Bulgarien: Massenproteste nach Angriff auf Teenagerin
Tausende Menschen gingen am Montag in Bulgarien auf die Straße, um gegen Gewalt gegen Frauen zu protestieren, nachdem der Fall einer Teenagerin, der hunderte Schnittwunden zugefügt wurden, für Schlagzeilen gesorgt hatte.
Tausende Menschen gingen am Montag in Bulgarien auf die Straße, um gegen Gewalt gegen Frauen zu protestieren, nachdem der Fall einer Teenagerin, der hunderte Schnittwunden zugefügt wurden, für Schlagzeilen gesorgt hatte.
Rund 5.000 Menschen demonstrierten in Sofia, während zudem Proteste in kleineren Städten des Landes stattfanden, wo Demonstrationen gegen Gewalt gegen Frauen seltener sind.
Auslöser war der Fall einer 18-Jährigen, die vor einem Monat angegriffen worden war. Ihren Angaben zufolge hatte ihr Ex-Freund ihr Hunderte von Schnitten zugefügt, ihr die Nase gebrochen und die Haare abrasiert.
Das zuständige Gericht in der Stadt Stara Zagora stufte die Verletzungen als „leicht“ ein und ordnete keine Inhaftierung des 26-Jährigen mutmaßlichen Täters an.
Auf öffentlichen Druck hin haben die Behörden den Mann, der bestreitet, die Frau angegriffen zu haben, jedoch inzwischen festgenommen, nachdem er ihr Textnachrichten mit Drohungen geschickt hatte.
Die Demonstrierenden forderten am Montag eine Reform der Justiz sowie einen besseren Schutz für Frauen und trugen Plakate mit der Aufschrift „Keine einzige Frau mehr.“
„Wie ist es möglich, dass ein solcher Sadismus als ‚leichte Körperverletzung‘ bezeichnet wird? Die Reaktion des Gerichts ist schockierend“, sagte die 39-jährige Emilia Stoyanova, eine der Protestierenden, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
„Die traditionelle Toleranz gegenüber häuslicher Gewalt und die Dysfunktion der Institutionen müssen sich ändern. Der Wandel hat begonnen, aber die Gesellschaft muss sich einmischen“, sagte ein anderer Demonstrant, ein 33-jähriger Maler, der seinen vollen Namen nicht nennen wollte.
Laut Polizeistatistiken wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres achtzehn Frauen getötet, mutmaßlich von Männern, die sie kannten. Aktivisten gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.
Sie setzen sich für Gesetzesänderungen ein, um Frauen besser vor missbräuchlichen Partnern oder Ex-Partnern zu schützen.
Bulgarien hat sich bisher geweigert, die Istanbul-Konvention zu ratifizieren, einen wichtigen internationalen Text zum Schutz von Frauen vor Gewalt. Im Jahr 2018 erklärte das bulgarische Verfassungsgericht die Istanbul-Konvention für „verfassungswidrig.“
Im Juni trat die Europäische Union der Konvention bei, wodurch einige Verpflichtungen auch auf EU-Mitgliedstaaten ausgedehnt werden, die sich weigern, sie zu ratifizieren.
Bulgarien, das seit 2007 EU-Mitglied ist, sowie andere Länder, die die Konvention nicht ratifiziert haben, lehnen die Verwendung des Wortes „Gender“ in der Istanbul-Konvention ab.