Recyclingindustrie lobt EU-Ziel für recycelte Kunststoffe in Autos
Das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Ziel, in Neuwagen mindestens 25 Prozent recycelte Kunststoffe zu verwenden, wird von der Recyclingindustrie begrüßt. Automobilhersteller und die Kunststoffindustrie stehen dem Schritt allerdings skeptisch gegenüber.
Das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Ziel, in Neuwagen mindestens 25 Prozent recycelte Kunststoffe zu verwenden, wird von der Recyclingindustrie begrüßt. Automobilhersteller und die Kunststoffindustrie stehen dem Schritt allerdings skeptisch gegenüber.
Plastik ist überall, sagt ein Sprichwort, und das gilt auch für den Automobilsektor.
Nach Angaben von EuRIC, dem europäischen Verband der Recyclingindustrie, bestehen 50 Prozent der heutigen Autos aus Kunststoff. Dazu gehören Armaturenbretter, Stoßstangen, Griffe, Knöpfe, Verkleidungen, Deckenstoffe, Sitze und Sicherheitsgurte, Airbags, Teppiche und vieles mehr.
Da Kunststoffe leicht sind und so zur Effizienz von Autos beitragen, ist die Nachfrage im Automobilsektor im Laufe der Jahre immer weiter gestiegen. Heutzutage enthält ein durchschnittliches Auto zwischen 150 und 200 Kilogramm Kunststoff, so EuRIC.
Um sicherzustellen, dass mehr davon recycelt wird, hat die Europäische Kommission im Juli neue Vorschriften für die Konstruktion von Fahrzeugen und die Behandlung am Ende ihrer Lebensdauer vorgelegt. Diese zielen auf die Verbesserung des Recyclings und der Wiederverwendung von Materialien.
Ein Kernziel des Vorschlags ist, dass 25 Prozent der in Neuwagen verwendeten Kunststoffe aus recycelten Materialien stammen sollen – ein Viertel davon wiederum aus Altfahrzeugen. Insgesamt sollen 30 Prozent der Kunststoffe aus Altautos recycelt werden, gegenüber 19 Prozent heute, so die EU-Kommission in ihrem neuen Gesetzesvorschlag.
EuRIC begrüßte den Schritt und erklärte, dass diese Ziele absolut notwendig seien, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe im Automobilsektor zu schaffen.
Autoindustrie misstrauisch
Die Automobilhersteller stehen den Vorschlägen der Kommission jedoch skeptisch gegenüber.
Einigen Kunststoffen würden Carbonfasern hinzugefügt, um ihre Robustheit zu verbessern, was „ihre Wiederverwertung erschwert“, so ACEA, der Verband der EU-Automobilhersteller. Hierfür seien „Recyclingtechnologien möglicherweise noch nicht verfügbar“, um ein Recycling in großem Maßstab zu ermöglichen, so der Verband.
„Die europäischen Automobilhersteller sind zwar nicht gegen Zielvorgaben für den recycelten Anteil von Kunststoffen, doch müssen diese realistisch und technisch machbar sein“, erklärte der ACEA gegenüber EURACTIV. Er warnte vor „möglichen Fallstricken, wenn die Zielvorgaben nicht umsetzbar sind.“
Diese Bedenken werden von Plastics Europe, einem Verband der Plastikindustrie, geteilt. Dieser sagt, dass hochwertige Polymere, die in Autos verwendet werden, „sehr schwer zu recyceln sein können.“
Nach Ansicht von Plastics Europe kann das von der Kommission vorgeschlagene Ziel von 25 Prozent recyceltem Inhalt „nur mit einer Kombination aus mechanischem Recycling und innovativen Technologien wie dem chemischen Recycling erreicht werden“, wofür hohe Investitionen erforderlich sind.
„Wir brauchen dringend einen förderlichen politischen Rahmen. Die Industrie braucht grünes Licht für Investitionen in chemisches Recycling und Massenbilanzierung“, so Plastics Europe.
Der Verband der Recyclingindustrie, EuRIC, betont allerdings, dass man bereits heute imstande wäre, Kunststoffe aus Autos zu recyceln.
„Modernste Technologien, die in industriellem Maßstab arbeiten, sind bereit, Kunststoffabfälle aus der Automobilindustrie in recycelte Kunststoffe umzuwandeln, die von der Automobilindustrie oder in anderen Anwendungen wiederverwendet werden können“, so der Verband.
„Die von der Kommission vorgeschlagenen Recyclingziele werden die Nachfrage nach recycelten Kunststoffen ankurbeln und Investitionen in grüne industrielle Wertschöpfungsketten fördern“, so Alejandro Navazas, wissenschaftlicher und politischer Berater bei EuRIC.
Auch die Europäische Kommission ist der Ansicht, dass die neuen Vorschriften der recycelten Industrie den dringend benötigten Auftrieb geben werden.
Die Zielvorgaben würden „die Wettbewerbsfähigkeit der Demontagebetriebe stärken, da sie die Hauptlieferanten dieser Teile und der für das Recycling bestimmten Kunststoffabfälle sind“, so die EU-Kommission auf ihrer Webseite.
Insgesamt würden die neuen Verpflichtungen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Automobilsektor zu einem Preisanstieg für Neuwagen von „weniger als 40 Euro“ führen, schätzt die Kommission.
[Bearbeitet von Alice Taylor]