EU gibt Startschuss für Impfungen gegen Affenpocken
Die ersten Lieferungen eines Impfstoffs gegen Affenpocken, den die EU-Behörde für Gesundheitsnotfälle (HERA) erworben hatte, sind nach Spanien verschifft worden.
Die ersten Lieferungen eines Impfstoffs gegen Affenpocken, den die EU-Behörde für Gesundheitsnotfälle (HERA) erworben hatte, sind nach Spanien verschifft worden. Weitere Lieferungen nach Portugal, Deutschland und Belgien sollen bald folgen.
Am Dienstag (28. Juni) gab die EU-Kommission bekannt, dass die ersten 5.300 Dosen eines Affenpocken-Impfstoffs – von den insgesamt 109.090, die die EU geordert hat – auf dem Weg nach Spanien sind.
Der von dem dänischen Hersteller Bavarian Nordic produzierte Impfstoff ist derzeit der einzige, der speziell zur Behandlung der Krankheit zugelassen ist.
Weitere Lieferungen sollen in den kommenden Wochen und Monaten folgen, wobei den Ländern mit den höchsten Fallzahlen Vorrang eingeräumt wird. Die Impfstoffdosen werden entsprechend der Bevölkerungszahl der einzelnen Länder zugeteilt, wie dies auch bei den Corona-Impfstoffen der Fall war.
Es ist das erste Mal, dass Impfstoffe über HERA gekauft und aus Mitteln des EU4Health-Programms an die Mitgliedstaaten weitergeleitet werden. Sowohl die neue Behörde als auch das Finanzierungsprogramm waren im Zuge der Corona-Pandemie ins Leben gerufen worden.
EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte dazu: „Mit der Inbetriebnahme von HERA hat die EU ihre Fähigkeit, auf neue Gesundheitsbedrohungen zu reagieren und ihnen entschlossen zu begegnen, erheblich gestärkt.“
Die Impfstoffe werden nicht für Massenimpfungen verwendet, sondern bestimmten Risikogruppen zur Verfügung gestellt. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, da sich das Virus durch engen Hautkontakt verbreite, sei „die Übertragbarkeit des Risikos durch das Virus nicht mit den Risiken vergleichbar, die wir zum Beispiel im Zusammenhang mit COVID kennen.“
Weiterer Impfstoff wird geprüft
Ebenfalls am Dienstag gab der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) bekannt, eine Datenanalyse eingeleitet zu haben.
Dabei soll geprüft werden, ob die Verwendung des Impfstoffs Imvanex, der derzeit in der EU zur Pockenprävention bei Erwachsenen zugelassen ist, auf den Schutz vor Affenpocken ausgeweitet werden kann.
Da die Vorräte an diesem Impfstoff in der EU jedoch sehr begrenzt sind, hat die Emergency Task Force (ETF) der EMA die Verwendung von Jynneos, der US-Version von Imvanex, empfohlen.
Jynneos ist in den USA sowohl für die Prävention von Affenpocken als auch von Pocken zugelassen.
Epidemiologische Lage
Während Affenpocken in einigen afrikanischen Ländern bereits seit fünf Jahrzehnten vorkommen, waren bis Mai 2022 keine Fälle der Krankheit außerhalb dieser sogenannten endemischen Gebiete festgestellt worden.
Der Grund für die plötzliche Ausbreitung ist noch unbekannt, wobei einige Wissenschaftler:innen befürchten, dass die derzeitig gemessenen Zahlen nur die Spitze des Eisbergs sind.
In der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der bestätigten Affenpockenfälle mit fast 3000 (Stand: 22. Juni) am höchsten. Außerhalb Europas wurden der WHO aus 50 Ländern und Territorien 3500 Fälle von Affenpocken und ein Todesfall in diesem Zusammenhang gemeldet.
Das Land mit der höchsten Anzahl an Fällen ist Großbritannien, wo etwa 800 Fälle registriert wurden. Die überwiegende Mehrheit davon – über 95 Prozent – trat bei Männern auf, die Sex mit Männern haben.
Innerhalb der EU sind die höchsten Zahlen in Spanien und Deutschland zu verzeichnen, die beide jeweils über 500 Fälle gemeldet haben.
Meera Chand, Direktorin für klinische und neu auftretende Infektionen bei der britischen Gesundheitsbehörde, rät denjenigen, die sich über bei sich selbst eine Infektion mit Affenpocken vermuten, zu Hause zu bleiben.
„Gehen Sie nicht zu Veranstaltungen, treffen Sie sich nicht mit Freunden und haben Sie keinen sexuellen Kontakt“, sagte Chand und fügte hinzu, dass die Menschen bei Verdacht auf die Krankheit ihren Arzt aufsuchen sollten.
In einer Erklärung vom Samstag sagte der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus: „Was den aktuellen Ausbruch besonders besorgniserregend macht, ist die rasche und anhaltende Ausbreitung in neue Länder und Regionen sowie das Risiko einer weiteren, anhaltenden Übertragung auf gefährdete Bevölkerungsgruppen, einschließlich Menschen mit geschwächtem Immunsystem, schwangere Frauen und Kinder.“
Sein Kommentar folgte auf die Empfehlung des WHO-Notfallkomitees vom 23. Juni, im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Affenpocken keine internationale gesundheitliche Notlage auszurufen.
Das Komitee räumte jedoch ein, dass es sich um einen Notfall handelt und dass „die Eindämmung einer weiteren Ausbreitung der Krankheit intensive Anstrengungen erfordert.“
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]