Streikdrohung der Fluglotsen: Sommerurlaub in Gefahr?
Der Verwalter des gesamteuropäischen Flugverkehrsnetzes EUROCONTROL wurde vor möglichen Streiks der Fluglotsen innerhalb der nächsten sechs Monate gewarnt, die den dichten Sommerflugplan in ganz Europa durcheinander bringen könnten.
Der Verwalter des gesamteuropäischen Flugverkehrsnetzes EUROCONTROL wurde vor möglichen Streiks der Fluglotsen innerhalb der nächsten sechs Monate gewarnt, die den fragilen Sommerflugplan in ganz Europa durcheinander bringen könnten.
EUROCONTROL ist von der EU damit beauftragt, das Netz der Fluglotsen in der EU zu überwachen und dafür zu sorgen, dass der europäische Luftraum effizient genutzt wird und die kreuz und quer über den Kontinent verlaufenden Flüge reibungslos ablaufen. Das Betriebszentrum wickelt so mehr als 10 Millionen Flüge pro Jahr ab.
Die Union Syndicale Bruxelles (USB), eine Gewerkschaft in der EUROCONTROL-Betriebszentrale in der belgischen Hauptstadt, hat letzte Woche in einem förmlichen Schreiben an die Betriebsleitung eine „Vorwarnung“ ausgesprochen, dass es im nächsten halben Jahr zu Streiks kommen könnte. Bislang wurden allerdings noch keine konkreten Termine für Arbeitskampfmaßnahmen bekannt gegeben.
Ein Sprecher der Gewerkschaft erklärte gegenüber EURACTIV, dass die Verhandlungen mit der EUROCONTROL-Geschäftsführung noch andauerten.
„Wir verhandeln derzeit mit dem Generaldirektor und seinem Team und hoffen auf ein positives Ergebnis, aber wir haben noch keine schriftlichen Zusicherungen oder Vereinbarungen erhalten“, so der Sprecher in einer E-Mail.
EUROCONTROL teilte EURACTIV ebenfalls mit, dass man „auf ein positives Ergebnis“ hoffe.
Während berichtet wird, dass ein Drittel aller europäischen Flügen von einem solchen Streik betroffen sein könnte, lehnte EUROCONTROL es ab, Einzelheiten über das mögliche Ausmaß der Unterbrechung zu nennen.
„Da keine Ankündigung eines konkreten Arbeitskampfes eingegangen ist, ist es verfrüht, über mögliche Auswirkungen zu spekulieren“, sagte ein Sprecher.
Quellen aus der Luftfahrtindustrie, die mit EURACTIV unter der Bedingung der Anonymität sprachen, spielten den Ernst der Lage herunter und sagten, dass Streikdrohungen der Gewerkschaften in Stoßzeiten nicht ungewöhnlich seien.
Nach Einschätzung von EURACTIV sind die Fluggesellschaften noch nicht ernsthaft besorgt und die Hoffnung auf eine Einigung zur Abwendung des Streiks ist groß.
Während ein USB-Streik dem Betriebsmanagement von EUROCONTROL großes Kopfzerbrechen bereiten würde, bliebe der Luftraum offen, was bedeutet, dass flächendeckende Flugausfälle nicht zwangsläufig zu befürchten sind.
Aufschwung
Sollte es zu Streiks kommen, wäre dies ein Schlag für eine Branche, die sich noch immer von der COVID-19-Pandemie erholt, welche zu einer fast vollständigen Einstellung des Flugverkehrs führte.
Mit dem Ausbruch der Pandemie im Jahr 2020 schlossen die Länder ihre Grenzen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Folge war, dass die Zahl der Flugpassagiere auf einen Bruchteil sank, was die Kassen der Fluggesellschaften schwer belastete und Geldspritzen der Regierungen erforderte, die sich um den finanziellen Zusammenbruch der nationalen Fluggesellschaften sorgten.
Die Wiederaufnahme des internationalen Reiseverkehrs im Jahr 2022 erwies sich als turbulent, da die Fluggesellschaften und Flughäfen nicht in der Lage waren, den Personalbestand entsprechend der gestiegenen Nachfrage zu erhöhen, was vor allem auf die Entlassung zahlreicher Mitarbeiter während der Pandemie zurückzuführen war.
Der Sommer 2023 sollte die Rückkehr des Sektors zur Normalität einläuten, doch die weit verbreiteten Streiks der Flugsicherung drohen, dies zu verhindern.
Im Juni dieses Jahres war die Billigfluggesellschaft Ryanair gezwungen, aufgrund von Streiks der französischen Flugsicherung rund 900 Flüge zu streichen, obwohl die meisten Flüge nicht für das Land bestimmt waren.
Während die Gesetze über den Mindestservice sicherstellen, dass einige inländische und internationale Flüge während der Streiks innerhalb Frankreichs stattfinden, haben Reisende, die den französischen Luftraum durchqueren müssen, keinen solchen Schutz.
Daraufhin übergab Ryanair-Chef Michael O’Leary der Europäischen Kommission eine Petition mit rund 1,1 Millionen Unterschriften, in der die Kommission aufgefordert wird, sich für den Schutz von Überflügen einzusetzen.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]