Nachhaltige Flugzeugtreibstoffe werden für alle EU-Flüge verbindlich

Jedes Flugzeug, das von einem EU-Flughafen abfliegt, muss ab 2025 teilweise mit umweltfreundlichem Kerosin betankt werden. Darauf einigten sich das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten am späten Dienstag (25. April).

Euractiv.com
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Die Verordnung wird den CO2-Fußabdruck des Fliegens verringern, indem Kerosin durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt wird, so eine Ankündigung des Parlaments und des Rates der EU, der die 27 Mitgliedstaaten der Union vertritt. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/amazing-sunset-airport-refueling-airplane-before-745544908" target="_blank" rel="noopener">Jaromir Chalabala / Shutterstock.com</a>]

Jedes Flugzeug, das von einem EU-Flughafen abfliegt, muss ab 2025 teilweise mit umweltfreundlichem Kerosin betankt werden. Darauf einigten sich das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten am späten Dienstag (25. April).

Eine neue Verordnung soll den CO2-Fußabdruck des Fliegens verringern, indem Kerosin durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt wird, so eine Ankündigung des Parlaments und des Rates der EU, der die 27 Mitgliedstaaten der Union vertritt.

Es wurde ein Kompromiss zu Fragen erzielt, die beide Seiten entzweit hatten, seit das sogenannte Gesetz, genannt ReFuelEU Aviation, im Juli 2021 von der Europäischen Kommission erstmals vorgelegt wurde. Zu den Streitfragen gehörte der Prozentsatz, mit dem nachhaltige Kraftstoffe beigemischt werden sollen sowie die Art der zulässigen Rohstoffe für die Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF).

Die endgültige Vereinbarung sieht vor, dass der Prozentsatz von SAF, der Kerosin beigemischt werden muss, 2025 bei 2 Prozent beginnt und bis 2030 auf 6 Prozent, 2035 auf 20 Prozent, 2040 auf 34 Prozent und bis 2050 auf 70 Prozent ansteigen soll.

Ein spezielles Unterziel für synthetische Kraftstoffe, die aus grünem Wasserstoff gewonnen werden, wird ebenfalls ab 2030 in Kraft treten. Der Anteil von 1,2 Prozent wird bis 2035 auf 5 Prozent erhöht und soll bis 2050 35 Prozent erreichen.

Das EU-Parlament hatte sich ursprünglich für einen Anteil von 85-prozentigen Anteil von SAF bis 2050 eingesetzt, während der Rat am Kommissionsvorschlag von 63 Prozent festhielt.

Ab 2025 wird außerdem ein EU-„Umweltsiegel“ auf Flügen eingeführt, welches den CO2-Fußabdruck der Reise angibt.

Die Einnahmen aus Bußgeldern für die Nichteinhaltung der neuen Vorschriften sollen in die Forschung und Herstellung innovativer SAFs fließen.

Die Europäische Kommission ist zudem verpflichtet, bis 2027 und anschließend alle vier Jahre einen Bericht zu erstellen, in dem die Auswirkungen der neuen Regeln auf den Kraftstoffmarkt sowie die Wettbewerbsfähigkeit des EU-Luftfahrtsektors untersucht werden.

Die zwischen dem Parlament und dem Rat erzielte politische Einigung muss nun noch offiziell von beiden Institutionen verabschiedet werden, bevor sie in Kraft tritt.

Der Verhandlungspartner des Europaparlaments, José Ramón Bauzá Díaz von der liberalen Fraktion Renew, ist stolz darauf, dass „das Europäische Parlament die ehrgeizige Entwicklung nachhaltiger Luftfahrtkraftstoffe in der EU erfolgreich verteidigt und vorangetrieben hat.“

„Wir haben durch harmonisierte Regeln gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen und die Anbindung des EU-Luftverkehrs erhalten. Mit dieser Verordnung rückt die Dekarbonisierung des Luftverkehrs näher“, sagte er.

Parteiübergreifende Unterstützung im Parlament

Die Mitte-Rechts-Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) lobte die Einigung ebenfalls und betonte, dass das grüne Licht für eine breitere SAF-Definition es ermöglichen wird, die Ziele des Gesetzes zu erreichen.

