Deutschland soll Atomausstieg neu überdenken [DE]

Pläne, sämtliche Atomwerke innerhalb der nächsten 15 Jahre zu schließen, werden gegenläufige Auswirkungen auf die Energiesicherheit des Landes sowie die Wirtschaftskraft und die Bemühungen zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen haben, warnt die IEA in einem Länderbericht, der am 4. Juni 2007 veröffentlicht wurde.

Pläne, sämtliche Atomwerke innerhalb der nächsten 15 Jahre zu schließen, werden gegenläufige Auswirkungen auf die Energiesicherheit des Landes sowie die Wirtschaftskraft und die Bemühungen zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen haben, warnt die IEA in einem Länderbericht, der am 4. Juni 2007 veröffentlicht wurde.

Während die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Länderbericht 2007 Deutschland für seine Verpflichtungen zu soliden Energiepolitiken lobt, betont sie gleichzeitig, dass wichtige Herausforderungen bestehen blieben, wie zum Beispiel der geplante Ausstieg aus der Atomenergie.

Laut der IEA wird die Ausklammerung der Atomkraft aus Deutschlands Versorgungsbestand folgende Konsequenzen haben:

  • Eine Reduzierung der Versorgungsvielfalt und eine zunehmende Abhängigkeit von Energieimporten, besonders bei Erdgas, das nicht verteilt diversifiziert sei;
  • Ein Rückschlag für die Wirtschaft, da der Ausstieg zusätzliche kurzfristige Investitionen in neue Kapazitäten erfordern werde, die ansonsten vermieden würden, und;
  • Zusätzlicher Druck hinsichtlich der Reduzierung von Treibhausgasemissionen, da laut der Agentur, welche in Paris ihren Sitz hat, die Stromgewinnung aus Atomkraft frei von Treibhausgasemissionen sei.

Die IEA warnte, obwohl zusätzliche Kapazitäten aus erneuerbaren Energien gemeinsam mit Gewinnen für die Energieeffizienz sicherlich die entstehende Lücke zum Teil schließen könnten, werde eine größere Abhängigkeit von kohlenstoffausstoßenden Kraftstoffen entstehen. „Dies untergräbt die Möglichkeiten Deutschlands, seine Ziele beim Abbau von Treibhausgasen zu erreichen“, so die Agentur.

Die IEA fordert die deutsche Regierung dazu auf, den Atomausstieg angesichts dieser Konsequenzen zu überdenken.

Diese Aussage dürfte grüne Aktivisten in Wut versetzen, in deren Augen das Argument, Atomkraft müsse zur Bekämpfung des Klimawandels betragen, eine ‚Finte’ sei. Sie meinen, dass Kernkraft auf einem liberalisierten Energiemarkt ohne die Unterstützung der Regierung nicht überleben könne.

Der Ausschluss von Atomkraft aus den wettbewerbsrechtlichen Vorschriften der EU sei gegenläufig zu der Entwicklung eines freien Energiebinnenmarktes, teilte die Parlamentsfraktion der Grünen mit, die den ‚überholten’ Euratom-Vertrag von 1957 für diese Entwicklung verantwortlich machen.

Der Euratom-Vertrag sei einer der Gründe, warum die Europäische Union so schwerfällig Maßnahmen durchführe, wenn ein Wechsel zu einer sicheren und nachhaltigen Energiequelle notwendig sei, sagte Renate Künast, die ehemalige deutsche Umweltministerin. Sie ist der Meinung, der Vertrag unterstütze einseitig die Atomkraft.

Sogar Mitgliedstaaten, die sich dafür entschieden hätten, auf Atomkraft zu verzichten, seien aufgrund des Vertrags gezwungen, sie zu unterstützen, betonte Künast.