepumpenhersteller darüber, dass sie abgehängt werden.

„Chips werden in erster Linie an die Automobilindustrie vergeben“, sagte Max Viessmann, CEO des Wärmepumpenherstellers Viessmann, gegenüber Fortune.

„Brauchen wir mehr Autos oder brauchen wir mehr Wärmepumpen, um unsere Haushalte und Industrieprozesse unabhängig [von fossilen Brennstoffen] zu machen“, beklagte er.

Ein massiver Anstieg der Inlandsnachfrage könnte diese Sorgen noch verstärken. Ab 2024 will die deutsche Regierung jährlich 500.000 Wärmepumpen installieren lassen, gegenüber etwa 150.000 im Jahr 2021.

Zukünftige Entwicklung

Während Analyst:innen davon ausgehen, dass die Chip-Knappheit im Jahr 2022 ein Ende finden dürfte, hat die EU bereits begonnen, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen.

Im Februar unterbreitete die EU-Kommission ihr europäisches Chip-Gesetz mit dem Ziel, die Produktion von Halbleitern in Europa anzukurbeln.

Die Engpässe „haben die extreme globale Abhängigkeit der Halbleiter-Wertschöpfungskette von einer sehr begrenzten Anzahl von Akteuren in einem komplexen geopolitischen Kontext noch deutlicher gemacht“, sagte die Kommission, anlässlich der Vorstellung des Vorschlags.

Um der Abhängigkeit der EU von ausländischen Chipherstellern entgegenzuwirken, will das Gesetz die Errichtung von einzigartigen, hochmodernen Produktionsanlagen – sogenannten Mega-Fabs – erleichtern, indem es deren Bau kofinanziert.

Die Tschechische Republik, die derzeit die sechsmonatige rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, strebt eine Einigung über den Vorschlag bis zum 1. Dezember an.

[Bearbeitet von Alice Taylor und Frédéric Simon]