„Die neuen Regeln werden die Anbieter von Flugkraftstoffen verpflichten, den Anteil an SAF flexibel zu gestalten. Eine breite Definition von SAF wird den europäischen Herstellern und Airlines helfen, realistische Ziele zu erreichen“, sagte Cláudia Monteiro de Aguiar, Verhandlerin der EVP.

„Jetzt müssen wir alles tun, um in die Entwicklung und den Einsatz von SAFs in Europa zu investieren und sicherzustellen, dass die regionale Anbindung nicht beeinträchtigt wird“, fügte sie hinzu.

Der irische EU-Abgeordnete Ciarán Cuffe, der für die Grünen im Parlament als Experte für das Thema zuständig ist, sagte, dass das Abkommen „einen Weg für den Luftfahrtsektor aufzeigt, sich von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu befreien.“

Cuffe warnte jedoch, dass die vereinbarten Ziele „nicht ausreichen, um Klimaneutralität zu erreichen“ und kritisierte die Einbeziehung von kohlenstoffarmen E-Fuels, die mit Atomkraft hergestellt werden können.

„Wir sind enttäuscht, dass die Kernkraft zur Produktion einiger dieser Brennstoffe beitragen kann. Der verstärkte Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe ist daher unerlässlich, um unsere Klimaziele in den kommenden Jahren zu erreichen“, fügte er hinzu.

SAF Definition

Die Vereinbarung sieht vor, dass die für die Herstellung von SAFs verwendeten Rohstoffe über den ursprünglichen Vorschlag der Europäischen Kommission hinausgehen.

Ursprünglich beschränkte die Kommission SAFs auf E-Fuels und Biokraftstoffe, die aus von der EU zugelassenen Rohstoffen hergestellt werden, zu denen land- und forstwirtschaftliche Rückstände, Altspeiseöl und tierischer Talg gehören.

Die endgültige Vereinbarung sieht vor, dass eine breitere Palette von Biokraftstoffen in die SAF-Produktion einbezogen wird, mit Ausnahme derjenigen, die ausdrücklich ausgeschlossen sind. Ausgeschlossen sind demnach Biokraftstoffe aus Zwischenfrüchten, Palmfettsäuredestillat (PFAD) sowie aus Palmen und Soja gewonnene Materialien, sowie Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen.

Die Einbeziehung von E-Fuels, die mithilfe von Atomkraft hergestellt werden, war bei den letzten Verhandlungen im Dezember sehr umstritten und brachte den Prozess ins Stocken.

Nach der Einigung vom Dienstagabend werden jedoch auch synthetische, CO2-arme Flugkraftstoffe, bei denen es sich um nuklear erzeugte E-Fuels handelt, als SAF zulässig sein.

Industrie und grüne NGOs unterstützen das Abkommen

Airlines for Europe (A4E), ein europäischer Verband von Fluggesellschaften, begrüßte die Einigung und betonte, dass sie der Industrie Planungssicherheit biete.

„Die europäischen Entscheidungsträger müssen sicherstellen, dass sie jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen und zum Aufbau einer weltweit führenden SAF-Industrie beitragen“, sagte Laurent Donceel, stellvertretender Geschäftsführer von A4E.

„Die EU muss über SAF genauso nachdenken wie über Windturbinen, Solarzellen und andere nachhaltige Technologien, um die Energiewende in der Luftfahrt zu unterstützen.“

Die Umweltorganisation Transport & Environment begrüßte die Einigung als „unerschütterliche Unterstützung für das weltweit größte Mandat für umweltfreundliche Kraftstoffe in der Luftfahrt“ und forderte Unterstützung für die Produktion von E-Fuels für die Luftfahrt.

„Um den Erfolg der SAFs zu gewährleisten, bedarf es einer Politik der industriellen Unterstützung für synthetisches Kerosin, aber auch stärkerer Schutzmaßnahmen, um sicherzustellen, dass keine nicht-nachhaltigen Biokraftstoffe in die Tanks von Flugzeugen gelangen“, sagte Matteo Mirolo, Luftfahrtmanager bei T&E.

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Zoran Radosavljevic]