EU-Wahl: Linke nominiert Seenotretterin als Spitzenkandidatin
Die Aktivistin Carola Rackete, die als Kapitänin der NGO Sea Watch Bekanntheit erlangte, wurde am Montag (17. Juli) als eine der beiden Spitzenkandidaten der Die Linke für die EU-Wahl im nächsten Jahr nominiert.
Die Aktivistin Carola Rackete, die als Kapitänin der NGO Sea Watch Bekanntheit erlangte, wurde am Montag (17. Juli) als eine der beiden Spitzenkandidaten der Partei Die Linke für die EU-Wahl im nächsten Jahr nominiert.
Die 35-jährige Aktivistin erlangte 2019 als Kapitänin von Sea Watch, einer NGO, die Seenotrettungseinsätze im Mittelmeer sponsert, Berühmtheit. Sie rettete Flüchtlinge und brachte sie trotz eines Verbots der italienischen Behörden nach Lampedusa.
Dieser Vorfall endete mit ihrer Verhaftung und ihrem anschließenden Freispruch sowie einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Matteo Salvini, dem Vorsitzenden der rechtsextremen Lega-Partei und damaligen Innenminister Italiens.
„Nur wenn wir sozialgerechte Verhältnisse schaffen, können wir die ökologischen Krisen bewältigen – genau diese Analyse teile ich mit der Linkspartei“, sagte Rackete vor Journalisten in Berlin.
Immer wieder habe sie sich gefragt, wo sie mit ihrer Arbeit den größten Einfluss auf die sozial-ökologische Bewegung nehmen könne. Schließlich sei sie zu dem Schluss gekommen, dass das Europäische Parlament ein Ort sei, an dem über die Zukunft von Millionen von Menschen innerhalb und außerhalb Europas entschieden wird.
Die Nominierung von Rackete ist ein wichtiger Schritt für die schwächelnde Linke, die von internen Streitigkeiten über die zukünftige Ausrichtung der Partei geplagt ist. Bei der nächsten Bundestagswahl droht ein Ausscheiden aus dem Parlament, da die Linke derzeit unter der Wahlhürde von 5 Prozent liegt.
„Wir wollen heute deutlich machen: die Linke öffnet sich, für Engagierte, für Aktivisten aus den sozialen Bewegungen und der Zivilgesellschaft. So zeigen wir: die Linke ist Teil eines linken Pols der Hoffnung, der größer ist als sie selbst“, sagte Janine Wissler, die Co-Vorsitzende der Linken, in Berlin.
Rackete betonte jedoch, dass sie nicht formell in die Partei eintreten werde, da ihr Amt in den zivilgesellschaftlichen Bewegungen verankert sein soll, denen sie angehört. Rackete warnte auch, sie erwarte mehr von der Partei, die durch den jüngsten Richtungsstreit viel Vertrauen verspielt habe.
Die Aktivistin kandidiert auf Platz zwei der Bundesliste der Linken, zusammen mit Martin Schirdewan, ebenfalls Co-Vorsitzender der Partei und derzeitiger Abgeordneten im Europäischen Parlament.
Özlem Demirel, eine weitere Europaabgeordnete der Linken, sowie Gerhard Trabert, Arzt, Sozialaktivist und Kandidat der Linken für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 2022, haben es ebenfalls auf die vorderen Plätze geschafft. Die Liste muss noch auf einem Parteitag in diesem Jahr verabschiedet werden.
Die Linke ist derzeit mit fünf Abgeordneten im Europäischen Parlament vertreten.
[Bearbeitet von Oliver Noyan/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]